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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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5 Kandidaten wurde nur Einer approbirt u. z. der seit 10 Jahren an der öffentl. Lehranstalt des Herrn Jacoh Frey angestellte Hauptschullehrer Herr Wolfgavg Freund, der zum Lehramte für Bürgerschulen als gut befähigt erklärt wurde. Unseres Wissens ist er der erste Bürgerschullehrer iSr. Confession in Böhmen. (Ggt.) Prag. Der Chanukaverein zur Unterstützung armer isr. Kinder!, gegründet im November 1869, also erst ein Jahr alt, hat einen überraschenden Aufschwung genommen, so zwar, daß dieses Jahr S1 Kinder mit kompletten Anzügen und Schulrequisiten betheilt werden, während man im Vorjahre n^r 20 Kinder berücksichtigen konnte. Dieser erfreuliche Fortschritt zeugt von der Sympathie, deren sich der Verein erfreut und von der unermüdlichen Thätigkeit seines Vorstandes und des vom diesem gewählten Damencomitös. (Ggt.) Pefth, 42. Dec. Vor den Schranken des hiesigen Criminalgerichtes steht, des Verbrechens der Polygamie angeklagt', Ladislaus Magyar, ein Diener des Oberhauses. Der Angeklagte ist ein 38jähriger, hagerer Mann, aus Szent-Mihaly gebürtig, des Schreibens und Lesens unkundig. Der Thatbestand ist folgender: Wolf Linzer, gewöhlich JacobFarcas genannt, ist der Cohn jüdisch-chassidischer Ellern und wurde in seinem 16. Lebensjahre mit der 26jährigen Jungfrau Rebekka Szivarvany (Regenbogen) verlobt. Nachdem der Junge das Schneiderhandwerk erlernt hatte, mußte er im Jahre 1844 seine Verlobte unter den Trauhimmel führen. Farkas betrieb neben seinem armseligen Handwerk auch das lucrativere eines Bettlers und so kam er edist auf einer seiner „Geschäftsreisen" nach Debreczin, wo er die Bekanntschaft einer Jungfrau Namens Susana Kopanyi machte. Diese war zwar calvinischer Confession, aber dafür jung und schön, während seine Frau schon hoch in den Jahren war. Farkas ließ sich taufen, und niemand Geringerer als die Frau Gräfin Szapary war es, die es übernahm, ein sonst verlorenes Schaf dem Schooße der calvinischen Kirche einzuverleiben. Im Jahre 1859 heirathete er das Mädchen seiner Wahl, Susann« Kopanyi, während ihn seine treue mosaische Gattin zu Hause als einen Todten betrauerte und sein achtjähriges Söhnchen alljährlich an dem vermeintlichen Todtestage die Sterbegebete für ihn sprach. In der Taufe hatte Farkas den patriotischer klingenden Namen Ladislaus Magyar empfangen, den bekanntlich auch ein ungarischer, in weitesten Kreisen bekannter Weltreisender trägt. Magyar zog nun mit seinem Weibe nach Pefth, ohne von seiner jüdischen Frau rituell geschieden zu sein, und als Susann« Kopanyi im Jahre 1866 starb, bewarb sich Magyar zur Abwechslung um die Gunst einer katholischen Frau. Seine Wahl fiel diesmal auf Katharina In g riS, die bei dem Reichs-Finanzminister Lonyay als Beschließerin bedienstet war, und im Jahre 1867 führte er dieselbe zum Altäre. Doch als er dieser die Größe seiner zärtlichen Liebe mit Schlägen beweisen wollte, war er an die Unrechte gerathen, denn die Jngriö erwiederte Schlag mit Schlag und machte endlich spöttische Anspielungen auf ihres Gatten orientalische Abstammung, so daß dem Blaubart die Lust vor den christkatholischen Weibern vollkommen verging. Er hatte durch Vermittlung seiner hochgeborenen Pathin die Stelle eines Dieners im Oberhaufe erhalten, und es ging ihm nicht übel. In diesem Zeitpunkte sah er sich wieder unter den Töchtern Israels um, und eine derselben, Namens Magdalena Be ckmann, hatte es ihm angethan. Nachdem er sich der Einwilligung dieser vierten Frau dadurch vergewissert hatte, daß er eine goldene Kette von derselben als Angebinde erhalten, reiste er nach Wien, wo er wieder zum Judenthum übertrat, am 10. Juni vorigen Jahres ward er in dem hiesigen israelitischen Tempel mit Magdalena Beckmann getraut. Doch die Gräfin Szapary hatte von dieser ungeheuerlichen Sinnes- und Glaubenswandlung ihres Taufkindes Wind bekommen, und auf deren Veranlassung wurde Magyar aus dem Dienste der Magnatentafel entlassen. Seinen Aerger hierüber siieß er nun wieder in Form von Schlägen aus den Rücken seiner „Vierten" aus, und endlich ward er nach dreiwöchentlicher Ehe flüchtig mit den Pretiosen und der Barschaft seiner Frau. Diese machte die polizeiliche Anzeige, in deren Folge Magyar's Lebensfaden 'genau verfolgt wurde. So kamen die polygamischen Tendenzen Ladislaus Magyar's ans Tageslicht. Der öffentliche Ankläger sieht das V rbrechen der Bigamie conftatirt und beantragt dos Strafausmaß von zehnjähriger Kerkerhaft. Der Gerichtshof verurtheilt Magyar zu zweijährigem schwerem Kerker. Der öffentliche Ankläger meldet die Berufung an. Ofen. Ueber die hiesige Landes - Irrenanstalt berichtet die „Wiener Med. Wochenschrift" unter Anderem wie folgt: „Noch wollen wir nicht unerwähnt lassen, wie die religiöse Gleichberechtigung in diesem traurigen Hause beachtet wird. Neben der katholischen Kapelle, welche sich einfach aber sehr würdig repräsentirt, befindet sich das Protest. Bethaus und ein jüdischer Tempel; diese volle Gleichberechtigung geht so weit, daß kein Seelsorger irgend im Hause wohnt, weil man auch in dieser Beziehung keine Religion bevorzugen will."

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