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Der Israelit · 1871-01-18 · Heft 3 (18.1.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 3 (18.1.1871)
Date
1871-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 fall es vermocht hätte, und wiederum, was uns als ein Glück erscheint, birgt nur zu oft den Keim des Verderbens in sich. Der Blick des Menschen reicht nicht weit; von der Vergangenheit wissen wir wenig, von der Zukunft gar nichts, und die Gegenwart ist nur ein kurzer, unfahbarer Moment. Vor Gott aber liegt die Vergangenheit wie die Zukunft offen; daher können wir Seine Thaten nicht überblicken, Seine Pläne nicht durchschauen, können daher auch nicht wissen, welches Ereigniß für uns gut oder schlimm sein wird. Aber es gibt noch etwas Anderes, was nothwendiger Weise die Vorsehung Gottes uns räthselhast erscheinen lassen muß: das ist mvon, die Willensfreiheit. Das größte Geschenk, das uns Gott verliehen, die Freiheit, die kein Geschöpf außer dem Menschen besitzt, sie ist es gerade, die uns mit den größten Räthseln umgibt. Wären die Wege Gottes für uns so ohne Weiteres erkennbar, wäre Sein Walten so durch'ichtig, daß wir es zu durchschauen vermöchten, mit andern Worten, würde jeder guten Thal die Belohnung und jeder schlechten die Bestrafung sofort folgen, würde ein rechtlicher, tugendhafter, frommer, gottesfürchtiger Lebenswandel unmittelbar zu Reichthum, Gesundheit und Famlienglück führen, würde aber ein gottloser, verbrecherischer Lebenswandel nothwendiger Weise zu Armuth, Krankheit und Schande führen, so hätte damit die Freiheit der Wahl aufgehört. Wir sollen aber Gottes Gesehen gegenüber frei sein; Gott selbst hat Sich von Seiner Macht soviel entzogen, daß dem Menschen ein freier Spielraum zur Betätigung des eigenen Willens bleibt. Und stehe, das Wörtchen no ist es, das den scheinbaren Hinwand gegen das Walten der göttlichen Vorsehung widerlegt. Du erkennest dieses Walten nicht, du siehst die Bösen glücklich und die Frommen leiden? So wisse, 'das kostbare Gut der Willensfreiheit ist es, welches diesen Zustand bedingt no dtdt ,no ■pyo, „Höre Israel, was verlangt der Ewige, dein Gott, von dir! Nichts, als Ihn zu fürchten." dO.i D'BP nntd pn D'öp H»3, „Alles steht in Gottes Hand, nnr nicht die Gottesfurcht." In dieser Beziehung ist der Mensch frei, kann das Gute oder das Böse wählen, kann Gott fürchten oder sich von Ihm abwenden, kann wählen das ewige Leben oder dm ewigen Tod. Wir haben oben die göttliche Vorsehung als ein Wissen bezeichnet. Wir können diesen Punkt nicht verlassen, ohne eine Frage zu berühren, die sich jedem! denkenden Menschen aufdrängen muß und der Maimonides bereits Ausdruck verliehen. Es ist dies die Frage: Wie läßt sich die göttliche Allwissenheit mit der menschlichen Freiheit des Willens in Einklang bringen? Wenn Gott im Voraus weiß, was der Mensch thun wird, so bleibt diesem doch keine Wahl, zu thun was er will, sondern Gott schon längst im Voraus des antwortet bekanntlich dar Wiffen ein anderes ist als Davraama »nmarno, daß wr menschlicher Vorstellungsweise bi die Art und Weise des göttli nicht erkennbar sei. Wir finden ser Ansicht in dem iu Rede Rabbi Iizchaks; indem er das den Vers 'i mjn o anknüpst das göttliche Wiffen, die göttlich seiner Natur nach ganz anderes Wissen sei. Das menschliche Wisst ßen; der Mensch hat in sich ledigli t" n zu lernen, zu erkennen, zu w» selbst stammt von den Gegenständen In jedem Zweige des Wissens, den ten wir als Subject einer ganzen Re gegenüber, deren Kunde unser Wissen ders ist es bei Gott; da Gott der A da Er ist tw 'oipo, da Er nid Welt, sondern da die Welt in Ihm selbst das Object Seines Wissens, 'i n der Gott des Wissens der uns nnbegre» fassenden Gottheit (mn); tnfjer ist Se. vollkommenes, daher ist es zugleich W Ater aber daher ist es uns in demselben 2 greiflrch, unverständlich wie das Wesen (mn) selber, und daher gelingt es uns innerhalb unserer menschlichen Begriffe ^av Wissen des Allherrn mit der Willensfreiheit des Menschen in Einklang zu bringen; genug, die Thorah lehrt beide, wir wiffen, daß Eines neben dem Andern ist; wie es aber nebeneinander ist und sein kann, das werden wir dereinst erfahren, wann die körperliche Hülle unser geistiges Erfassen nicht mehr beschränken wird. (Forts, folgt.) Literarischer Bericht. DieAuffassung der sinaitischen Traditions- Doctrin bei den Orthodoxen und bei den Reologen jüdischen Glaubens nebst einer Genesis des Schulchan Aruch von Sigmund Krauß aus Körös-Ladäny. Pesth, 1870. Unsere Leser kennen die Kämpfe, welche gegenwärtig die ungarischen Israeliten gegeneinander kämpfen und die zur vollständigen Spaltung des, ungarischen Israel führen werden. Die vorliegende

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