Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1871)
- Date
- 1871-01-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XII. Jahrgang« Beilage z» Nr. 1 des Israelit. Aeituvgsnochrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. WW^ Mein;, 29. Dec. In der gestern erschienenen Nr. 52 des vorigen Jahrganges berichteten wir über eine Eingabe unsererseits an Se. Hoheit den Prinzen Ludwig von Hessen, den Höckstkommandirenden der grh. hessischen Division, die Anstellung eines jüdischen Feldgeistlichen betreffend. Soeben nun erhalten wir die von Orleans, 23. Dec., datirte Antwort Sr. Hoheit, in welcher Allerhöchstderselbe anzuordnen geruht, daß der von uns vorgeschlagene RabbinatS-Candidat Herz Ehr mann, welcher sich gegenwärtig als Einjährig-Freiwilliger bei den Ersatztruppen in Darmstadt befindet, zu der mobilen Armee versitzt werde, damit derselbe seinen Dienst als Feldrabbiner ausüben könne. Mainz, 1. Jan. Nebst anderen diesigen Damen ist auch Fräulein Picard von hier, ehemals Vorsteherin eines isr. Töchter-JnstitutS, durch Ueberfendung der goldenen Medaille für „Arbeit für das Vaterland" von Ihrer Majestät der Königen Augusta ausgezeichnet worden. Kaiserslautern. Eine aus Rheinbaiern in New-Dork angekvmmene Deme erzählte folgende Begebenheit: Bei seiner Reise nach Frankreich hielt der Kronprinz den Preußen auch in Kaiserslautern an. Er war von seinem ganzen Stab begleitet und keinerlei Vorbereitungen waren zur Bewirthung der hohen Gäste gemacht. Herr Altschüler, ein in dieser Stadt in großem Ansehen stehender Israelit, suchte den General AlvenSleben auf und lud ihn ein, bei ihm zu speisen. Der General antwortete, daß er diese freundliche Einladung mit Dank annehmen würde, aber er könne den Kronprinzen nicht verlassen, zu deffen Stab er attachirt sei. — „So wollen Sie gef. den Kronprinzen mitbringen," entgegneteHerr Altschüler. — »Ich will sehen," sagte der General und ging weiter. Ein halbe Stunde nachher kam in Altfchüler'S HauS ein Adjudant, welcher meldete, daß der Kronprinz pünktlich um 4 Uhr eintreffen werde. Er kam mit seinem ganzen Stabe an, wurde von dem Wirthe und der Wirthin in den Garten geführt, woselbst für sämmtliche Herren ein splendides Diner vorbereitet war. Der Kronprinz blieb daselbst bis Abends elf! Uhr, beschenkte Frau Allschüler mit einem prachtvollen Bvuquett, und als er Herrn Altschüler seinen Dank I aussprach, bemerkte er, daß er. seitdem er Berlin verlaffen, seine Zeit nicht so angenehm verbracht habe, wie bei seinem gastfreundlichen Wirth. (Iew. Ree.) Berlin. Frau Rabbiner vr. Hildesheimer hat in Anerkennung ihrer aufopfernden Tbätigkeit in den Lazarethen der verwundeten und kranken Vaterlendesvertheidiger von Ihrer Majestät der Königin Auguste die goldene Medaille für „Arbeit für das Vaterland" erhalten. — Als Curiosum theilen wir mit, daß, wie die Voff. Ztg. erzählt, Herr vr. Nascher am 15. Dez. das Jubiläum Beethovens in der Synagoge der Schochere-tob seierlich begehen ließ. — Berlin Um auch den, bei der im Felde stehenden Armee sich befindenden Soldaten mosaischen Glaubens geistlichen Beistand zu Theil werden zu laffen, ist, wie die „N. Allg." berichtet, seitens der Militärbehörden angeordnet worden, daß vorerst 3 Geistliche und zwar die Rabbiner vr. Blumenstein aus Mannheim, vr. Lewin auS Pinne und vr. Rippner aus Polnisch Liffa zu diesem Behuf? sich zur mobilen Armee begeben. Berlin, 30. Der. Gestern wurde an Stelle des unvergeßlichen R. Michael Landsberger Herr Bär Zomber zum Lehrer amBethHamidrasch ernannt. Herr Z. besitzt ein aus gebreitetes, gründliches und gediegenes talmudisches Wiffen, und hat derselbe seine Lehrfähigkeit durch langjähriges Wirken an der Schule des Talmud-Vereins bewährt. Möge die Creirung dieser tüchtigen Kraft dem in neuerer Zeit durch Berufung des Herrn Rabb. vr. Hildesheimer besonders wichtig gewordenen Institute zum Segen gereichen, min «sn uwn o! Caffel Bis in die jüngste Zeit konnten die religiösen Institutionen der hiesigem Gemeinde als befriedigend gelten. Der Gottesdienst, insbesondere in unserer großen, geschmackvoll erbauten Synagoge, mußte, wie der jüdische Geist darin hervortrat, zugleich als ein recht würdevoller erscheinen. Institutionen behaupten eben glücklicher Weise oft ihren Bestand, wenn der Geist der Menschen schon eine Veränderung erfahren hat; denn das war schon seit langer Zeit Niemandem verborgen, daß der überwiegenden Mehrzahl der Gemeindemitglieder der religiöse Sinn fast völlig abhanden gekommen. Man wußte,