Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1871)
- Date
- 1871-01-18
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447499-2447503--09021-2464696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 „Ich war," antwortet Levy, .mit M. Montefiore so gut wie ein Bruder, nahm deßhalb seinen Namen an." „Dazu hatten Sie kein Recht. Doch erzählen v<3te weiter," entgegnete hierauf der Präsident. Levy setzte nun seine Erzählung fort: Ich ging sodann nach Kalifornien. Dort erwarb ich mir viel Geld. Mit diesem reiste ich nach Egypten. Da habe ich viel über die Schraubendampfer nachgedacht und viel darüber geschrieben. Ich kaufte mir auch zwei Schraubendampfer und ließ sie auf egyptischen Flüssen fahren. Doch gingen die Geschäfte schlecht', ich verlor mein Geld, mußte nach England zurückkehren, um dort meine Insolvenz anzumelden. Ich kam in die Husens - bench (Schuld-Gefängniß.) Dort traf ich Greenwood. Es ging ihm sehr schlecht, daher unterstützte ich ihn. Aus meiner Haft entlassen, zog ich nach Amerika. Da war der amerikanische Krieg. Da ich mich viel mit Chemie befaßte, so kam ich auf die Idee, 'das ärztliche Examen zu machen, was ich auch gut bestand. Ich wurde dann als Oberarzt kn die Armee eingereiht, wo ich durch die ganze Kriegsdauer verblieb. Das Leben als Arzt war durchaus kein angenehmes. Ich nahm daher mein Demission und trat zu einem Advokaten ein, der mir die Aufgabe stellte, dieFamilienverhältnisse eines Parisers zu erforschen. Ich reiste nach Paris und erfüllte meine Aufgabe zur Zufriedenheit meines Auftraggebers. Damit war aber auch meine Thätigkeit bei dem Advokaten erschöpft, ich mußte nach London gehen; da traf sich Greenwood, dem ich den Vorschlag machte, mit mir nach dem Kontinente zu reisen, um hier „Gefälligkeitswechsel" auszugeben. „Sie gestehen also zu," bemerkte der Präsident, „daß Sie den Anschlag zu dem Verbrechen gegeben haben? Sie sehen auch ein, daß Sie Verbrechen begangen haben?" — Levy. „Ein moralisches Verbrechen ohne Zweifel! Allein, daß es zu einem Prozesie kommen werde, wußte ich nicht." Henry Wilhelm Greenwood ist das Prototyp eitles Englishman. Er tritt kerzengerade mit erhobenem Kopfe in den Gerichtssaal ein, ist sehr elegant gekleidet, trägt hohe Steifkragen und verantwortet sich in englischer Sprache mittelst des Dollmetschers Dr. Hasenohr!. Bei Paris geboren, 41 Jahre alt, zog er schon in seiner Kindheit mit seinem Vater nach England, wo Greenwood zuerst studirte, dann aber Agent wurde und in London (Westend. Cambridge, Bath) wohnte. Sein Vater ist als Goldsucher in Kalifornien gestorben, seine Mutter viel früher in Posilippo bei Neapel. Wilhelm Henry Greenwood lebte mit einem Weibsbilde, welches er Scott nannte, das aber in Wirklichkeit Anna Elisabeth Bohlen hieß; dasselbe hatte ftüher mit einem Dr. Zacharias Lawrence gelebt, dessen Papiere sich Greenwood zu seinen Bettügereien zu verchaffen wußte. Präs.: Levy sagt, Sie hätten ihm die gefälschten Cheks gegeben. Ang.: Oh! No! Oh! No! (Heiterkeit.) Präs.: Nun wer hat denn die ChekS gefälscht? Ang.: Levy! Er erzählte mir ja schon in London, daß er schon einmal gefälscht habe. Dr. Markbreiter. Wenn Levy die Anfertigung und Verausgabung der Cheks und die Verantwortung dafür gehabt hätte, wozu hätte er Sie dann mitgenommen? — Greenwood: Damit er sich hinter mir verbergen könne, wenn es ihm schlecht geht. Präs: Was bemerken Sie hiezu, Herr Levy? — Levy (lächelnd): Wenn ich Herrn Greenwood sage, er soll sich mit kaltem Wasser anfüllen und sich auf einen geheitzten Ofen setzen und so lange sitzen, bis es heiß wird, würde er das thun? Der Kellner des „Erzherzogs Karl," Herr Karl Spanner, erzählt, daß sich Levy von ihm, mitten im größten Gedränge 600 fl. aus einen Chek ausgeborgt habe. Gleich darauf sei er spurlos verschwunden, wie in die Erde gesunken. Der Präsident konstatirt, daß daS Landesgericht der großbritanischen Negierung den Antrag gestellt habe, die Angeklagten nach hier überstandener Strafzeit nach England abzuliefern, daß aber die Regierung von Großbritannien anwortete, sie haben kein Jnteresie an der Ablieferung der Angeklagten. Indessen präsentirt Dr. Markbreiter einen an ihn von Lord Blomfield gerichteten Brief, daß die, Angeklagten in England in Untersuchung stehen, sohin werden requirirt werden müssen. Nach den Plaidoyers des St.-A. Dr. Krall i^s des Dr. Markbreiter und Dr. Berggruen spricht dB Gerichtshof folgendes Urtheil aus: Beide Angeklagte sind des Verbrechens des Betruges schuldig und sollen Levy durch sieben, Greenwood durch fünf Jahre im schweren Kerker angehalten werden. Beide Angeklagte haben nach Abbüßung ihrer Strafe das österreichische Gebiet zu verlassen. Ueber die Auslieferung wurde noch kein Beschluß gefaßt. Feuilleton. Militärische Aries« von einem jüdischen Freiwilligen. fl. Darmstadt, im Tebeth. Meine neue Lebensweise gefällt mir jeden Tag besser, und ich für meine Person findej, daß die Bor-