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Der Israelit · 1871-01-18 · Heft 3 (18.1.1871) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
– (sequence 31)
Language
German
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67 n"n mit Recht beweint, —ein jeder der sechs Redner, welche den Gefthlen der Trauer geeigneten Ausdruck geliehen, konnte neue Belege hierfür vorführen. Im Trauerhause, unmittelbar nach der mnD, schilderte ein Sohn des Heimgegangenen, dann auch der Schwiegersohn desselben, J r. A. Berliner aus Berlin, die Trauer der gesammten Familie, der der Verewigte eine Krone im edelsten Sinne dieses Bildes gewesen. Der Talmudgelehrte R. Gabriel Herzberg sprach vor dem Eingänge des Beth-Hamidrasch *) und schilderte in beredter Weise die großen Verdienste des Verewigten speciell um dieses Institut. Am Friedhofe angelangt, stellte der an der Spitze einer Deputation der Gemeinde zu Obersitzko herbeigeeilte Rabbiner, Herr Samter, die frühere ersprießliche Wirksamkeit des Betrauerten in seiner Gemeinde dar, worauf der Rabbiner der Nachbargemeinde zu Schönlanke, Herr Wäldler, nachwies, wie gerade in unserer Zeit der Heimgang eines solchen seltenen Mannes um so schmerzlicher empfunden werden mußte. Am offenen Grabe ergriff der OrtSrabbiner Dr. Freimann das Wort, um in wahrhaft rührender Weise Leben und Wirken feines nunmehr verblichenen, im Jenseits weilenden Freundes zu zeichnen. Möge Gott Trost senden den über diesen Verlust so tief bewegten Herzen, besonders aber den verwundeten Gemüthern seiner frommen Kinder in Filehne, Berlin, Breslau und auch jenseits des Oceans, die 4 im Geiste des Vaters wandeln und als '“> vtn'v's Kinder" rühmlichst bekannt sind. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 13. Januar. (Ein ehemaliger Reformprediger vor Gericht.) Durch eine längere Reihe von Jahren durchstreiften zwei Abenteurer unter den Namen Wright, Bullok, Graham, LukaS, Raphall, Samuda, Montefiore, Lawrence, Linden, Lindenthal und Goldschmidt fast alle Länder des Kontinents, traten als vornehme Engländer auf, logirten in den ersten Hotels, begaben sich zu den ersten Banquiers, wo sie gefälschte Cheks und gefälschte Kreditive präsentirten, dadurch Geld — viel Geld erschwindelten, und dasselbe auf Reisen und in Unterhaltungen vorauSgabten. Die Abenteurer bereisten Oesterreich, Belgien, Bayern, Württemberg, Preußen, Braunschweig, Bremen, Sachsen, Hessen-Darmstadt, Gotha, Hamburg, *) Der Verewigte hatte im Leben sehr häufig gegen den Brauch unserer Zett, die Bahre nach dem «bw zu bringen, sich ausgesprochen; dagegen ordnete er für sich an, daß man mit seinem Leichenzuge vor dem sm» *”3 halte und zugleich laut erwähne, daß er mehr als 30 Jahre hindurch darin gelernt habe. Frankfurt, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Schweiz und Malta, also das ganze Europa! Sie führten, so weit es bekannt ist. Betrügereien mit der Präsentirung falscher Cheks aus in Wien, Agram, Bozen, Gmünden, Graz, Innsbruck, Krakau, Laibach, Linz, Pesth, Pilsen, Breslau, Danzig, Düsseldorf, Frankfurt a. O., Görlitz, Hannover, Magdeburg , Aachen , Frankfurt a. M., Berlin, Posen, Braunschweig. Gotha, Basel, Genf, Madeira, Lissabon, Madrid, Korfu, Athen, Syra, Malta und Gibraltar. Die beiden Abenteurer nennen sich Wilhelm Levy und Wilhelm Henry Greenwood. Sie haben sich als Schiffbauer, Kaufleute, Banquiers, Ingenieure bei dem Durchstiche des Mont Cenis rc. ausgegeben und haben die lange Reibe von Jahren, in welchen sie den Schwindel getrieben, keinen Anstand erfahren, bis in Wien. Vierzehnmal baben die Abenteurer Oesterreich heimgesucht. Beim letzten Male wurden sie angehalten. Gestern standen Beide vor einem Fünfrichtercollegium unter dem Vorsitz des LGR. Schwaiger, angeklagt wegen des Verbrechens des Betruges nach den §§ 197, 200, 201 a. und d., strafbar nach §. 203 deS St. - G. Die Anklage erhob Dr. Krall, die Verteidigung Levy's führte Dr. Marktbreiter, die Greenwovd'S Dr. Berggruen. „Erzählen Sie uns," fordert der Präsident Levy auf, „Ihren bisherigen Lebenslauf." „Ich bin," erzählt Levy — ein kleiner, stark gebauter Mann, mit einem „geistreichen" Gesichte, stechendem Blicke und hoher, stark gewölbter Stirne — in gebrochenem Deutsch mit englischem Accent, „der Sohn des Literaten Israel Levy in London- Mein Großvater und mein Vater waren beide sehr reich; doch verlor Letzterer sein ganzes Vermögen. Ich bin zu Birmingham geboren, bin 46 Jahre alt und mit Jane Justice, der Tochter eines englischen Arztes, die ich in Egypten kennen gelernt habe, verheirathet. Ich habe für ein Kind, eine schöne Tochter, zu sorgen. Anfangs war ich Kaufmann Da es mir jedoch in England schlecht ging, zog ich nach Australien, nach Victoria und Sydney, wo ich als jüd. Reformprediger wirkte. Da die dortigen Leute meine Reformen nicht annehmen wollten, so reiste ich weg nach Malta, wurde dann bei Said Pascha Secretär urst» redigirte ein Journal in Kairo. Von da zog ich nach Granada und kehrte nach England zurück, als ich hörte, daß eine Expedition nach Afrika unter dem Schutze der englischen Regierung unternommen werden sollte. Weil mir jedoch das afrikanische Klima als sehr ungesund geschildert wurde, zog ich es vor, nach China und Indien zu gehen..." „In Indien nannten Sie sich Abraham Montefiore und gaben sich für einen Neffen des SirMoftS aus. Mit welchem Rechte?" ftagt der Präsident.

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