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Der Israelit · 1870-12-21 · Heft 51 (21.12.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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945 Xin vergütet worden. Nach zweimonatlicher und zwar, -wie uns die vorliegenden Atteste Nachweisen, die Ober¬ und Generalärzte höchst zufriedenstellender Thätigkeit wurde dieser junge Arzt plötzlich entlasten, angeblich, weil er (er hatte eine Zeitlang einen schlimmen Fuß) in Schlafschuhen in den Baracken promenirt haben soll, nach einer anderen Variante jedoch, weil er, wie sich später herausstellte, der jüd. Religion an gehörte. Dem sei nun, wie ihm wolle, jedenfalls weigert sich jetzt die Intendantur, die Kosten der Rückreise nach Königsberg zu tragen, weil dieselbe nicht mehr in ihrem Interesse liege, und so dürfte denn diese Rechtsfrage dem Urtheil des ordentlichen Gerichtes überwiesen worden. Aus Weftphalcn In mehreren kleineren jüdischen Gemeinden Westphalens, in denen keine po vorhanden, hat man in jüngster Zeit angefangen, eine im Judenthume noch nie dagewesene Neuerung einzuführen, nämlich die, daß man mit neun oder weniger erwachsenen Personen öffentlichen Gottesdienst abhält. Ob hierbei Unwissenheit zu Grunde liegt, was wir uns kaum denken können, da fast jedes jüdische Schulkind weiß, daß solches eine n-ojo nran mso ist, — oder ob es in Folge eines von der sog. Rabbinersammlung zu Leipzig gefaßten Beschlusses geschieht — wir wissen es nicht und beschränken uns deshalb auf die einfache Mittheilung des Faktums. Der projectirte Bau einer neuen Synagoge in Münster soll, wie wir erfahren, wegen in der Gemeinde entstandener Zwistigkeiten vorläufig nicht realisirt werden. — Wiederum hat der unerbittliche Tod in Westphalen einen Glaubensgenossen hinweggerafft, wie sie leider gerade hier immer seltener werden, einen Mann vom Geiste des echten und wahrhaften Judenthums Es starb nämlich vor Kurzem in Unna, einer Stadt im Kreist Hamm. Herr I. Rosenberg yi hochbetagt. Die Liebe und Ächtung, deren sich der Verstorbene, ein streng religiöser Mann, ein pns tron, überall, wo man ihn kannte, im hohen Grade zu erfreuen hatte, bewies besonders die große Zahl von v'MN' aus Nah und Ferne, die gekommen waren, sich am Leichenzuge zu betheiligen und dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erzeigen. An seinem Grabe sprach Herr Gemeindelehrer Hermann von dort, und schilderte in beredten Worten die wahrhafte Frömmigkeit und Tugend des Verblichenen. Oestrich. M. R o s e n w a l d, Lehrer. Frankfurt a. M., 16. Dec. Wie wir vernehmen , dürfte sich der Vorstand der isr. Gemeinde nicht bei dem jüngsten Beschluß der Stadtverordneten hinsichlich der JDr. Senckenberg'schen Stiftung beruhigen und weitere Schritte in dieser Angelegenheit thun. AlleufteLn, 9. December. In der Beilage zu Nr. 48 Ihres geschätzten Blattes sind in der Verlustliste irrthümlich folgende Namen angeführt: Joseph Sosnowski aus Martinsdorf, Kreis Allenstein; Joseph Czarnowski auS Gr. Marannen, Kreis Allenstein; Joseph Reimann aus Keinen, Kreis Allenstein. Die Genannten sind keine Juden. Braunfels, Kreis Wetzlar. Heymann Rosenthal von hier hat in Folge seiner in der Schlacht bei Gravelotte bewiesenen Tapferkeit und Umsicht das eiserne Kreuz erhalten. Altona. Eine isr. Frau, Namens Sch. Marburg, feierte am na» ihren hundertsten Geburtstag. Dieselbe ist noch ganz rüstig und ihrer sämmtlichen Sinne mächtig. Altona. Durch eine Trauerbotschaft vom Kriegsschauplätze wurde die Familie des Obergerichtsadvokaten, Herrn M. M. Marburg hier, betroffen. Der zweite Sohn des Letzteren, der Stud. zur. Jacob Marburg, ein liebenswürdiger junger Mann, bei Orleans zur Recognoscirung ausgeschickt, wurde bei dieser Gelegenheit von einer feindlichen Kugel tödtlich getroffen. (Herr I. W. kämpfte als Freiwilliger.) (Reform.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der Landesschulrath für Niederösterreich hat sich mit dem Wiener Magistrate in's Einvernehmen gesetzt, um auch an der Kommunal-Volksschule zu St. Johann in der Leopoldstadt, welche von vielen iSraelitschen Kindern besucht wird, den jüdischen Religionsunterricht in derselben Weise einzuführen, wie dies bereits im Kommunal - Ober-Realgymnasium in der Leopoldstadt geschah. Anlaß hiezu gab ein Gesuch des israelitischen Religionslehrers Jacob Redlich und handelt es sich nunmehr bloß um Ausmittlung eines paffenden Lokales in der Schule, damit zur nämlichen Stunde, wenn die katholischen Schüler ihren Religionsunterricht empfangen, anch die israelitischen Jünglinge denselben ibrem Ritus gemäß genießen können, um unnöthige Zertversplitterung zu vermeiden. Bei dieser Gelegenheit müssen wir bemerken, daß nicht in einer Volksschule im Bezirke Leopoldstadt, wie eS hieß, sondern in der Klaffe des 5. Real-Obergymnasiums unter neun Schülern blos zwei Katholiken sind. Lemberg. In Lemberg soll demnächst unter dem Namen pfcn»’ nnx» ein Verein gegründet werden, welcher die Interessen der ft r e n g g l ä u b i g e n Juden vertreten wird. (Lemb. Zeit.)

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