Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1870)
- Date
- 1870-12-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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955 in seinem rosDro mim. Mit einem Aufwande von Scharfsinn und kühner Combinationsgabe wird in den genannten Werken nachgewiesen, wie die W'n rotem in der Sprache begründet sind. Eine talmudische Koryphäe unserer Zeit, Districts-Rabbiner Bamberger zu Würzburg, dem wir bisher in seiner literarischen THLtigkeit nur auf praktisch halachischem Felde zu begegnen gewohnt waren, hat in seinem neuesten Werke*) sich auch den obengenannten Bestrebungen, der grammatischen Begründung der W'n rotem angeschlossen. Der Name des Verfassers bürgt schon für die Gediegenheit des Werkes, doch können wir es uns nicht versagen, Einiges aus demselben in Kürze mitzutheilen, um den Gang anzudeuten, den der Verf. bei Erklärung jener oft dunkeln npn 'in einschlägt. Vor Allem muß erwähnt werden, daß unfern Weisen bei ihrem npn der durchaus keine Conjekturen vorgefchwebt haben, daß sie etwa hätten eine Kritik an den Versen üben wollen, wie es in neuester Zeit Lieblingsbeschäftigung so Mancher geworden, die die Verse so gern nach ihren Ansichten zustutzen möchten, um den amputirten Vers alsdann später zum Gewährsmann ihrer Ideen anzurufen. Die Nichtigkeit dieser Ansicht ist in der Einleitung des vorliegenden Werkes gründlich dargelegt und durch das ganze Werk selbst auf's Schlagendste erwiesen. Eine Schwierigkeit in grammatischer oder stylistischer Beziehung oder im Ausdruck, der verschiedenartig erklärt werden könnte, veranlaßt unsere Weisen zu der Bemerkung, daß für das richtige Verständniß nicht die gewöhnliche Bedeutung des betr. Wortes allein maßgebend sei, daß vielmehr auf etwas ferner Liegendes hingewiesen werde, was alsdann unsere Weisen in prägnanter Kürze, und um es dem Gedächtniß sicher einzuprägen, durch ein entsprechendes, möglichst gleichlautendes Wort erklärten, npn du will nicht ein anderes Wort an die Stelle des Textes setzen, es will vielmehr das betr. Wort übersetzen, es will eine Erklärung geben, die auf streng logischer und sprachlicher Grundlage ruht. So z. B.: nityso im M Dio# tön rVtoßy npn pNa roov ov ntcw 'n (S. 2). Für diese schwierige Stelle gibt der Verf. ungefähr folgende Erklärung. Der Name war bei den Alten nicht etwas Zufälliges, sondern wesentliches Accidens der Person; entweder war er durch prophetische Eingebung oder durch irgend eine äußere Veranlasiung dem Kinde gegeben, so daß der Name irgend einen Gedanken ausdrückte, welcher in vielen Fällen die Characterrichtung, Eigenschaft u. s. w. einer Person bezeichnete. Durch diese Auffaffung, die quellenmäßig belegt ist, löste der Verf. manche im Talmud *) c"c3t 'ipr> bf> wn7 r>nfa fnip m Franks a. M. 5631 (1870). Druck von Brönner 90 S. 8°. vorkommende Schwierigkeiten. El# so aufgefaßt, akS der Ausdruck für das Wesen der Personen und Dinge, bezeichnet alsdann auch symbolisch die Gegenstände, die Ausdruck einer .Idee, eines großartigen Gedankens sind, die Monumente geistiger und materieller Errungenschaften; in diesem Sinne sagen die Erbauer des babylonischen Thurms: n v ub ntpyji, der Thurm als Monument ihrer ehrgeizigen, himmelstürmenden Bestrebungen soll als 212* dastehen. Ist nun aber Et# die Darstellung der Idee, das in die Sinne tretende Bild des Wesens der Dinge, so ist es gerade der Gegensatz zu r Verwüstung, Verödung, — Etz Ausbau, riEtt? Zerstörung.*) Jetzt muß es aber auffallend erscheinen, daß in dem oben angeführten Verse das Zeitwort EILk gewählt ist, da doch dasselbe die Bedeutung von mit Absicht stellen', ordnen, anordnen, hat, wie unsere Weisen z. B. erklären: ijb» rtw losen nma mtsn, nmon dL« idem (Sifra zu is'ö M. 12) und an vielen andern Stellen, so daß man statt des moter d w rop» vielmehr ] n j "wet oder n V V "wn erwartet hätte. Das ist es aber gerade, was unsere Weisen zu ihrem npn bto veranlaßt: nicht umsonst wählt die Schrift den Ausdruck Efr, denn was uns wohl in den "n rotyso att nW erscheint, das scheint aber nur uns also, diese riiD&r diese anscheinenden Trümmer sind in Wirklichkeit J")iÖ#/ mit Absicht wohlgegeordnete Grundbauten, für die Entwickelung und Glückseligkeit der Menschen. S. 48. Zu Habakuk III, d: ib D^y rorodn bemerken unsereWeisen: nuin xvn roa^n npn (Meg. 8 b.) worüber wir im vorliegenden Werke folgende treffliche Bemerkungen lesen. Der Begriff des Gehens, des Fortschreitens kann ein zweifacher sein: Das physische und das geistige Fortschreiten. Der Prophet Habakuk schildert nun den durch Gott hervorgebrachten Wechsel der Dinge: kosmische und politische Umwälzungen und Veränderungen — Alles ist dem Wechsel unterworfen, Alles kann andere Gestalt annehmen, unwandelbar aber in dem Wechsel der Dinge steht die von Gott gegebene Thora, dmn V? n^iy nw'-n, was ihm, Gott, angehört, ist für die Ewigkeit da. Glaube *) Wie richtig der Verf. die Anschauung der Alten erfaßt hat, geht aus Philo hervor, der die Namen Merkmale (OvpßoXu) der geoffenbarten Dinge nennt: ra yewr/TO)V Övflßoka, ovöfxuxu De nominum mutatione. Ed. Pfeiffer p. 326.