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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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959 Holland. Amsterdam Ein ungewöhnliches Ereigniß fand jüngst in WneSp statt: Ein jüdisches Paar wurde jüngst getraut, darin ist natürlich nichts Besonderes; aber gewiß merkwürdig ist, daß beide, Mann und Frau, taubstumm sind und daß beide je einen Bruder und eine Schwester haben, die ebenfalls taubstumm sind und sich auch in den Stand der Ehe begeben haben. (Jew. Rec.) Rußland. Aluvsk. Ein jüdischer Schneider, der in einem benachbarten Dorfe zwei Kleider verkaufen wollte, wurde in dem nahen Walde auf schreckliche Weise ermordet gefunden. Der muthmaßliche Mörder, der wahrscheinlich die Kleider kaufen wollte, aber nicht das nöthige Geld dazu hatte und sich durch einen Mord in den Besitz derselben setzte, ist arretirt worden. (Hamagid.) Feuilleton. Säen «nd ßrnlen. xixx. Versöhnung. Lange schwebte Wolfseck zwischen Tod und Leben. Der sorgfältigsten Pflege Augusten's und ihrer Kinder — Moritz war unterbeut mit seinen Pflegeeltern von London zurückgekehrt — gelang es indeß, der mörderischen Krankheit Herr zu werden; es war kein Schlaganfall, wie der Arzt anfangs gemeint hatte, es war ein Starrkrampf gewesen, der, als er sich löste, einem hitzigen Fieber Platz machte. Mehrere Wochen hatte Wolfseck in den heftigsten Fieberphantasien zugebracht, in denen er den Mamon verfluchte, die Gräfin und ihre Tochter verwünschte, dagegen den Abfall vom Glauben und die Verstoßung seiner Gattin und deren Kinder tief beklagte. Jetzt verließ ihn das Fieber, und das Bewußtsein kehrte zurück. Als er eines TageS aus tiefem Schlummer erwachte, sah er Auguste, Moritz und Wilhelmine an seinem Bette stehen. Er blickte sie an, und Thränen traten in seine Augen. „Könnt Ihr mir verzeihen?" fragte er mit bewegter Stimme. „„Du bist uns r Gatte und Vater,"" antwortete Auguste, „„und wir lieben Dich mehr denn je."" „Und Dich konnte ich verstoßen!" „„Du hast mich nicht verstoßen; ich habe nach jüdischem Gesetze nicht einen Augenblick aufgehört, Dein Weib zu sein."" „Und Du, Moritz, den ich aus dem Vaterhause vertrieben?" Moritz beugte sich hernieder und küßte die Hand seines Vaters. „Ich danke Euch, meine Lieben," sagte Wolfsohn, lies ergriffen. „Verzeihst auch Du mir, Wilhelmine, daß ich Dich habe ln'S Kloster sperren wollen?" „„Vater, geliebter Vater,"" rief Wilhelmine, „»jetzt ist Alles gut, da Du wieder bei unS bist. Werde nur bald wieder ganz gesund!"" AlS sich Wolfseck ein wenig erholt hatte, traf er Anstalten, um sein flüchtiges Weib zu verfolgen und ihr, wo möglich, die geraubten Schätze abzujagen. Die zu diesem Zwecke geschehenen Schritte blieben nach so langer Zeit natürlich resultatlos. Das Gericht sprach aber wegen böswilligen DerlastenS die Scheidung aus. Als der Arzt eines Tages den Genesenden besuchte, fragte dieser, ob es ihm nicht gestattet sei, zu rauchen. Der Arzt hatte nichts dagegen einzuwendm. „Moritz," sagte Wolfseck, „reiche mir doch eine Cigarre." Moritz wurde verlegen. „Vater," sagte er zögernd, „es ist Sabbat heute." Wolfseck blickte seinen Sohn groß an. Seitdem er rauchte, hatte er auch am Sabbat, ja am Versöhnungstage geraucht. Bittere Gedanken stiegen in ihm auf. „Ja," dachte er, „du bist jetzt ein Bettler, und man hat sich nicht aus kindlicher Liebe deiner angenommen, sondern aus Proselytenmacherei, um dich zu zwingen, nach jüdischem Gesetze zu leben." Allein er drängte die Worte zurück und schwieg. Am Abend desselben TageS brachte ihm Moritz eine ganze Auswahl verschiedener Cigarrensorten, und als der Kranke seine Wahl getroffen, wurde ein Kistchen an das Kopfende seines Bettes gestellt. Die Genesung schritt nur langsam vorwärts. Am nächsten Sabbat, als Moritz wiederum am Bette seines Vaters saß, zündete sich dieser eine Cigarre an. „Moritz," sagte er, „Du siehst es so ruhig mit an, daß ich am Sabbat rauche?" „„Vater,"" sagte Moritz, „„Du mußt selbst wissen, was Du zu thun hast."" „Warum aber hast Du mir heute vor acht Tagen die Cigarre versagt?" „„Ich wollte sie Dir nicht reichen; auch wollte ich Dich auf daö betreffende Verbot aufmerksam machen."" „Du weißt aber doch, daß ich aufgehört habe, Jude zu sein." „„Niemand, mein Vater, kann aufhören, Jude zu sein."" Wolfseck legte die brennende-Cigarre aus der Hand. „Rufe mir Simon Ruhdorf, mein Sohn," sagte er, „ich habe mit ihm zu reden." Es war das erste Mal, daß Wolfseck den Namen

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