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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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965 gewann, die er früher me hatte. Im Geschäfte war Peixotto nicht so glücklich wie in seinen philantropischen Bestrebungen. Vechältmffe zwangen ihn mit seiner Familie nach San Franeisco zu übersiedeln und die juridischen Sludien nochmals aufzunehmen, bis er endlich nach erstandenen: Staatsexamen hoffnungsvoll in die Reihe der praktischen Advokaten trat. Auf Anrathen und auf Verwendung des Herrn Advokaten und Recorders Simon Wolf in Washington wurde Peixotto zum Ver. Staaten Consul nach Rumänien ernannt und ohne Einwand vom Senate bestätigt. Seit den Tagen des -bekannten Mayors Mordechai Noah, mit dem Peixotto sehr viel geistige Verwandtschaft zeigt, hat kein eingeborener amerikanischer Israelit unsere Regierung bei einem Hofe vertreten, Peixotto ist der erste in unserer Zeit; denn wir begen keinen Zwerfel, daß der Congreß in der nächsten Sitzung die rumänische Regierung anerkennen wird. Wir wünschen dem angehenden Diplomaten den besten Erfolg und halten uns vollkominen versichert, daß Peirotto all das thun wird was in seiner Macht steht, sowohl für die Gleichberechtigung der rumänischen Israeliten als auch für das beste Einverständniß beider Regierungen. Anwrika hat den Juden in der Schweiz zu ihrem guten Rechte verholfen, vielleicht gelingt's auch in Rumänien. Jedenfalls wird rgan in Bucharest die Stimnre von vierzig Millionen 'freier Menschen wenigstens einigermaßen berücksichtigen. Das Ausbeizen eines jeden Schandflecks mittelalterlicher Intoleranz und schmachvoller Knechtung ist reiner Gewinnst für die Menschheit. Peirotto's Mission ist eine herrliche. Er hat das begriffen und geht mit Begeisterung ans Werk. Von unfern geehrten Freunden, Gönnern und College» in Europa erbitten wir die freundlichste Aufnahme, brüderliche Unterstützung und volles Vertrauen für unser» Freund und Liebling Benjamin F. Peirotto. Freundlich gesinnten europäischen Blättern wird dieser Aufsatz zur besonder:: Kenntnißnahme empfohlen." AerrLlletvn. Kam und ßrnlen. XXX 2n Homburg. Wenn man in Homburg den im aktfranzösischen Style angelegten Schloßgarten zu Ende gegangen ist, so kömmt man auf eine Landstraße, die durch einen großen Wald gerades Weges über den TaunuS führt; verlaßt man aber nach wenigen Schritten die Bandstraße, linksabbiegend, und die überall angebrachten Wegweiser sorgen dafür, daß man den Weg nicht verfehlt, so kömmt man nach der Meierei, einem be» liebten VergnügungSorte der Hombnrger Kurgäste. Unter einer schattigen Eiche sitzt an einem große« Tische eine Gesellschaft; eS sind ^unverkennbar Juden, fromme Juden; denn sie haben sich zwar den Kaffee hier geben kaffen, aber die Milch und den Kuchen haben sie mitgebracht. Treten wir näher; wir finden vielleicht Bekannte. Dort, der vor der Zelt gealterte Kleidend auSfehertte Mann, es ist Wilhelm von Wolfseck. Er ist der einzige in der Gesellschaft, der zur Kur Hier ist; die Andern erfreuen sich sämmtlich der festesten Gesundheit. Neben ihrem kranken Manne sitzt Auguste, liebevoll um diesen besorgt und voller Aufmerksamkeit für ihn. Vor zehn Jahren noch war Wolfseck ei« jugendlich aussehender Mann, während Auguste schon zu altern begann; jetzt ist Wolfseck ein hinfälliger Greis; aber seine Gattin scheint in zweiter Jugend erblüht zu sein; und doch hat sie schon eine zahlreiche Enkelschaar. Dort spielen sie im Garten umher; fünf davon gehören Wilhelmine und Naphtali an und drei sind aus Moritz und Adelheids Ehe hervorgegangen. Auch diese sitzen am Tische und das vierte würdige Ehepaar mit etwas englischem Anstriche, das sind Mr. und Mrs. Löwenhaupt; sie sind die Helden des Tages; sie feiern heute das Jubelfest einer fünfundzwanzigjährigen glücklichen Ehe und *my good lady „bas“ always right“ heute wie vor fünfundzwanzig Jahren. Man wollte dieses Familienfest nicht ohne Herr und Frau Wolfseck feiern, und so waren Herr und Frau von Löwenhaupt, Naphthali und Wilhelmine, Moritz und Adelheid nebst den Kindern von B. hierhergekommen, während die alten Ruhdorfs nebst Rosenftock und Martha zur Führung der beiden Geschäfte in B. zurückgeblieben waren. Wahrend man in heiterer Stimmung den schönen Sommernachmittag genoß, kam Naphtali'S ältester, sechsjähriger Sohn herbeigesprungen und bat den Onkel Moritz, ihn in einen andern Thekl deS Gartens zu führen, wo eine Harfenistin „schöne Lieder" stnge. Der Kleine liebte Musik und Gesang über Alles und war nach Kinderart nicht wählerisch in diesen Genüssen. Moritz that ihm den Gefallen. Die Harfenistin war eine noch junge Person; aber auf ihrem Gesichte, das einst schön gewesen, hatten Elend und alle Arten von Leidenschaften ihre tiefen Spuren eingegraben. Moritz fiel dieses Gesicht auf. Wo hatte er es doch gesehen? Die Harfenistin ging bei dem zahlreich anwesenden Publikum, die Gaben einsammelnd, umher. Moritz warf ein großes Geldstück auf den Teller. Die Harfenistin sah ihn dankbar an und seufzte tief. „Ack, schöner Herr,-' sagte sie, „mir ist e« nicht an der Wiege gesungen worden, daß ich auf diese Weise mein Brod erwerben

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