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Der Israelit · 1871-01-11 · Heft 2 (11.1.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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23 Wien, indem, wie wir vernehmen, demselben durch eine großartige Widmung die Grundlage zu einem Dotationsfond gegeben wird, bestimmt, die Erhaltung eincs dereinst zu erbauenden israelitischen Waisenhauses zu sichern, eine Anregung, die ihren schönen Zweck gewiß nicht verfehlen und seinem GedLchtniß die verdiente Ehre wahren wird. Aus Gr-Mihalyfalva schreibt man; Hier wohnt ein JSraeüte, der zwei Enkelinnen hat, zwei ZwillingSmädchen. Das eine Mädchen hatte eine Bekanntschaft mit einem christlichen Eisenbahnbeamten, der von dem Großvater auch die Hand des Mädchen verlangte. Der alte Herr wollte indeß durchaus nicht dareinwilligen, daß seine Enkelin das Weib eines Christen werde. Das Mädchen weinte und war nicht zu trösten. Zuletzt kam der Großpapa aus den Gedanken, er werde dem Kinde schon einen Bräutigam herbeischaffen, wenn eS ihm nur darum zu thun ist. Er schafft auch einen herbei, und zwar natürlich einen solchen, bei dem das obige Ehehinderniß nicht obwaltete. Die Verlobung ging vor sich, der Kontrakt wurde unterzeichnet, der Handschlag gegeben, ganz wie Gesetz und Sitte eS verlangen. Allein im großen Vergnügen vergaßen sie ganz, daß bei einer Verlobung auch eine Braut da sein müsse. Die ^aber war nirgends zu finden, denn sie war mit ihrem Geliebten nach Debreczin entflohen. Darauf große Verwirrung, Einleitung der Verfolgung — Alles nutzlos. Nun aber bestand der Bräutigam auf den > Vertrag: er fordert die Mitgift und das Mädchen. Der Alte wußte sich nicht zu helfen; die Mitgift wäre schon zu haben gewesen, allein woher ein Mädchen nehmen? Ms sie rathlos dastanden, öffnete sich die Thüre, und hereintrat die Zwillingsschwester des entflohenen Mädchens. Ein Gedanke fährt dem Großvater durch den Kopf — er sieht auf den Bräutigam, dieser versteht den Blick, ergreift die Hand des Mädchens, das erröthend die Augen niederschlägt, und Jakob erhält Lea statt Rachel zur Frau. Italien. Rom. Zwei Israeliten, Sam. Alatri und Settimo Piperno, sind zu Mitgliedern des Stadtrathes und ersterer auch zum Mitgliede des Provinzialrathes erwählt worden. Diese Wahlen sind noch bedeutungsvoller, wenn wir erfahren, daß sie mit großen Majoritäten erfolgt sind. Bedenken wir den Zustand, in welchem noch vor drei Monaten die päpstliche Regierung die Juden in Rom hielt, so fühlen wir uns von Bewunderung und Dankbarkeit gegen die römische Bürgerschaft erfüllt, welche die erste Gelegenheit ergriffen hat, um zu zeigen, wie tief ste von den heiligen Grundsätzen der Gleichheit und Brüderlichkeit erfüllt sei. (Educ. Jsr.) Spanien. Alle Freunde der Gewiffensfreiheit können sich Glück wünschen, daß der Herzog von Aosta auf den spanischen Thron mittels Wahl berufen wurde. Das Haus Savoyen, dem der erlauchte Prinz angehört, war durch beinahe ein Vierteljahrhundert gleichbedeutend mit der Frage der Religionsfreiheit. Die ebenso constitutionell- und nationalgesinnte Dynastie, deren heutiges Oberhaupt des Herzogs Vater ist, hat in ihrem Thun und Lassen hiesür reichliche Beweise geliefert. Neuere Ereignisse haben neue Proben geboten, daß das Haus Savoyen den Grundsätzen der Toleranz und Freiheit treu geblieben, und daß sie eben in Rom sich neuerdings bewahrheiten. Wir freuen uns dieser Königswahl, weil die Schlichtung dieser Frage für eine dauerhafte Regierung in Spanien, sowie für die Sicherstellung der den neuangesiedelten oder später sich niederlassenden Israeliten zu gewährenden Bürgerrechte eine Garantie bietet. Es hätte zufälligerweise eine karlistische Dynastie mit aosolutischen Neigungen oder die entthronte mit doktrinär-absolutischen Grundsätzen restaurirt werden können. In beiden Fällen hätten die Juden wenig zu hoffen gehabt, und die Zusage der Bestätigung ihrer neuen Recht wäre ein todter Buchstabe geblieben. Die Bestrebungen der spanischen Bourbonen mögen diese nun von Ferdidinand VII. oder Don Carlos abstammen, hätten sie wahrscheinlich dahin geführt, die alteAusschließung, den alten Fanatismus in schlimmster Form wieder einzuführen. Eine Synagoge und das Judenthum müßten solchen Prinzen und ihren Rathgebern als eine unheilvolle Pest erscheinen, denn in der That war letzthin noch der Geist einer Isabel! a I. und eines Torquemada aus den Hallen des Escurial's nicht geschwunden. Aber heute scheint die Gefahr abgcwendet zu sein. Die Kortes haben einen konstitutionellen Fürsten, den Sprößling einer liberalen und toleranten Dynastie gewählt. Die Voraussetzung, daß in Spanien unter dem Scepter des Prinzen Amadeus dieselbe Religionsfreiheit wie in Italien emporblühen werde, ist vielleicht nicht unbegründet. Wir wollen hoffen, die Juden werden in dem, für ste einst klassischen Lande ihre Heimaih und Familie und Beschäftigung wiederfinden. Wir sehen im Geiste, wie die Juden unter den wohlthuenden Einflüssen einer constitutionellen und freisinnigen Regierung, in der Athmosphäre wiederhergestellter Freiheit, neubelebten Handels Md Gewerbfleißes wieder ein Heim finden in jenem Lande, das sie vor Zeiten mit ihrem Eifer, ihrer Energie und Geschicklichkeit bereichert und verschönert haben. Daö alte Spanien birgt manchen großen Namen jüdischer Abstammung, manches große Werk jüdischen Geistes. Von jenem Tage an, an

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