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Der Israelit · 1871-01-11 · Heft 2 (11.1.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 2 (11.1.1871)
Date
1871-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1$ kommen, braucht nichts Fehlendes zu erreichen, und wie Gott vollkommen ist, so ist auch Seine Thora, die Offenbarung Seiner selbst, vollkommen; die Thora ist also keiner Entwickelung, keiner Verbesserung, keiner Vervollkommnung fähig, weil sie solcher nicht betratst Hier ist das StebenbleiLen, der Stillstand kein Mangel, sondern ein Vorzug. Anders ist es mit uns Menschen. Wir sind unvollkommene Wesen und daher des Forrschreitens, des strttn ForffchrettenS bedürftig; aber das Ziel dieses Fortschrittes ist uns gegeben; es ist zu dem Ewigstillstehenden, zu Gott und Seiner Thora hinan. Unsere Gegner aber wollen den Fortschritt über die Thora hinaus, der aber dann der Natur der Sache nach nur eine Entfernung von ihr und somit eine Entfernung von Gott, ein Rückschritt ist. Es ist aber eine Eigenthümlichkeit der menschlichen Natur, die in der Beschränkung derselben liegt, daß wir selbst das Göttliche nur mtt menschlichem Maße meffen und im menschlichen Gewände uns vorstellbar machen können. Wir sprechen von der Hand Gottes, dem Arme Gottes, dem Haupte Gottes, wiewohl wir wissen, daß Gott kein Körper ist; wir sprechen vom Zorne Gottes, von der Rache Gottes, wiewohl wir wissen, daß das allervollkommenste Wesen derartige , menschliche Leidenschaften nicht hat. In diesem Sinne sagen wir auch: Gott ist fern, Gott ist nah, während wir doch wissen, daß die Ausdrücke fern und nahe auf den Allgegenwärttgen, bei dem keine Bewegung ist, nicht anwendbar sind. Daher fügt Rabbi Zizchak, nachdem er daS Dasein Gottes dfinirt hat, hinzu r> r»ru 'i pimc a»rtn pimo, ,,aus der Ferne ist mir Gott erschienen", mit andern Worten: Gott ist das Sein, der durch die Vollkommenheit bedingte Stillstand; erscheint dir Gott fern oder nahe, so ist das in deinem Wesen, nicht in der Natur Gottes begründet; es scheint dir nur ebenso, weil du menschlich denkst und du Gott dir nicht anders als unter vermenschlichenden Begriffen vorstellen kannst. Gott aber ist der ewig Unveränderliche; eine Bewegung zu denkm ist der Natur Seines Wesens ist nickt angemessen, denn Seine Herrlichkeit erfüllet das Weltall. (Forts, folgt.) Hm Arief von Warschass Urin». Der Telegraph bringt uns die traurige Nachricht, daß Marschall Prim den Wunden erlegen, welche ihm die Kugeln von Mörderhand beigebracht haben; er hat die Ankunft des Königs, nach welchem er so lange gesucht hatte, nicht erleben sollen. AlS im Herbste des Jahres 1868 die spanische Revolutton den Marschall Prim an die Spitze der Regierung berufen hatte, beeilten wir uns, an denselben die Bitte zu richten, daß das Decret vom Jabre 1492, welches die Juden aus Spanien verbannte und das nach 376 Jabren noch immer in Kraft war, aufgehoben werde. Da wir des Spanischen nicht mächtig. so schrieben wir in französischer Sprache und erhielten auch in derselben Anwort; da aber der Brief die Bezeichnung: lettre personelle (persönlicher Brief, soviel als „vertraulich" und nicht zur Veröffentlichung bestimmt) ttug, so durften wir ihn damals nicht veröffentlichen. Jetzt, nach Prim's Tod, fällt diese Rücksicht weg und da jener Briefwechsel wohl noch heute unfern Lesern von Jntereffe sein dürste, so geben wir ihn im Nachfolgenden in deutscher Übertragung. Wir schrieben an den Marschall: „Mainz, 23. Oktober, 1868. Sr. Excellenz, tem Herrn Marschall Prim, Grafen vonReuS, zu Madrid. Wenn der ^gehorsamst Unterzeichnete auch kein Mandat hat, so berechtigt ihn doch seine Stellung als Rabbiner und Redacteur eines Organs für das Judenthum im Namen eines großen Theiles seiner Glaubensgenossen Eurer Excellenz die innigsten Glückwünsche zur Wiedergeburt des schönen Spaniens auszusprechen. Die Israeliten waren dereinst eng mit der pyrenäischen Halbinsel verknüpft; glorreiche Erinnerungen verbinden uns mit dem Glanzpunkte spanischer Geschichte, bis zu der Zeit, da der Fanatismus, der Glaubenshaß die schöne Blüthe vernichtete und im Jahre 1492 fast eine Halde Million israelitischer Spanier in die Verbannung und ins Elend trieb, die Zurückbleibenden aber mit Feuer und Schwert verfolgte. Gnädigster Herr! Sühnen Sie eine fast vierhundertjährige Grausamkeit! Veranlassen Sie die zusammentretenden Cortes das VerbannungSdecret von 1492 aufzubcben, damit auch die Israeliten an den Segnungen der Neugestaltung Spaniens Theil nehmen können Wie in England einst der ruhmreiche Cromwell, wie in Frankreich die Aßsemblee Constituante die Rückkehr der Juden nach diesen Ländern gestatteten, so möge auch das zum neuen Leben erwachende Spanien jeden Rest von Intoleranz und Glaubenshaß aus seiner Verfassung ausmerzen. Eure Excellenz würden durch eine mir gütigst zu übersendende fteundliche Zusicherung, die ich in meiner Zeitung „der Israelit" veröffentlichen würde,

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