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Der Israelit · 1871-01-18 · Heft 3 (18.1.1871) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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40 rauf jener sammt seinen Spießgesellen so rasch die Flucht in den Wald ergriffen, daß die so furchtbar überraschten Cavalleristen ihnen nicht zu folgen im Stande waren. (Reform.) Oesterreichifch-Ungarrsche Monarchie. Wien. Der 17jährige Praktikant Emil F i s cher, der hier in der Stadt, Sterngaffe, bei dem Tuchhändler Geiringer bedienftet war, fuhr verflossene Woche mit seinem Cousin Joseph Fischer zu der Hochzeit einer nahen Verwandten nach Stampfen in Ungarn. In Neudorf, der letzten Station, stiegen sie aus und setzten zu Fuß den Weg nach ihrem Heimathsorte fort. Durch Schneefelder, wo weit und breit kein mmschliches Wesen sich zeigte, eilten sie, um so bald als möglich in ein Dorf zu kommen, wo sie, da sie sich verirrt hatten, übernachten könnten. Nach mehrstündiger Wanderung sahen sie endlich von Weitem Lichter schimmern Alle Kräfte zusammenraffend beschleunigten sie ihre Schritte und befanden sich bald vor den ersten Häusern des Dorfes. Bei einem klopften sie an und baten um ein Nachtquartier. „B e i uns darfkeinJudübernachten, gehenszwei Stunden weiter," war die Antwort und in rührender Uebereinftimmung wurde ihnen überall, wo sie anfrugen, dieselbe Antwort zu Theil. Emil Fischer war ermattet und konnte kaum mehr die Füße regen, doch Ausrasten wäre der sichere Tode für Beide gewesen, darum machten sie sich auf den Weg. Mit dem ersten Morgengrauen erreichten sie Stampfen und begaben sich zu der Wohnung der hochbetagten Mutter des Praktikanten Fischer. Als der letztere endlich am ersehnten Ziel angelangt war, hatten ihn seine Kräfte verlaffen, bewußtlos stürzte er zusammen, ärztliche Hilfe war vergebens, er starb noch in derselben Stunde!! Pefth, im Januar. „Das traditionelle Judenthum" theilt die Namen von 199 israelitischen Gemeinden mit, welche sich auf Grund des orthodoxen Organisationsstatuts conftituirt haben; die größte und bedeutendste unter diesen ist Preßburg. In vielen Gemeinden hat eine Trennung stattgefunden; so in Großwardein, wo die Majorität der Orthodoxie angehört, ebenso in Miskolcz, während in Arad, Szegedin, Bonyhad, Mako, Eperies, Waitzen, Papa, Ungvar, Stuhlweißenburg die Orthodoxen die Minorität bilden. Wir vermiffen noch die Namen vieler orthodoxer Gemeinden, so z. B. Eisenstadt. Auch die Orthodoxen von Pesth und Alt-Ofen suchen wir in dem Verzeichnisse vergeblich. R-Adony, 15. Dec. 1870. Heute starb hier David Schlesinger im Alter von 110 Jahren. Der Mann war bis zu seinem Tode rüstig und nie krank gewesen. (Ung. Jüd. W.) Altofen, 25. Dec. Herr Oberrabbiner M. Hirsch ist, weil er eine behördlich ausgesprochene, aber nach jüdischem Gesetze nicht zulässige Scheidung durch Uebergabe des rituellen Scheidebriefes nicht vollziehen wollte, um 50 Gulden gerichtlich exequirt worden, als Strafe für seine — Renitenz gegen die Behörde! UZ Italien. Rom, 29. Dec. Der Austritt des Tiber hat während der letzten Nächte und der ersten Morgenstunden wahrhaft kolossale und erschreckende Proportionen angenommen. Die bevölkertsten und wohlhabendsten Quartiere, die größten Plätze sind überschwemmt; auf der Piazza del Popolo ist das Wasser bis zu einer bis jetzt noch nie erreichten Höhe gestiegen. In den weniger gekannten Quartieren hat die Ueberschwemmung ebenfalls beträchtlichen Schaden angerichtet. Im Ghetto haben viele der Unglücklichen ihre einzige Habe verloren. Zu Ripettä, auf der Longara und der Rotonda ist die Beschädigung sehr erheblich und der einzige Trost ist der, daß bis jetzt noch kein Menschenleben zu Grunde gegangen In den um Rom herumliegenden Feldern ist das Elend vielleicht noch größer, weil der Fluß,» nachdem er Dämme und Schutzwehren eingebrochen, weite Flächen überschwemmt hat. Die Stadtcentralpost ist unter Wasser gesetzt. Der Eisenbahndienst, zwischen Rom und Orte ist in Folge des Einbruchs der Brücken bei Orte und Collerosetta unterbrochen. Gestern mußten die Züge auf der Linie Rom-Civitavecchia eingestellt werden, da diese in der Länge eines Kilometers vom Wasser bedeckt ist. Der Postdienst mit Neapel hingegen konnte wieder ausgenommen werden und zur Verbindung mit Oberitalien bedient man sich einstweilen der Bahnstreche Neapel-Foggia. Noch ist es nicht möglich, die Ausdehnung der Ueberfluthung und ihre Folgen mit einiger Genauigkeit zu bemessen. So viel aber kann man jetzt schon mit Sicherheit behaupten, daß sie immens sind. Die Behörde hat das Möglichste gethan, das Nebel zu mindern. Zahlreiche Vertheilungen von Lebensmitteln an die Bewohner, welche ihre Häuser nicht verlaffen können, haben stattgefunden. Fürst Doria und General Cosenz haben mannigfaltige Verfügungen getroffen, um den Beschädigten Hilfe zu spenden. Karren und Barken werden in reicher Anzahl beschafft. Die Bäcker sind angewiesen, große Brodvorräthe zur Disposition der Behörden bereit zu halten. Florenz, 6. Jan. Daß der König bei seiner

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