Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1871)
- Date
- 1871-01-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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erwähnten Gedenkfeier eine Vertheilung von Gaben an die Hinterbliebenen im Kriege gefallener jüdischer Soldaten stattfand. Der Oberrabbiner von Paris hielt eine Gedenkrede zu Ehren der für das Vaterland Gestorbenen, namentlich des Commandanten Franchette, eines Israeliten. Der Oberrabbiner von Frankreich sagte in seiner Ansprache, daß Gott die Vertheidiger des Vaterlandes segne, aber solche Kriege, die aus Eroberungssucht und Ehrgeiz hervorgehen, verabscheue, ein Satz, dessen Spitze sich doch mehr gegen die Franzosen als gegen die Deutschen kehrt. Herr Albert Kohn, ein Privatmann übrigens und bei dieser Gelegenheit als Präsident des Wohlthätigkeitsvereins sungirend, sagte, daß 100,000 Juden in den deutschen Heeren ihre Pflicht thun, daß aber ihre Sympathien Frankreich gehören sollten, da sie diesem die Emancipation verdanken. Wir wünschen nur, daß Hr. Kohn die Feldpostbriefe lesen möchte, welche unsere wackern jüdischen Soldaten in die Heimath schreiben, — er würde die glühendste, begeistertste Vaterlandsliebe, aber keine Sympathien für Frankreich darin finden. Indem wir Sie höflichst ersuchen, den vorstehenden Berichtigungen in Ihrer geschätzten Zeitschrift Raum zu geben, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung die Redaktion des „Israelit": Dr. Lehmann." Mögen unsere geehrten Leser dafür sorgen, daß diejenigen Blätter in ihren Wohnorten, welche die Entstellungen reproducirten, auch den Berichtigungen Raum geben. Mainz, 8. Jan. In Nr. 1 im ersten Leitartikel erzählten wir nach den uns von einem israel. französischen Offizier gewordenen Berichten, daß sich unter den hiestgenKriegsgefangen 15 jüdische Offiziere verschiedener Grade und auch ein General, Namens Thibaudand, befinden. Diese Mittheilungen scheinen nicht ganz genau zu sein; wenigstens erfahren wir heute aus zuverlässiger Quelle, daß Herr Thibaudand weder General noch Jude ist; derselbe ist Oberst (Colonel) und Christ. □ München, 6. Jan. ES haben nunmehr beide Verwaltungskörper der hiesigen isr. Gemeinde der wegen hohen Alters erbetenen Pensionirung unseres Herrn Rabbiners zugestimmt. Heute finden die Gemeindewahlen zur Verstärkung der Gemeindeadmimstration statt. Diese wird nun in nächster Zeit die Rabbinerwahl vornehmen. Wir haben nur den einen Wunsch: Gbe der Allgütige, daß München von einem sogenannten Reformhelden verschont bleibe! — V'o. Berlin, 6. Jan. Eine Verfügung des Cultusministers hat die Angelegenheit der jüdischen Feldgeistlichen dahin erledigt, daß ihnen auf Kosten der Militärverwaltung freie Eisenbahnfahrt, freies Quartier und je eine Mundration in Feindesland gewährt wird. Berlin, 7. Jan. Sitzung des Abgeordnetenhauses. Die Abgeordneten Lasker und Kosch bringen einen Antrag ein, betreffend die Aufhebung der Bestimmung des Landrechtes, wonach uneheliche Kinder, wenn deren Vater Christ ist, die Mutter aber einer anderen Religion angehört, bis zu ihrem vierzehnten Jahre christlich zu erziehen sind. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der Kaiser hat dem Chef des Bankhauses „Moriz Königswarter", Jonas Ritter v. Königswarter, als Ritter des Ordens der eisernen Krone zweiter Klasse, in Gemäßheit der Ordensstatuten, den Freiherrnstand zu verleihen geruht. Wien, 31.Dec. Zum Mitgliede des Bezirksschulrathes für Wien ist Dr. Leopold Kompert als Vertreter des israelitischen Religionsunterrichts ernannt worden. Wien. Ueber Bernard Back, dessen Tod wir bereits gemeldet, wird geschrieben: Am 15. Dec. verstarb hier der Realitätenbesitzer Bernard Back, viel bekannt durch das von ihm auf malerischer Höhe im Badeort Vöslau erbaute Hotel, das dem logisbedürftigen Badeort zur wahren Ressourc egereicht; dasselbe verdankt seine Entstehung keineswegs einer Geldspeculation. Der als kluger Rechner wohlbekannte Erbauer täuschte sich gar nicht darüber, daß die schweren auf diesen Bau aufgewandten Kosten sich in nur sehr bescheidener Weise verzinsen könnten; ihm war es darum zu thun, einem für den ihm werth gewordenen Kurort erkannten Bedürfniß mit Hintansetzung seines Interesses gerecht zu werden, und demselben ein Denkmal gemeinnützigen Wirkens zu hinterlassen. Solch gemeinnütziges Wirken ist auch noch in gar manchen Beziehungen dem wegen mancher Eigenthümlichkeit vielfach verkannten Manne nachzurühmen. Die umfaffende Menschenfreundlichkeit, die er gegen Hilfsbedürftige und Dürftige aller Konfessionen bezeugte, liebte er im Stillen zu üben. An den Tag trat dagegen seine höchst einfache Lebensweise und sein Selbstgefühl gegenüber jeder versuchten Unbill, weshalb er denn auch als Geizhals und Querulant hie und da gescholten war. Die ihm näher standen, haben sich über den edlen Kern in der rauhen Schale niemals getäuscht. Unter den Vielen aber, die dem Dahingeschiedenen zu Dank verpflichtet bleiben, steht wohl der Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde