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Der Israelit · 1871-01-18 · Heft 3 (18.1.1871) · page 33

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
– (sequence 33)
Language
German
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69 r theile und Reize dieser Lebensweise deren Schattenseiten ) bei weitem überwiegen Zunächst habe ich bis jetzt nicht nöthig gehabt raor ^rra zu sein, da mich mein Herr Hauptmann für den rov vom Dienste dispensirt hat. Für den Freitag Nachmittag konnte ich mir keinen Dispens verschaffen, da es meinem Herrn Vorgesetzten nicht einleuchten wollte, daß das nsp to nnjot? “poo wnoa o»nn auch auf die Zündnadel Anwendung habe. Derselbe mag auch Recht haben; denn nach der Ansicht des und ipso, wonach das “poD nmo1? sich auch oufi^ie übrigen Wochentagen bezieht, müßten meine sämgftlichen Nachmittagsübungen ausfallen, und das wäre allerdings zu viel verlangt. Auch sonst bin ich mir keines “iid’N bewußt, zu welchem mich meine Stellung als Einjährigfreiwilliger etwa veranlaßt; vom rmn abgesehen, der mir allerdings sehr am Herzen nagt. Doch zur Sache! — Es ist den Lesern des „Israelit" vielleicht bekannt, daß sich auch hier unsere Glaubensgenossen in zwei Lager getheilt haben, daß wie in Frankfurt, Mainz, Berlin, Wiesbaden, und anderen Orten, auch hier Brüder, die eigenen Brüder aus dem gemeinsamen Gotteshause verdrängt, um ihre Neuerungsgelüste zu befriedigen. Und die durch Orgelklang, Gebetverstümmelung und anderen Firlefanz vertriebenen Getreuen haben sich zu einer neuen Gemeinde geeint, haben ein neues Gotteshaus g'baut, eine eigene Schule gegründet, und so leben beide Gemeinden friedlich nebeneinander, da die Reformbestrebungen der neuerungs- . süchtigen eigenen Brüder es unmöglich machen, friedlich miteinander zu leben. Die junge Gemeinde, die den Namen Adaß Jeschurun führt, entfaltet sich zusehends blühender und schon ist das Gotteshaus zu eng, um die täglich sich mehrenden Verdrängten zu fassen, so daß an eine Erweiterung desselben ernstlich gedarbt werden muß. Und trotzdem lassen unsere D'soi noch gar Manches zu wünschen übrig. Bei dem warmen, opferwilligen Interesse jedoch, das die Biedermänner, welche an der Spitze der Adaß Jeschurun stehen, durch ihr uneigennütziges rastloses Thun und Wirken für die heilige Sache an den Tag legen, bin ich fest überzeugt, daß es nur dieser Anregung bedarf, um die vorhandenen Mißstände zu beseitigen. Die Adaß Jeschurun besitzt, obwohl sie schon einige Jahre besteht, noch bis heute keine Eorporationsrechte. Ich weiß nicht, ob zu diesem Zwecke bereits Schritte gethan sind; wenn sie aber geschehen sind, so ist die Lauheit und Energielosigkeit nicht bitter genug zu tadeln, mit welcher hier zu Werke gegangen wird. Unsere Regierung hat sich schon so oft als Vertreterin und Förderin der Gewiffensfreiheit^bewährt, daß sie auch nicht der leiseste Schatten emes Vorwurfs treffen kann. Oder sollte man etwa von ihr erwarten dürfen, daß sie der Schlaffheit und Theilnahmlosigkeit der Petenten eine eifrige Theilnahme und Unterstützung entgegenbrächte? Das jüdische Interesse fast sämmtlicher Gemeindemitglieder beschränkt sich auf den Besuch der Synagoge und die allerdings nicht unbedeutenden Beiträge zur Gemeindecaffe. Alles, was außerhalb dieses Bereiches liegt, zieht die bleierne Schwere des Geschäfts und des Berufs zu sich hinab; höchstens, daß einmal ^an mv ein halbes Stündchen über diesen oder jenen Gegenstand raisonnirt wird; z. B. über die rwrup die sich übrigens, nebenbei gesagt, durch das verdienstvolle Bemühen des Herrn Rabbi Löb Sulzbacher in sehr gutem Zustande befindet. — Das ist Alles. Aber das ist der Geist nicht, der eine Gemeinde durchdringen möchte, die ein cpno brriO iin sein, die den Abfall der Brüder sühnen, und sich selbst davor bewahren sollte, das ist der Geist nicht, der im eigenen Lager Muth und Vertrauen, der den Singsang und Orgelklang, welcher sich „ drüben" breit macht, die Stirne bieten, und seinen eigenen Vertreter Achtung und Geltung verschaffen kann; das ist der wahre jüdische Geist nimmermehr. Und wenn dem unverfälschten jüdischen Geiste nicht eine bleibende Stätte in der Adaß Jeschurun errichtet wird, wenn das Bedürfniß danach nicht gefühlt, dessen Befriedigung nicht erstrebt und gewährt wird, dann kann man bei allem Optimismus der jungen Gemeinde kein günstiges Prognostikon stellen. Mögen die Finanzen noch so blühend, die vorhandenen Fonds noch reichlicher sein, als sie es wirklich sind; nicht mit materieller Macht und Kraft ist, sprach Gott zu Serubabel, der auch eine neue Gemeinde gründen und dauernd befestigen wollte, sondern mit meinem Geiste legt man den pbr rwfinn, den Grundstein, der einer solchen Institution eine günstige Zukunft fr, jn rnNipn sichert. Jeder, der die hiesigen Zustände auch nur oberflächlich kennt, weiß es, daß ein einziges Augenpaar das Gott noch lange offen erhalten möge, sich nur zu schließen brauche, um der Gemeinde den einzigen idealen Halt, den sie heute hat, zu nehmen, und was dann? Was frommt dann das Geld, das in den Kaffen schlummert? Todtes Gold kann niemals lebendigen, jüdischen Geist zu Tage fördern, wahrhaft jüdische Gesinnung dagegen schafft sich schon die Summe, welche zu ihrer Realisirung nöthig sind, schafft uns, mit anderen Worten, eine dauernde, weil festbegründete jüdische Zukunft. Wie aber schafft man den uvrvuo reruna; diesen Tausendkünstler, den jüdischen Geist? Auch das ist so schwierig nicht, als es auf den ersten Augenblick scheint. Davon im nächsten Briefe.

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