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Der Israelit · 1871-01-25 · Heft 4 (25.1.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 4 (25.1.1871)
Date
1871-01-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Peßachfeste ungesäuertes Brod zu essen und den Genuß von Gesäuertem zu vermeiden, wenn er alle Gebote der Thora zu vollbringen und die Uedertreiung der Verbote derselben zu vermeiden sucht, dann beweist er dadurch, daß ihm die Thora eine göttliche ist, daß ihre Gebote von Gott stammen. ES hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, — und in unserer Zeit sind sie besonders häufig — welche gegen diesen Haupt- und Kernpunkt der göttlichen Lehre, gegen die Beobachtung der Gebote und Verbote der Thora sich wendeten und wenden, mit der Behauptung, der Glaube allein genüge und brauche sich nicht durch jene vorgeschrieb nen Thaten zu bewähren. Vielleicht wollte das schon David im 119. Psalm andeuten: , *;min3 «6 rorptf wir 'd ns p«3 vpO3 , mip ’jism ipw nana» "i'nnLQ b3 •pipe 'wrp «V „ES haben mir Frevler Gruben gegraben (durch Irrlehren), die Deiner Thora nicht entsprechen, (indem sie sagen) nur im Glauben beständen alle Deine Gebote; (allein) mit Lüge haben sie mich verfolgt — hilf mir! Beinabe hätten sie mich vernichtet auf Erden; ich aber habe Deine Vorschriften nicht verlassen." Der Haupleinwand gegen die von Gott vorgeschriebenen Thaten wird daher genommen, daß man fragt: Wem ihust du diese" Thaten, r'?, Ihm? WaS kann Gott dein Thun nützen? Kann es Gott nicht gleichgiltig sein, womit du deinen Magen füllst, wie du den siebenten Tag der Woche verbringst, in was du dich kleidest, in welcher Weise du dich verheirathest? Wie, du willst für Ihn etwas thun, der da ist der Ewig-Vollkommene? Wenn du für einen irdischen Htrrn arbeitest, so verschaffst du ihm durch deiner Hände Wirken das, was ihm mangelt. Aber Gott, der Vollkommene, bedarf Er deines Dienstes, deiner Hände Arbeit? oft» '“i ft rnpn?ft Um diesen Einwand zu widerlegen, liegt eS uns vb, die zwei scheinbar sich widersprechenden Behauptüttgen, daß Gott vollkommen ist und daß wir dennoch zu Seinem Dienste berufen sind, miteinander in Üebereinstimmung zu bringen. Im Midrasch Rabbah zu Paraschath ’mpim fügt Rabbi Chija zu den Worten Biwjn orrotn qnm, „ihr sollt sie beobachten und sie vollbringen," Folgendes hinzu: *roj *6» ft nu nwjft «ftt? noftn, „wer da lernt, um nicht zu thun, dem wäre besser, er wäre nicht erschaffen worden". Demnach findet Rabbi Chija in Dmoicn den nivft, das heißt, die geistige Erfaffung der Gotteslehre. Der ganze Ausspruch Rabbi Chija's ist aber sehr räthselhaft. „Es wäre ihm besser, oder richtiger: leichter, er wäre nicht erschaffen worden." Ei, wem denn wäre es leichter? dem Nichttrschaffenert? der existirt aber doch gar nicht! Wir dürfen daher hier das Wort 603J nicht in der gewöhnlichen Bedeutung |’ko tcr, „Etwas aus Nichts" nehmen, sondern müssen es lediglich auf die des Körpers beziehen; so erklären auch die Int», den Ausspruch des Midrasch nrrnyn niD»Ji niN-orft dahin: dieses sind die Seelen, für welche. ter die Körper werden erschaffen werden. Demnc» lautet der Ausspruch Rabbi Chija's folgendermaßen. Wer da lernt, um nicht zu tbun, für den wäre es bester gewesen, er wäre ein körperloser Geist geblieben, es wäre dieser Seele nie ein Körper gegeben worden; sie hätte dann leichter, das Geistige der Thora erfassen köürten, da sie ja in Verbindung mit dem Körper die Vollziehung der durch diesen auszuführenden Thaten verschmäht. Wenn wir aber fragen, warum der allgütige Gott die Seele mit dem Körper verbunden hat und so den Menschen auf Erden wandeln läßt, so haben wir bereits im ersten Theile dieser Abhandlung die Antwort aus diese Frage gegeben. Der Mensch hat den Vorzug vom Schöpfer erhalten, daß er sich vervollkommnen kann, daß er der Vervollkommnung fähig ist, woraus natürlich unabweisbar für ihn die Verpflichtung sich zu vervollkommnen resultirt. Wenn es einzig Aufgabe der menschlichen Seele wäre, sich so zu erhalten, wie Gott sie dem Körper gegeben, nft« wn fhtfiö '3 nru# not« , so wäre allerdings nicht abzusehen, warum diese Seele überhaupt zum Wandel auf Erden bestimmt ist. Allein die Seele hat den Zweck auf Erden, eine höbere Stufe der Vollkommenheit zu erwerben, sie soll durch den Kampf mit den körperlichen Lüsten, Neigungen, Begierden gekräftigt und erhoben werden. Dazu bedarf die Seele aber der körperlichen Thaten, der Arbeit gleichsam, und diese Arbeit kann keine bloße Seelentbätigkeit sein, sondern sie muß in Thaten bestehen, welche das Geistige mit dem Körperlichen verbinden, in Gottgebotenen Thaten. Wir haben somit den oben hervorgehobenen Widerspruch gelöst. Gott, der Vollkommene, bedarf allerdings unseres Dienstes, unserer Arbeit nicht; aber wir bedürfen derselben, um durch Gottgebotene Thaten die Seele zu kräftigen im Kampfe gegen die irdischen Gelüste, gegen die Leidenschaften und sie so zu einer höheren Strtfe der Vollkommenheit zu erheben. Indem also Rabbi Iizchak die That hervorhebt, deutet er uns den göttlichen Ursprung der anders nicht erklärbare Thaten befehlenden Thora an (O’awn min), gleich den Zweck durch den angezogenen BibelverS darlegend: p«: n*3 'nn-ft 'n mpy’; unter n'3 wird nämlich häufig in der Bibel die Gesammtheit des Menschen, Körper und Seele, verstanden; beide einen sich durch die Gottgebotene That zu! einem jdkj n'3, zu einem dauerhaften, wahrhaften! Ha'Lse, das sogar nach der Trennung durch den den! Körper zerstörenden Tod otfiön rnnns wird wieder!

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