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Der Israelit · 1871-01-11 · Heft 2 (11.1.1871) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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23 ** ielt »eie m nde Gleichen hat. Bom Blace de la Bastille durchläuft be- ]e fast ganz Paris und dehnt sich bis zum Place de la Concorde aus; sie führt am Hotel de ville, am Louvre und an den Tuillerien vorüber und durchschneider den Boulevard Kebastoxol. Daß die Hänger ser, die solch eine Straße begrenzen, größtentheils Paläste sind, kann sich der Leser leicht denken. In eins dieser prachtvollen Häuser der schönsten Straße der schönsten Stadt wies die Karte des Herrn WindSheimer den jungen Burgwald. Es war ein eleganter Seidenladen, in den er trat. Viele jungen Leute waren darin beschäftigt, die umherliegenden Waaren zu ordnen und einen Theil derselben im Montre vorteilhaft auszustellen. Da es erst neun Uhr Morgens war, so hatten sich noch keine Käufer eingefunden, denn die vornehmen Pariserinnen, die hier ihre Einkäufe zu machen pflegten, verlassen so früh ihre Wohnungen nicht. Als Herr WindSheimer Gabriel erblickte, eilte er auf ihn zu. „Da sind Sie ja," rief er ihm entgegen, „seien Sie mir willkommen, Herr Burgwald! Nicht wahr, so heißen Sie? O, ich habe ein gutes Gedächtniß für Namen, namentlich für deutsche Namen; die französischen behalte ich schon schwerer." „„Herr WindSheimer,"" sagte Burgwald, nachdem ihn dieser in sein Privateabinet geführt hatte, „„ich bin gekommen, Ihnen nochmals meinen herzlichsten Dank abzustarten. Sie haben mich vom Tode errettet."" „Reden wir nicht mehr davon; das war Menschenpflicht; das hätte ich Jedem gethan und sollte eS Ihnen nicht thun, der Sie ein Glaubensgenosse und ein Landsmann sind? Was haben Sie jetzt für Pläne?" „„Gar keine! Ich habe den Gedanken aufgegeben, in Paris ein Unterkommen zu finden."" „Können Sie schreiben, rechnen?" „„Ich habe das Gymnasium meiner Vaterstadt bis zur Prima besucht."" „Können Sie Französisch und Englisch correspondiren?"" „„Es würde mir Anfangs schwer werden; doch hoffe ich mich in kurzer Zeit darin vervollkommnen zu können, namentlich im Französischen, da die tägliche Uebung im Sprechen mich dabei unterstützt."" „Aber nicht Jeder, der französisch sprechen kann, kann es auch schreiben." „„Ich habe beide Sprachen grammatikalisch erlernt; die practische Uebung wird in wenig Wochen meine Fähigkeit steigern."" „Nun gut. Sie können bei mir eintreten; ich gebe Ihnen für den Anfang hundert Frankm monatlich nebst Kost und Logis. Seien Sie brav, treu und fleißig! Ihr Einkommen wird sich später noch bester gestalten." «„Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr WindSheimer, Sie retten mir zum zweiten Male das Leben. Aber eine Bedingung hätte ich zu stellen."" „Sie, eine Bedingung? und die wäre?" „„Es sind eigentlich zwei: die erste betrifft meinen Eintritt in Ihr Geschäft. So dankbar ich Ihnen auch für Ihr gütiges Anerbieten bin, so kann ich es doch nicht annehmen, wenn Sie mir nicht gestatten, am Sabbat dem Geschäfte fern zu bleiben."" „Ha, ha, ha l Soll ich Ihnen das gestatten? Ich meine, wenn ich arbeite, müssen auch Sie arbeiten, und da SV bei mir im Haufe wohnen werden, so müssen Sie auch am Sabbat dem Geschäft nahe sein!" „ „Versteht ich Sie recht, Herr WindSheimer.? Sie haben am Sabbat das Geschäft geschlossen?"" „Ja, mein junger Freund, so ist es. Nicht wahr, eine Seltenheit in Paris? Also darüber sind wir einig! Und Ihre zweite Bedingung?" „„O, die fällt nach dem, was ich gehört habe, ganz weg. Ich wollte nur dann die Kost bei Ihnen annehmen, we n Ihre Haushaltung dem jüdischen Religionsgesetze entsprechen würde."" „Meine Haushaltung? Nun, Sie werden meine Frau näher kennen lernen! Wenn der Noßi von Erez Jisroel*) nach Paris käme, er dürste ohne Bedenken bei mir essen. Da? wäre abgemacht. Und nun, junger Freund, müssen Sie Sich auf's Neue equipiren. Gehen Sie zu meinem Freunde Ullmann, Boulevard Sebastopol, 35, im ersten Stock. Dort finden Sie Alles, was für Herren-Toilette notbwendig ist, Kleider, Hemden rc. Warten Sie, ich will Ihnen eine« Brief mitgeben, damit er Ihnen die Gegenstände creditire. Sagen Sie ihm, daß Sie frommer Jude find, und er wird Ihnen nur solche Kleider geben, bei welchen Sie wegen Schaatnes nicht besorgt zu sein brauchen!" „„Herr WindSheimer, wie werde ich Ihnen jemals danken können?"" „Seien Sie nur ehrlich, brav und treu; dann soll es mich freuen, daß ich Ihnen habe gefällig sein können." *) „Der Fürst des heiligen Landes," ein Titel, der besonders ftommen, gelehrten und verdienten Männern beigelegt wird. In Deutschland führt diesen Titel Herr Dberrabbiner Ettling er!>">"- zu Altona.

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