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Der Israelit · 1871-01-11 · Heft 2 (11.1.1871) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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29 welchem fanatische Bigotterie die Juden von Spaniens Ufern vertrieb, begann auch das Reich von seiner Höhe zu sinken: von dem Tage, an welchem Spanien jenes grausame Edict gemildert, schien seine Bedeutung wieder zum Durchbruch zu kommen. Wir meinen, die Juden werden den Südwesten Europas mit neuem Glanze erfüllen. Diese Königswahl wird die Restauration des Madrider Hoflebens und zugleich einen belebenden Impuls für Handel und Gewerbe im Gefolge haben. Die Herzogin von Aosta, obschon nicht von königlichem Blut, entstammt einem der edelsten Geschlechter Italiens. Als Wittwe gewann sie durch Anmuth und Schönheit das Herz des Fürsten. Sie traf mit ihrem Gemahl im gelobten Lande zusammen, als sie dahin eine Pilgerfahrt unternahm. Wir hegen die Zuversicht, daß die Wahl des Prinzen Amadeus Spanien und vielen Juden allenthalben zum Vortheil gereichen werde! (Jew. Chron.) England. London. Sir Moses Montefiore hat für die jüd. Armen Londons, die durch den strengen Winter sehr leiden, zur Erinnerung an seine verstorbene Frau 1200 st. an das Armencomitv gesendet. (Jew. Chron.) Dänemark. Copenhagen, 3. Januar. Seit geraumer Zeit hat der „Israelit" keine Berichte aus dem Norden erhalten, und eS scheint fast, seitdem ein Correspondent, der sich nd N'av üpn nannte, seine Wirksamkeit eingestellt hat, Niemand über die jüdischen Zustände Skandinaviens referiren zu wollen. Dieser Umstand veranlaßt mich, Eins und daS Andere, was den Lesern von Interesse sein dürfte, zu berichten. Den 2. Tag des neulich verflossenen naun-Festes feierte der Wechselmakler Marcus L. Melchior (\nwn •uratyo 'arnv 'n) seinen 25. Hochzeitstag, welche Gelegenheit die hiesige hoi1? man (sogenannte Raschiverein) benützte, um ihm ihre Erkenntlichkeit zu beweisen und ihm eine mit m ttnp Ha prachtvoll ausgestattete min nsv zu überreichen. Viele Andere fanden sich an diesem Tage ein, um ihm ihren Dank abzustatten für sein wohlthätiges Wirken in verschiedener Richtung. Herr Melchior hat nämlich seit einer Reihe von Jahren in dem Raschiverein, wo allabendlich y'jn mit »"en, sowie abwechselnd -naon muo app' 1'pi vorgetragen und nachher naon anyo ndvn gebetet wird, als n’JPDi iud unentgeltlich und unausgesetzt fungirt, ja Herr M. ist das eigentlich belebende Element dieses Vereins, der 60 Mitglieder besitzt und außerdem von mehreren Nichtmitgliedern besucht wird. Herr M. ist auch nÄn -405, sowie Vorsitzender des OTnittf ns-VereinS, erster t>mo, und sonst Mitvorsteher noch mehrerer milden Stiftungen, welche Aemter er — trotzdem er in seinem Berufe überaus beschäftigt — mit unverdrossener Mühewaltung und Aufopferung von Zeit austs Eifrigste versieht und obendrein von den O’anj/Di 0»0’3ff0 J"an 'an ist. Auch die Achtung unserer chrkstl. Mitbürger wird diesem Ehrenmanne im höchsten Grade zu Theil. Der Wortführer beim Ueberreichen der n"D konnte daher mit Recht in Anspielung auf den Namen des Gefeierten die Worte benutzen: nirm omo ’a vm and inni oHin^ inm . . . und im doppelten Sinn gelten ihm die Worte: wpd am #nn. — Wir hier im hohen Norden lesen manchmal mit Verwunderung von Zurücksetzungen, die unsere Glaubensgenoffen selbst in den Ländern, wo man sich damit rühmt, Träger der Civilisation zu sein, erfahren müssen. Hier sind wir nicht btos dem Worte nach, sondern auch in der Wirklichkeit unfern nichtjüdischen Mitbürgern gleichgestellt. So befinden sich unter der hiesigen aus 32 Mitgliedern bestehenden Bürgerrepräsentation 4 Juden, während wir im Verhältniß zur Volkszahl nicht einen Repräsentanten beanspruchen konnten; ebenso im Handelsgericht und selbst in dem gesetzgebenden Reichstage sind in beiden Kammern (Landsthing und Folksthing) Juden über Verhältniß repräsentirt, ja, unserem Oberrabbiner, Dr. A. A. Wolfs, wurde sogar die Ehre zu Theil, daß er bei der neulich stattgefundenen Wahl zum Landsthing (1. Kammer) als Mitglied der Wahlcomites fungirte, und zwar in einem Districte, wo fast gar keine unserer GlaubenSgenoffen aber größtentheils die intelligentesten Bürger der Stadt (Professoren, Geistliche u. dergl.) wohnen, vr. Wolff wollte jedoch die Wahl nicht annehmen, indem die Zusammenkunft am ersten Tage n"n stattfinden sollte; indeß wünschte der Oberpräsident der Commune, um keine neue Wahl vornehmen zu müssen, daß Vr. W. doch die Wahl annehmen möge und wegen seines Wegbleibens am Wahltage ein Entschuldigungsschreiben einsenden solle, welches dann auch von der Wahlversammlung als berechtigt anerkannt werden würde, indem sonst eine bedeutende Strafe beim Wegleiberr erlegt werden muß; das Schreiben Dr. W.'S wurde alsdann auch in der Versammlung verlesen und als giltiger Grund einstimmig anerkannt. In Bezug auf Schweden muß man mit Bedauern die Anhäufung vieler polnischer Juden bemerken, deren Handlungsweise unseren schwedischen Glaubensgenossen nicht zum Ruhme gereicht und befürchten taffen muß, daß solche früher oder später von nachtheiligen Folgen für die Gesammtheit sein dürfte; selbst an den Orten, wo sie zahlreich sind, bilden sie doch keine Gemeinde und haben auch keine sonstigen religiösen Veranstaltungen ftommer Vereine u. dergl.

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