Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1871)
- Date
- 1871-01-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 rechtfertigen werden, daß sie die Interessen der Stadtgemeinde und, wo es gilt, auch unserer Religionsgemeinde (sind doch fünf von ihnen auch mit deren höchsten Ehrenämtern betraut) zu wahren und zu vertreten wisien werden. Es find dies die Herren Moritz Kohner, Jacob Nachod, Gustav Plaut, Ludwig Gumpel, Felix List, Gustav Meyer und Aron Cronheim. Mögen sie in ihrem, gar mannigfache Opfer an Zeit und Kraft erforderlichen Amte die rechte Befriedigung und wohlverdiente Anerkennung stnden! Auch unsere kürzlich neu vollzogenen Gemeindewahlen haben es dargethan, wie wahres Verdienst fast immer seine Würdigung findet. Sämmtliche Mitglieder beider Gemeindekörperschaften, des Gemeindevvrstandeö und der Gemeindeverordnelen, wurden mit entschiedenster Majorität wiedergewähll. Ein Blick in den Anfangs dieses Sommers veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 1869 gibt Zeugniß von der regen Thätigkeit beider Körperschaften. Ist doch von dem Gemeindevorsteher die Idee des Gemeindetages ausgegangen, der sicher die Gründung des Gemeindebundes bereits gefolgt wäre, hätten nicht die kriegerischen Ereignifie dem Friedenswerke Hindernisse entgegengesetzt. Daher konnte auch der so anregenden gemeinsamen Besprechung der Ausschußmitgtieder des Gemeindetages mit den zur letzten Ostermefse hier aufhältlich gewesenen Glaubensbrüdern eine zweite zur diesjährigen Michaelismesse nicht folgen. So Gott will, wird dies in nächster Neujabrövder Ostermesse dem rastlos für Gemeinwohl wirkenden Vorsteher, Herrn Moritz Kohner, gelingen. Bis jetzt haben 54 Gemeinden, darunter die größten Deutschlands, ihren Beitritt zum Gemeindebund erklärt. Hoffen wir, daß mit eintretendem Frieden die Gründung des Bundes selbst nicht lange mehr auf sich warten lassen wird. Auch unsere Gemeinde hat bereits der Kriegsfurie ein Opfer darbringen müssen. Im Kampfe bei Brie-sur-Marne, am 2. December, fiel der hochbegabte, seelengute «tuä. zur. Felix Oppenheimer aus Leipzig, im Alter von 21 Jahren. Mit ihm ging seinen edlen, allverehrten Eltern wie unserer Gemeinde eine gar schöne Hoffnung zu Grabe. Dem fkrechten Schmerze über diesen Verlust gab Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt in seiner zur Chanukafeier (!) am vergangenen Sonntag gehaltenen trefflichen Predigt in ergreifenden Worten den angemeffensten Ausdruck. Diese Chanukafeier war in ihrer Einfachheit— neben der Predigt erfüllten die Chorgesänge, deren einem die unvergeßliche Tonweise des „Mous zur“ zu Grunde lag, und die üblichen Gebete — ganz dazu geeignet, die von Vielen leider nicht mehr genug beachtete Bedeutung des Chanuka wieder wach zu rufen. Dr. E. Sstz. (Wir haben zu vorstehender Correspondenz binzuzusügeu, daß der Chor in der Synagoge zu Leipzig theilweise aus Nichtjuden (und Nichtjüdinnen?) besteht , daß sich in der Synagoge eine Orgel befindet, und daß mancher der in der vorstehenden Correspondenz gerühmten Männer vielen der wichtigsten und heiligsten Religionsgefetze vollständig entfremdet ist. Das ist die Kehrseite der Medaille! — Red ) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. PeOH, 25. Dec. Unter heutigem Datum wird dem „Neuen Pesther Journal" geschrieben: „Unter den Mitgliedern der hiesigen isr. Kultus- Gemeinde circulirt eine Petition an den Vorstand derselben, welche, wie wir hören, in allen Kreisen lebhaften Anklang und volle Anerkennung findet. „Auch wir erklären uns mit dem Sinne derselben vollständig einverstanden und fühlen uns noch namentlich gedrungen, die richtige Auffassung und Sachkenntniß besonders hervorzuheben, mit welcher der in der Petition berührte Gegenstand dargelegt und verfochten wird.“ Die Petition ist gegen den unlängst erst aufgenommenen zweiten Prediger Dr. Kayserling aerichtet und bezeichnet denselben als „eine überflüssige Gemeindelast, welche zu beseitigen angestrebt werden soll." Wir müssen bemerken, daß diese Petition von: der sogenannten Mittelpartei ausgeht, da die Unter-; zeichner derselben sich weder „zu den enragirten Ver-> fechtern der Scbomrehadath, noch zu den eingefleischten Congreß-Schwärmern" zählen. Daß Herr Dr.K. bei der Orthodoxie kein Wohlgefallen findet, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Pefth. Die ungarische orthodoxe Partei läßt jetzt außer dem „ traditionellen Iudenthum " noch ein Wochenblatt in hebräisch - deutscher Schrift unter dem Titel „Scheweß Achim" herausgegeben. Dasselbe wird in ersten Reihe die jüdischen Angelegenheiten zum Gegenstände haben, nebstdem wird es auch die wichtigeren Weltereignisse, ausführliche Geschäftsberichte u. s. w. bringen. PefH Die Rechtsfrage wegen Uebertritt zum Judenthum, über welche wir in der letzten Nummer des v. I. berichtet, ist von der ungarischen Regierung beantwortet. Die Frage war, ob die Heirath zwischen einem ungarischen Juden und einer zur jüdischen Religion übergetretenen Christin aus Bayern giltig ist, was die Regierung bejahte.