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Der Israelit · 1871-01-18 · Heft 3 (18.1.1871) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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44 MS Gabriel in H. eintraf, meldete er sich sofort als Freiwilliger; er wurde angenommen und zum Kriegsdienste vorbereitet. Gegen alles Erwarten schnell wurde der deutschösterreichische Krieg beendet. Gabriel war noch nicht einexercirt, als schon der Waffenstillstand und bald darauf der Friede erfolgte. Da Gabriel sehr viel Geschick und Talent besaß, so avancirte er bald zum Unterofsieier. Rasch - ging das Jahr dahin , und noch ehe Burgwald entlassen wurde, machte er das OfficierSexamen, so daß er, im Falle der Wiedereinberufung als Officiersaspirant inS Heer eintretm konnte. Von Paris bekam er unterdessen keine sehr angenehme Nachrichten. Herr Windsheimer, der für Napoleon schwärmte und für Alles, was dieser unternahm, hatte sich stark an der mexikanischen Anleihe betheiligt und einen großen Theil seines Vermögens dabei zugesetzt. Er rieth Gabriel nach seinem Austritte aus dem Regiment, nicht nach Paris zurückzukehren. Gabriel folgte dem Rathe und nahm eine gute Stelle in einem bedeutenden Handelshause Norddeutschlands an. Diese gewährte ihm nicht allein seinen Lebensunterhalt, sondern gestattete ihm auch, seine Eltern und Geschwister reichlich zu unterstützen. Dadurch wurde der alte Burgwald in den Stand gesetzt, sein eigenes Geschäft zu heben; er hatte in früheren Zeiten einen großen Juwelierladen besessen; jetzt wurde eS ihm durch die Unterstützung seines Sohnes möglich, hie und da alte silberne und goldene Geräthe, Uhren und dergleichen Dinge zu kaufen und wieder zu verkaufen. Da er diese Art Waaren gut zu beurtheilen verstand, so kaufte er vortheilhaft ein, verkaufte mit guter Avance und hatte bald seinen Handel in Schwung gebracht. Während so ein gewisser Wohlstand in Gabriels Elternhaus wieder einzog, ging es mit Herrn Winds« heimer immer mehr abwärts, was sich, wenn auch nicht offen, so doch verdeckt in all den mißmuthigen Briefen aussprach, die Gabriel empfing. Dieser* hatte darob großen Kummer, und er sann oftmals darüber nach, wie er seinem Wohlthäter und besten Angehöriden helfen könne. So waren drei Jahre seit der Zeit verflossen, daß Gabriel seiner Dienstpflicht genügt hatte. Eines Tages empfing er ein Telegramm von seinem Vater. „Komme eilig hierher," telegraphirte der alte Burgwald, „ich habe Dir wichtige und erfreuliche Mittheilungen zu machen." Gabriel erhielt daraufhin Urlaub von seinem Principal und eilte nach H. — Hier traf er die Seiden in der größtm Aufregung; sein Vater hatte ein österreichisches Staatsloos für eine Sch > erhalten und dieses war mit einem G> I 70,000 Gulden gezogen worden. Sieb; I Gulden, welch ein enormer Reichthum I - I die Zukunft wurden geschmiedet; Gabriel ' I Stelle aufgeben und in H. ein großes Ge! I bliren. „Willst Du nicht," fragte Gabriels „Deine Freunde in Paris von unserm E Kenntniß setzen?" Gabriel besann sich ein wenig; dann sa^ „Wenn/Ihr nichts dagegen habt, so will meinen Freunden in Paris dieses frohe Ereigr ein wenig geheim halten; Ihr wißt, was ick verdanke, und daß es mein höchster Wunsch ist; lippine Windsheimer — sie ist jetzt neuzehn alt — die meine zu nennen. Ich will nach * rückkehren und mir von meinem Principale de schied erbitten. Dann will ich selbst nach Pari», sen und die Hand Philippine'ns erringen, vorauSgc daß Ihr Eure Einwilligung dazu gebt." „ Reise mit Gott, mein Sohn," entgegnete E brielö Vater, „wir sind mit allen Deinen Pläner» einverstanden. Gebe der Allgütige Dir Seinen Segen zu allen Deinen Unternehmungen." „Habet Dank," antwortete Gabriel, „habet Dank, geliebte Eltern, für Eure Zustimmung. Wir schreiben heute den 5. Juli; in wenigen Tagen hoffe ich von meinem Principale meine Entlastung erwirkt zu haben. Ich will zunächst das Gewinnloos zu Gelbe machen und es einstweilen in der Königlichen Bank anlegen. Dann reise ich nach Paris." Gabriel verabschiedete sich von den Seinen und kehrte nach B. zurück. Das frohe Ereigniß, das seinen Vater zum reichen Manne gemacht hatte, beglückte ihn namentlich durch den Gedanken, daß er nunmehr im Stande sei, seinen Wohlthätern in Paris die Schuld der Dankbarkeit abzutragen. Schon malte seine Phantasie die Scene aus, wenn er unvermuthet in Paris ankommen und solch* freudige Eröffnungen machen würde. Was wird Herr Windsheimer dazu sagen, wie wird Frau Windsheimer vor Freude weinen! Und Philippine? Viele Gedanken sind in des Mannes Herzen, doch nur der Rathschluß GotteS wird bestehen. Wer aber kennt den Rathschluß des Höchsten? (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Vellage«. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rourschen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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