Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1871)
- Date
- 1871-01-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7 daran, da »Ir durch den deutsch-französischen Krieg auch von auswärts nur spärliche spenden erhalten. (Habazeleth.) Amerika. San Francisco. Herr Theodor Hellmann in New-Aork hatte 100,000 Dollar gewonnen und sandte aus diesem freudigen Anlaß durch Vermittlung der Herren Z. und W. Seligmann und Comp. 10,000 Dollar zur Vertheilung an verschiedene Wohlthatigkeitsanstalten, wobei auch mehrere jüdische Institut! onen bedacht wurden. sHebr. Lead.) Feuilleton. K a b r i e t. i. In Paris. Wer könnte sich tiefer Wehmuth erwehren, wenn er jetzt der Hauptstadt Frankreichs gedenkt? „Ist das Cure freudvolle Stadt," möchte man mit den Worten des Propheten fragen, „deren Kaufleute Fürsten, deren Kräcker der Erde Angesehenste waren?" Es war an einem schönen Sommerabend dts Jahres 1865, als Paris noch die „freudvolle," die schönste, herrlichste Stadt der Welt war. Wie wundervoll sind all diese Läden, all diese Kaffeehäuser erleuchtet, wie wogt die sich drängende Menge über die Boulevards von bre Madeleine bis zum Place du chateau d’eau! Wie viele fröhliche Gesichter, welch erregtes, angenehmes Geplauder! Nach des Tages Mühen und Arbeit suchen die Pariser hier ihre Erholung, Bekannte finden und begrüßen sich, neue Bekanntschaften werden angeknüpft. Und welcher Glanz, welcher Reichthum, entfaltet sich allüberall und welches Gemisch fremder Nationen und Sprachen! Amerikaner, Türken, Algerier, Aegypter, Spanier, Deutsche, Italiener, Engländer, Dänen, Holländer, Schweden — von allen Enden der Erde strömt hier Alles zusammen, hier im Herzen der Weltstadt, die sich so gern als das Herz der Welt bezeichnet. Und doch, welches Elend birgt sie-in ihrer Mitte, die glänzende Hauptstadt, welches Elend oft unter der glänzendsten Außenseite! Wir wollen ein wenig Platz nehmen im Cafe de la terasse, int Sammelpunkte der Deutschen. Da kommen btfe Armen herbei, Blumen und Streichhölzchen und allerlei Tand zum Kaufe änbietend, denn das Betteln ist verboten. t>a njjht eine Frau uNd erzählt im polnisch-jüdisch-deutschen Dialect ihreJackmergeschichte vom kranken Manne unb b£tt darbenden fhnf kleinen Kinh'erü —..und ökst die Kinder, die in dieser Form betteln, wahrhafte Bilder des Äeyds! :/ Herr Säckuöl Windsheim er, ein wohlhabender, aus Deutschland ekngewänderter Kaufmann, hak mit Frau und Tochter vor dem Caf6 de la terasse auf dem für das Cafe restrvlrlem Theile der Straße, sich niedergelaffen. Der KellttA bringt den Thee herbei, denn Herr Windshtimtr ist hier ein Stammgast, und es bedarf der Bestellung nicht erst. „Wie schön ist's doch hier," sagt Hert Windsheimer, „wie angenehm ist'- hier zu ruhen nach deS Tages Anstrengungen! Wir Pariser brauchen, Reisen zu machen; wir gehen aüf diii 'Böülvards, trinken unsren Thee und lassen dir ganze civilistrte West an uns vorüberziehen, denn bfe ganze Welt kömmt nach Paris." „Du bist doch," antwortete Frau Windsheimer, „durch und durch Pariser geworden! Hast Du denu die Heimath ganz und gar vergeffen?" „„Unsere bayrische Heimath? Bah — was soll mich an die alte Heimath fesseln? Was hat sie uNS Gutes gethan, daß ich ihrer in Siebe gedtznken soll? Durfte ich doch nicht einmal Dich Helrathen zu Hause. Du und ich, wir hatten keine Matrikel zu erben, wir hätten ledig bleiben müssen. O, ich zitiere vor Zorn, wenn ich an solche Gesetze denke, welche die edelsten Menschenrechte mit Füße treten. Schlimmer als von Pharao in Aegypten wurde in Bayern gegen unö Juden verfahren. Wenn wir zur Pharaonenzeit m Aegypten gelebt und Uns dört geheirathet Hütten, Pharao's Gesetz hätte uns nicht wehe gethan; er hätte unsere Söhne nicht ins Wasser werfen lassen, da Du mir nur eine Tochter geboren hast. Aber in der bayrischen Heimath hätte auch diese Tochter nie das Licht der Welt erblickt! — Als da in den vierziger Jahren alle jungen Leute nach 'Amerika wanderten, da ging ich nach Paris, gründete mir hier ein Geschäft und holte Dich dann. Gott segne Frankreich! Es ist das Land der Freiheit, wo der Glaubenshaß seit lange verschwunden." „Du hast wohl Riecht, lieber Mann; allein Du darfst nicht vergessen, daß die Unfern, die daheim geblieben, jetzt ebenfalls im Vollgenuß aller bürgerlichen Rechte sind." „„Aber von welchem Lande ist die bürgerliche und politische, Gleichstellung, die Verkündigung der Menschenrechte auöaegangen?"" „Mag sein, mag sein; aber ich kann doch die liebe Heimath nicht vergeffen, und ich würde Gott danken, wenn er mir das Glück gäbe, die Ufer des Mäins einckal wieder zu sehen. „„Nun, diesen Wunsch zu erfüllen, wäre so