Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1871)
- Date
- 1871-01-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XII. Jahrgang. Beilage zu Rr. 2 des Zsraelit. Leitende Artikel. Einiges üöer die Inden und die jüdischen Kerneinden der Wrovinz Kannover. (Schluß.) Das ist aber das Mißliche der Lage der Dinge nicht alle. Ich glaube nicht, daß sich in dem gezogenen Kreise mehr als ein m&o mpa befindet. Einen any habe ich im Königreich H. überall noch nicht gesehen; wie wäre es zu erwarten, daß da, wo 2-3 Familien wohnen, dieselben einen solchen Herstellen könnten oder wollten? Was endlich das Verbringen von nap und v"' betrifft, so ist dasselbe ein höchst trauriges; ich habe schon oft hören müssen, daß nur an den früher erwähnten Tagen sich die Vereinzelten als omrv füllten, daß hingegen ihre Isolirung von der übrigen jüdischen Gesellschaft während des ganzen Jahres ihnen höchst unangenehm wird. Es ist also auch kein Wunder, wenn wir uns, trotz der guten Aufnahme, die wir gefunden, nicht recht behaglich fühlen; wir nehmen noch ein Mittagsmahl bei dem einzigen Hebräer, den wir getroffen, um dann die Wanderschaft nach dem Synagogenorte anzutreten. Jedoch möchte ich Dir, frommer Freund, rathen, ehe Du zu Tische Dich setzest, einmal in die Höhe zu schauen, nicht um die Sterne zu zählen — es ist ja heller Mittag — wohl aber, um zu erspähen, ob nicht im Rauchfange neben dem Gänseschinken sich der eines Thieres befindet, das man „Schwein" zu nennen pstegt. Es ist diese Vorsicht zwar nicht überall geboten, jedoch, besser ist bester. Bei den jüdischen Schlächtern vereint sich wohl bisweilen das Schwein mit dem Rinde, und während der onw ersteres nach Vorschrift schlachtet, erhält letzteres einen kunstgerechten Stich vom Schlächter. — Wir stellen allerlei Betrachtungen an über die früheren und jetzigen Zeiten, suchen darüber klar zu werden, welche Consequenzen aus dem bisher Vernommenen folgen und lasten wehmüthig den Kopf hängen und trotz Salomons Warnung entfährt uns der Seufzer : Früher war's doch ganz anders und sicherlich in vieler Beziehung auch bester. Während dieser finstern Grübeleien dehnen sich die Schatten des Abends, nur wir gelangen am Ziele unserer Reise an. Wir sind gewöhnt, bei unserm Ein- und Ausgange den Herrn zu preisen. Es ist jetzt gerade Zeit das a'aya-Gebet zu verrichten. Wir sehen ein herrliches Gebäude, deffen Außenseite schon seine heilige Bestimmung ahnen läßt: rva dx '2 n: px /_6x und wir wollen eintreten. Doch die geweihten Räume sind fest verschlosten. Wir trösten uns und denken, die Leute richten sich nach mirp /-i und beten nma und anya unmittelbar nach einander. Wir haben uns aber sehr getäuscht; man kennt weder rrorr '"i noch wird an Wochentagen überall im Gotteshaus gebetet; der Tempel ist nur für naw und v"' und sonstige Ausnahmssälle errichtet. Freitag Abend kommen wir mit unserm Frankfurter rtf? zu früh, lNL' n^ap findet hier später statt. Es ist das eine lobenSwerthe Anordnung, denn je früher der rav beginnen würde, desto mehr würde sich der natp %rr häufen. Nach und nach kommt pa und der Gottesdienst beginnt. Hat derselbe endlich seinen Anfang genommen, so wird auch in wirklicher Weihe, in angemessener Ehrfurcht, in schöner Betheiligung der Andächtigen die r6sn verrichtet. Die Ruhe und der Anstand sind mustergiltig. Wer mit der äußeren Ruhe innere mia verbindet, mag sich hier erbauen. Es ist schade, daß nur so selten die Pforten des nDJan rva sich öffnen, daß so oft der Ruf ertönt: pxi Ti&a yna ruiy pxi ’nxnp v'X. Leichter als am vuy stellt sich am etb pa ein. Enpn bx *?ina i'D'Oia kennt man hier nur an sehr wenigen Orten. Wie verbringt man aber den naiy? Wann geht man zur man? Eine man, in der myw gelernt wird, ist im Hannöverschen eine Seltenheit. Ein Vortrag nach dem mwa nixan, dem D’pns nrmx oder anderen ähnlichen v'->LO ist dem Hannoveraner eine unverdauliche Speise. Was ihm von der jüd. Literatur geboten werden soll, muß als Predigt oder wissenschaftlicher Vortrag gereicht werde, sonst ist'S ihm eine Pille, die er selten verschluckt. Was geschieht denn am Sabbat? Entweder nichts, und das ist schon viel; denn alsdann kann man doch sagen, daß ntpyn *>xi ap sich bewahrheitet, oder man ist schrecklich fleißig, man ist gröblich nattf bbm. Das Verbot: „Ihr sollt kein Feuer anzünden in allen euren Wohnungen am Sabbattage" wird wenig befolgt; das von Heine gerühmte Frankfurter Judeneffen duftet über der lodernden Flamme; ob der nap Dya ihm entquillt, weiß ich nicht. Von der weiteren Frömmigkeit kann ich wohl schweigen; der religiöse Sinn ist hier nichts weniger als rege. „Es wird besser werden," mag Mancher sagen. „Der Jugend gehört die Zukunft, und wenn die D"-u erst D’P’n geworden sein werden, wird auch ein frommeres Geschlecht erblühen." Ich zweifle sehr daran. Da, wo die praktische Uebung nicht mit der Schule Hand in Hand geht, da, wo npy «man, das nt^ya