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Der Israelit · 1871-01-04 · Heft 1 (4.1.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 Lewberg Hirsch Bergmann hatte vom Lessarabischen Landmarschall Leonhard die Erlaubniß, seine 20 Ochsen auf seine (des Marschalls) Weide zu treiben. Als der Marschall seine eignen Ochsen verkaufte, gab er eigenmächtig auch die des Bergmann mit. Bergmann wollte mit dem natürlichsten Rechte den Kaufpreis dafür haben, statt dessen mißhandelte ihn der Marschall auf schreckliche Weise, schleppte ihn in eine Scheuer, zündete diese an, und so fand Bergmann den grauenhaften Tod durch die Flammen. Sein Vater, der dahin kam, um das Nähere zu erfahren, fand noch Reste von den verbrannten Gebeinen. Mit seiner Klage wurde er nicht blos zurückgewiesen, sondern er mußte sich sogar nach Oesterreich flüchten, um den Verfolgungen des Marschalls zu entgehen. Er hält sich stit mehreren Monaten in Wien auf, von wo aus er sich direct an den Kaiser von Rußland gewendet, hat aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. (Lemb. jüd. Zeit.) Lemberg. In Lemberg, schreitet man jetzt zur Magistratswahl. Da die Juden einen großen Theil der Wähler ausmachen und daher bei der Wahl den Ausschlag geben, so ist ihnen von der demokratischen Partei der Antrag gestellt worden, mit ihnen zu stimmen, und verpflichtet sich diese Partei dann, in ihre Wahllisten 27 Juden aufzunehmen. Die Juden sind darauf eingegangen. (Schew. Ach.) Aus Tapio-Selle schreibt man uns Folgendes : „Schon öfter ist es vorgekommen, daß vornehme Christen die Gevatterschaft bei jüdischen Kindern angenommen haben; doch möge es als besonders verdienstlich hervorgehoben werden, daß vorige Woche, in dem benachbarten St. Marion, ein reicher ungar. Cavalier, Herr v. Blakowitsch, bei dem Kinde seines „Hofjuden", Namens S. Hirsche!, Gevatter war und nach der Mahlzeit feinem Gevatterkinde 1000 fl. schenkte. (Pesth. jüd. Zeit.) Italien. Florenz. Nach dem Zahlverhältniß käme auf die italienischen Israeliten ein Deputirter; um so mehr ist eö hervorzuheben, daß nicht weniger als zehn Israeliten im Parlament ihren Sitz einnehmen. Dieselben wurden meist in der Lombardei, Venetien, Toskana und in den früheren Provinzen des Kirchenstaates gewählt. Ritter I Artom, früher Gesandter in Carlsruhe, ist jetzt Generalsekretär im Ministerium des Aeußern. (N. I. W.) Frankreich. Ballonbriefe berichten über die in Paris stattgehabte Chanukahfeier. Eine große Anzahl Glaubensgenossen, unter ihnen die Rothschild. Anspach (Rath am höchsten Gerichtshöfe Frankreichs), H a lphen re., halten sich in der großen Synagoge der nie de Notre-Dame-de-Nazareth eingefunden, die gefüllt war bis auf den letzten Platz. Zuest hielt Herr Zadok Cohn, Oberrabbiner von Paris, eine Ansprache, in welcher er der für das Vaterland gefallenen isr. Helden, vom Kommandanten Franch e t t e bis zu den gemeinen Soldaten herab, gedachte. Dann bestieg Herr Isidore, Oberrabbiaer von Frankreich, die Kanzel und wies darauf hin, baß dereinst auch die Mackabäer, deren Gedenkfest gerade gefeiert wurde, zur Vertheidigung ihres Vaterlandes kämpften, daß Gott einen solchen Krieg segne, während ein aus Ehrgeiz und Eroberungssucht unternommener Krieg von Gott mißbilligt werde. (Aber es war ja gerade Frankreich, das aus Ehrgeiz und Eroberungssucht diesen Krieg hervorgerufen hat; jetzt hat es einfach die Folgen zu büßen. — Red.) Sodann hielt Herr Albert Cohn, der Präsident des Wohlthätigkeitsvereins, eine Ansprache. Die französischen Blätter nennen ihn einen Preußen, der feit 20 Jahren in Frankreich lebe; das ist ungenau; Hr. Albert Cohn ist ein Ungar (auS Preßburg) und wohnt seit 35 Jahren in Paris. Herr Cohn verstieg sich zu der Behauptung, daß 100,000 Juden in den deutschen Heeren dienen, die zwar als Soldaten ihre Pflicht thäten, die aber im Herzen Frankreich segneten. Bon dieser Behauptung ist nur das wahr, daß die deutschen Soldaten israelitischen Stammes ihre Pflicht thun. Herr Cohn sollte aber einmal die Feldpostbriefe unserer wackern Soldaten lesen! Es ist ja auch gar nicht möglich, daß ein Soldat für die Feinde, die zn vernichten er Alles aufbietet und von deren Kugeln er stündlich bedroht ist, Sympatbien hege. Daß keine 100,000, sondern höchstens 15 000 deutsche Israeliten im Felde stehen, haben wir bereits mehrfach berichtet Zum Schluffe der Feier fand eine Gaben - vertheilung an die Hinterbliebenen der im Felde Gefallenen statt. Es wird berichtet, daß diese imposante Feier, der auch viele jüdische Offiziere der Armee und der Mobilgarde anwohnten, einen erhebenden Eindruck gemacht habe. Rußland. Warschau. Jüngst wurden hier mehrere Israeliten verhaftet und in ein Polizei - Gefänzniß abgeführt und wurde ihnen strenge Strafe angedroht, wenn sie den von der Regierung eingesetzten Rabbiner nicht anerkennen wollen. Der Rabbiner ist ei» ^firnera “pni, aber immerhin ist eS ein Unrecht, der Gemeinde einen Rabbiner aufzuoctroyiren. (Schew. Ach.)

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