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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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954 solche trostlose Zustände der iSrael. Soldaten im Felde ruhig mitanschauen können. „Beschämt uns Nicht dttser Herr durch sein Interesse, durch seine Theilnahme, welche er unserem Glauben bewahrt? Es wäre Zeit, daß endlich Etwas in dieser Angelegenheit geschähe. ES wäre schon längst hierzu Zeit gewesen, schon vor Beginn des Feldzuges hätte man dahin wirken sollen, daß mindestens für jedes Armee - Corps ein Feldprediger bestimmt worden wäre, der einen regelmäßigen Gottesdienst sür uns leite. Möchten doch diese mit tiefer Wehmuth geschriebenen Worte bewirken, daß Männer daheim, welche hierzu die Fähigkeit resp. die Macht besitzen, ihre Thätigkeit nun endlich vereint beginnen, um im Interesse unseres Glaubens Abhilfe dieser trostlosen Zustände im Felde herbeizuführen. M. H. aus G." Der Vorwurf unserer Brüder im Felde trifft uns nicht. Schon im Jahre 1866 hat man sich vergebens in dieser Angelegenheit bemüht. Im Jahre 70 beim Ausbruche des Krieges sind diese Bemühungen mit demselben Erfolge erneut worden. Zwei Nabbinen haben sich an das pr. Kriegsministerium gewandt und sind abschlägig beschieden worden. Der Herausgeber dieser Blätter, der preußischen oder norddeutschen Behörden gegenüber nicht die Initiative ergreifen konnte, da Mainz nicht zum norddeutschen Bunde gehörte, hat sich vergebens bemüht, für die Großh. Hessische Division die Anstellung eines jüd. teldgeistlichen zu erwirken. Wir hatten dazu einen andidaten vorgeschlagen, der ohnedies zu den Fahnen berufen wurde. In Darmstadt sagte man an competenter Stelle, die Anstellung könne lediglich vom Prinzen Ludwig, dem Oberbefehlshaber der Großh. Hess. Division geschehen; eine von uns darauf an Seine Hoheit gerichtete, von dem ersten protestantischen Geistlichen des Großherzogthums warm befürwortete Petition ist bis heute unbeantwortet geblieben. Ueber die Quast - Anstellung der Herren Drs. Lewin und Guttmann haben wir bereits berichtet; es sollte daraus dem Militär - Etat keinerlei Kosten erwachsen; das heißt, die Herren erhalten durch ihre Anstellung kein Anrecht auf ein Stückchen Commis - Brod, und wenn sie — wie bas im Kriege ja leicht sein kann — in Gegenden kommen, wo für Geld nichts zu haben, so können sie verhungern; sie erhalten ferner nicht das Anrecht auf Weiterbeförderung; sie dürfen vielmehr auf Schusters Rappen dem Heere nachlaufen, und was dergleichen Unzulänglichkeiten mehr sind. Die genannten Herren haben daher die Berufung nicht so ohne Weiteres angenommen, sondern haben sich nochmals mit einer Vorstellung an das Ministerium gewendet. Bis Antwort kömmt, wird hoffentlich der Krieg zu Ende fein. Wir müssen zwar zugeben, daß die Herren vollständig correct und der Würde des Judenthums entsprechend gehandelt haben; nichtsdestoweniger hätten wir gewünscht, daß sie trotz Allem mit beiden Händen zugegriffen. Die jüdischen Steuerzahler, die jährlich Millionen über Millionen zum Militär-Etat beitragen müssen, hätten die paar Groschen Kosten, auf welche sich die Absendung zweier jüdischer Feldprediger belaufen, aus freiwilligen Gaben leichtlich zusammengebracht. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir behaupten, daß für die freiwilligen Gaben, welche eine jüdische Gemeinde mittlerer Größe, wie etwa Mainz, Cöln oder München, zur Linderung der Lage vom Kriege Betroffener gespendet, ein Dutzend jüdischer Feldprediger leichtlich hätte in'S Feld geschickt und erhalten werden können. Der heißersehnte Friede wird s. G. w. nicht zu lange mehr auf sich warten lassen und dann wird die jüdische Feldprediger-Angelegenheit begraben und vergeffen sein, bis.doch hd nnsa Gebe Gott, daß diesem furchtbaren Kriege ein dauernder Friede folge und so der Militär-Etat die Ausgabe sür jüdische Feldgeistliche stets und immer erspare. Literarischer Bericht. Frankfurt a. M , im December. Die Schrifterklärungen unserer Weisen in der weitschichtrgen Talmudliteratur grammatisch zu begründen, ist ein nicht genug anzuerkennendes Streben unserer Gelehrten der Neuzeit. Die Oberflächlichkeit und der Leichtsinn haben oft in t>Vn müßiges Phantasiespiel, wenn nickt gar Wortverdrehung erblicken wollen, statt sich zu sagen, daß ihnen, den Krittlern, das Verständniß der sprachlichen Feinheiten, auf welchen diese Erklärungen fußen, fehlen, statt den so höchst einfachen Schluß zu ziehen: Männer von so eminenter Bedeutung und Gelehrsamkeit, wie unsere Weisen, haben weder Zeit noch Lust zur müssigen Phantasiespielerei gehabt, lausend Beispiele aus ihrem Leben erzählen uns von ihrer unverbrüchlichen Wahrheitsliebe, Wortverdrehung muß ihnen gewiß sern gelegen haben, — ihre Weisheit läßt doch gewiß nicht vermulhen, daß sie aberwitziges Zeug geredet hätten. Wenn also eine ihrer Worterklärungen uns befremdet, so muß es wohl die Unzulänglichkeit unseres Wissens sein, so sind wir nicht in den Geist der Sprache eingedrungen, während sie in derselben lebten und webten und daher im Stande waren, die Feinheiten derselben zu erfassen. — In diesem Sinne wirkte ,m\ in feinem rfopm rrnnn und d^d -pnd 'i

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