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Der Israelit · 1871-01-04 · Heft 1 (4.1.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 1 (4.1.1871)
Date
1871-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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im Orte der Synagogengemeinde selbst wohnen, oder aus solchen, die von anderen Ortschaften ihr zugesellt sind. Da trifft es sich nicht selten, daß der Platz N., als Sitz des Vorstandes, in K., 4 Stunden entfernt, 3 Mitglieder, in L., ebenfalls 4 Stunden entfernt, 2 Mitglieder der Gemeinde hat. Das Gesagte genügt schon, um daraus theilweise wenigstens auf die religiösen Zustände mit ziemlicher Sicherheit schließen zu können. Da, wo 2 oder 3 Familien wohnen, und das kommt unendlich viel hier vor, kann von einem Besuchen des r©»n n»a nur in den wenigsten Fällen, am Jahrzeit oder den o»6nun v'v', oder wenn sonst ein günstiger Fall eintritt, die Rede sein. Von Gott und seinen Geboten hören diese Leute fast nie sprechen; die Erwachsenen finden ihre einzige Beschäftigung in ihrem Berufe und die Kinder wachsen heran: onajn ramv pu'w. Erst mit den letzten Schuljahren erhalten diese einen dürftigen Unterricht in der Religion ihrer Väter. Der Knabe muß nisD -Q werden, kömmt deshalb gewöhnlich mit dem 42. Jahre zu einem jüd. Lehrer, lernt möglichst schnell das hebr. Lesen, um seine ntns vortragen zu können. Wenn's gut geht, wird der Knabe auch noch etwas mehr gewahr, viel aber selten. Die Mädchen fahren dabei noch schlechter, denn bei ihnen ist meistens nur 1 Jahr der Erlernung der Religionsgegenstände gewidmet. Der mit den hiesigen Verhältnissen Unbekannte mag glauben, es käme nur vereinzelt vor, daß Eltern in solcher Entfernung vom jüd. Schulorte wohnen, daß ihren Kindern der regelmäßige Schulbesuch unmöglich wird. Dem ist nicht so. Wenn ich von einem Schreibtische aus einen Kreis mit einem Halbmesser von 5 Stunden ziehe, so umschließt derselbe 2 Orte mit einer jüd. Schule und 6 Ortschaften , in denen 1—4 jüd. Familien wohnen, welche mindestens 3 — 6 Stunden vom Schulorte entfernt sind. Rechnen wir auf jeden der 6 Plätze 2 schulpflichtige Kinder, die den bereits erwähnten, höchst mangelhaften Religionsunterricht erhalten, so haben wir deren 12. Wenn diese Kinder herangewachsen, woher soll dann bei ihnen der Eifer für die Religion, woher echte Frömmigkeit kommen? Die ärgsten Uebelstände sind Folgen der besprochenenen Zerstreuung. In den genannten 6 Ortschaften sind nicht weniger als 5 oder 6 wvnw, die meistens auch Schlächter sind!! Es ist dies freilich nicht zn ändern; denn würde ihnen die nfcip verweigert, dann sähen viele sich gezwungen — was Einzelne auch ungezwungen thun — rosnB zu essen. Mit vielem Vergnügen kann ich mittheilen, daß die meisten derv'viiiLk volles Zutrauen verdienen; ein Uebelstand ist'S immerhin, einem nao, der leider selten ein ->sd jrm ist. n^ap zu ertheilen. (Schluß folgt.) geitrrngSrrachrLchterr unb Eorrespo«- deuze«. Deutschland. Kurth, Ende Kislew. Verstatten Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, daß ich auf die Erwiderung des in Rr. 50 d. Bl. Einiges replieire. Derselbe zwingt mir förmlich die Feder in die Hand, sowohl durch seine merkwürdige Beweisführung, als vor Allem dadurch, daß er meine Darlegung eine gehässige, aus besondern Gründen gehäffige nennt, und sagt, daß ich seinen Worten — entweder aus eigen* thümlich irriger Anschauung oder absichtlich — einen falschen Sinn unterlege. Mir ist nun nichts von solchen Gründen meines Verfahrens bekannt, wenigstens persönliche gegen den 'nvre können es Nichtsein, da ich keinen Herrn dieses Namens kenne. Getrost kann ich es ferner der Entscheidung der geehrten Leser Überlassen, auf welcher Seite die Gehässigkeit zu suchen, auf der der unberechtigten Anklage, oder des berechtigten, wenn auch nicht ganz glimpflichen Tadels gegen dieselbe. Herr 'rivrr hatte aber eine herbe Kritik geradezu herausgefordert, indem er die befremdendsten Behauptungen ohne alle Begründung hinstellte. Glaubte dieser »ncx etwa, eben weil er sich ino«, den Wahrhaftigen, nennt, müsie alle Wett seine Worte für die absolute Wahrheit halten? Wenn er dieß geglaubt, so wird er jetzt enttäuscht sein, darf sich aber nicht beklagen, wenn die Kritik ihre Sonde gerade an diejenigen Stellen seiner Arbeit angelegt, die es am wenigsten vertragen können. Und doch sind gerade diese, die unbegründetsten seiner Beschuldigungen, zugleich die inhaltschwersten und mußten naturgemäß auch die schärfste Entgegnung Hervorrufen. Freilich will er nun die so verderbliche „indirekte Anleitunggar nicht ausgesprochen haben, denn er spricht in seiner „Vertheidigung" nur von „Vorschubleisten," das ja weit harmloser ist, — eine Escamotage, die man mit bloßem Auge und ohne ein „ganz eigenes optisches Instrument" wahrnehmen kann. Daß auch von einem „indirecten Vorschubleisten" hier keine Rede sein kann, hat die verehr!. Redaction offen auSzusprechen sich veranlaßt gesehen; daß aber eine solche Insinuation in diesem Falle wirklich ganz absurd ist, erklärt sich dadurch, daß ja — wie ich bereits in meinem Vorigen erörtert — die jüd. Lehrer bei der fraglichen Sabbatentweihung gar nicht zugegen, daß sie an ihr, sei es durch Unterricht oder Aufgaben, nicht im Mindesten betheiligt sind; ihnen dennoch einen Theil der Verantwortlichkeit dafür zuzuschieben, weil sie nicht durch Ermahnungm außer der

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