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Der Israelit · 1871-01-25 · Heft 4 (25.1.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 4 (25.1.1871)
Date
1871-01-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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61 hasseurs konnte uns näheren Bekannten Warden Verlust unseres lieben Freundes nicht er- und manche Thräne ist während der unter Bei- . des ganzen Regiments vollzogenen Begräbnißfeier .ld der dabei gehaltenen Rede unseres Regiments- Commandeurs geflossen. Zur Linderung des Schmerzes der vielleicht diese Zeilen lesenden Verwandten diene noch die Hinzufügung, daß fast blitzschnell auf einander gefolgte Kugel und Kolbenschlag an den Kopf seinem Leben ein rasches schmerzloses Ende machten. (Reform.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Prag, 9. Januar. Es dürfte den geschätzten Lesern Ihres weitverbreiteten Blattes wieder ^einmal ein längerer Bericht aus Prag willkommen sein, um über das hiesige israelitische Gemeindeleben ä jour gehalten zu werden. Ich will mich mit Vergnügen dieser Aufgabe unterziehen und die etwa bemerkenswerthe Vorfälle getreulich registriren. Es ist Ihren Lesern bekannt, daß trotz der seit dem Jahre 1848 zu Recht herrschenden Freizügigkeit in der früheren Iudenstadt jetzt Josephstadt genannt, recht viele Israeliten wohnen, deren Interessen in der Großcommune durch die von ihnen gewählten Stadtverordneten vertreten sein sollen. Leider betrachten diese Herren ihre Mission bezüglich der Vertretung der Iosephstadt als rein nebensächlich, vielmehr halten sie es für ihre Hauptaufgabe, jede Gelegenheit zu ergreifen, um eine politische Rolle zu spielen. Die eigentlichen Zwecke, die sie erzielen sollen, daß die Reinlichkeit, die Moralität, die allgemeine Gesundheitszustände des Stadttheiles gehoben werden, sind ihnen gleichgiltig, wenn nur der Persönliche Ehrgeiz gekitzelt und der Club im deutschen Casino sie belobt. Bei der letzten Stadtverordn etenivahl ging dasielbe Spiel wieder vor sich. Eine zahlreiche Anzahl Wähler, welche von der Thatlosigkeit »er gegenwärtigen Stadtverordneten der Iosephstadt überzeugt, die Schädigung ihrer Interessen nicht länger geduldig hinnehmen wollte, entschloß sich in der Person des Vertheidigers Dr. Ludwig Bendiener, Ad- »ocaten in Prag, einen Candidaten für die Stadtver- »rdnetenwahl aufzustellen. Trotz allen Anstrengungen >es deutschen Casino und der isr. Gemeinderepräsenanz, ihren Protege, Herren Adolph Schwab, durchubringen, gelang ihnen dies nur mit einer Majoriät von 4 Stimmen. Schwab hatte 46, Bendiener l2 Stimmen. Nun hatten die gegenwärtigen Stadt- »erordneten, die Herren Tedesco, Wiener, Schwab, jappert einen Aufruf des deutschen Casino unterferigt, in welchem es heißt, daß die Interessen der deutschen in Prag in der Stadtvertretung mit Härte außer lcht gelasien wurde. Die Majorität des Stadtverordneten- MegiumS über diesen Vorwurf beleidigt, stellte die deutschen Stadtverordneten in öffentlicher Sitzung darüber zur Rede und forderte dieselben auf, anzugeben, in wiefern Anträge, welche berechtigte deutsche Intereffen fördern sollten, vom Collegium nicht beachtet worden wären; im Falle dies nicht gehörig erwiesen, so wären jene Herren, welche ein derartiges Aktenstück unterfertigt, gemeine Verleumder. Die deutschen Stadtverordneten erwiderten durch Dr. Tedesco, daß sie gegen eine solche Beleidigung protestiren, und faßtm den Beschluß, die Stadtvertretung nicht zu besuchen. In Folge dieser Zänkereien ist die Josephstadt in der Großkommune ohne Vertretung, und es wäre fast zu rathen, daß die betreffenden Jnterestenten bei der hohen Statthaltern um eine Neuwahl einschreiten Möchten, damit Männer gewählt würden, die sich weniger um politische Rollen als um die Angelegenheiten des Stadtviertels kümmern. Wenn mithin im Großen und Ganzen die Zustande hier sehr verschroben sind, wie dies auch bezüglich des Gemeinderabbinates zu ^bemerken ist, dessen Leiter Herr Rabbiner Adler durch Mattherzigkeit und Unsicherheit jede That abzuschwächen sucht, welche dahin zielen soll, das religiöse Leben zu fördern, so ist im Einzelnen und bei den zahlreichen Vereinen doch viel Lobenswerthes und reges Streben auf jüdischem Leben wohl zu beachten' Der Chanuka-Verein, dessen humanitäres Wirken arme Kinder mit Winterkleidern zu versehen, demselben viele Freunde geschaffen, gedeiht unter der Leitung der tüchtigen Vorsteher Friedmann Leipen, M. I. Hirsch rc., zusehends und war die Theilnahme bei der Vertheilung, welche am Chanuka-Fest stattfand, eine lebhafte. Herr Prof. Dr. Kämpf hielt auch dieses Jahr die Gelegenheitsrede, welche den größten Beifall der zahlreichen Versammlung erhielt. Der Verein Afike Jehuda hat gegenwärtig ein schönes Local gemiethet, welches aus einem Lesezimmer und einem Zimmer für die Vorftandssitzungen besteht. Das Lesezimmer ist praktisch eingerichtet und liegen daselbst fast alle jüdischen Zeitschriften auf; auch eine hübsche jüdische Bibliothek steht den Besuchern zur Verfügung. Mit Beginn der Wintersaison sind auch die öffentlichen Vorträge eröffnet worden, welche wegen Unzulänglichkeit des Raumes im Vereinslocale in dem Saale der Handelslehranstalt abgehalten werden. Bis jetzt haben die Herrn Profestor Dr. Kämpf, Dr. Stein und Dr. Friedländer Vorträge gehalten. Dr. Friedländer wählte ein äußerst interessantes Thema über Julian den Apostaten und sein Verhältniß zu den Juden. Herr Dr. Friedländer erfreute sich reichlichen Beifalles und man erwartet, daß er recht bald wieder den Verein mit einem Vortrage erfreue. In Aussicht stehen Vorträge von den Herren Dr. Tauber, Dr. Back, Dr. Bendiener und vom Herrn Dr. Prof. Kämpf. Letzterer feiert am 14. d. das 25jährige Jubiläum seiner Amtsführung als Prediger

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