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Der Israelit · 1870-12-21 · Heft 51 (21.12.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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944 der äußerst zahlreichen Trauerversammlung beredten Ausdruck. Schreiber dieses, der in freundschaftlichem Verkehr mit unserm Herrn Rabbiner nicht selten Gelegenheit hatte, die hervorragenden Eigenschaften der Heimgegangenen zu bewundern, glaubt, es ihrem Andenken schuldig zu sein, derselben in diesem weitverbreiteten Organe, das in der Vorführung edler Frauencharaktere nicht den geringsten Theil seiner segenSreichen Wirksamkeit entfaltet, einen Denkstein zu setzen, dessen Errichtung er weit lieber einer geübteren Hand überlassen hätte. Und in der. That, nicht etwa die Pflichten der unermüdlich rührig waltenden, nur ihrer Familie lebenden „deutschen" Hausfrau, welche die Entschlafene im vollsten Umfange erfüllte, sind es, die dem Referenten die Feder in die Hand drücken, vielmehr jene wahrhaft aufopferungsvolle Hingabe, mit welcher die Verklärte ihrem Gatten in seinem schwierigen Berufe, namentlich damals zur Seite stand, als in einem Theile unseres Bezirks jener bedauerliche systematische Antagonismus gegen das verdienstliche amtliche Wirken unseres Herrn Rabbiners demselben so manche trübe Stunde bereitete. Eines jener zartbesaiteten weiblichen Wesen, vermochte die Verblichene schon durch ihr Erscheinen allein, wie mit einem Zauberschlage. jede Falte von der Stirne des geliebten Gatten zu verscheuchen, dem sie, in richtigem Verhältniß für die hohen Geistesgaben und das tiefe Gemüth desselben, so gerne die geheimste Regung seines Herzens ablauschen mochte. Ganz besonders aber verdient die, nicht etwa ans kallberechneter Willfährigkeit für die Stellung ihres Gatten, vielmehr aus innerstem Drange, aus selbstbewußter Ueberzeugung hervorgegangene wahrhaft innige Religiosität der Heimgegangenen, fußend auf dem granitenen Fundamente einer echt jüdisch-religiösen Erziehung, ihr selsensestes Gottvertrauen, ihre ungeheuchelte Gottesfurcht, um so mehr hier hervorgehoben zu werden, als das in jeder Hinsicht musterhafte Leben der Entschlafenen den sprechenden Beweis lieferte, daß sogenannte „moverne Bildung", welche derselben in hohem Grade eigen war, sich mit streng religiösem Wandel vereinigen läßt — Endlich darf die unbegrenzte Menschenliebe der Heimgegangenen, welche stets geneigt war, von ihren Mitmenschen nur Gutes zu denken, wie die reiche Mildthätigkeit, welche dieselbe stets geübt, nicht unerwähnt bleiben. — Möge der Allgütige dem ti-fgebeugten Gatten, den schwergeprüften Eltern und Angehörigen lindernden Balsam in die blutende Herzenswunde träufeln, der Verklärten aber in jenen lichten Höhen den reichsten Lohn zu Theil werden lassen! "rV'u'Wa 3. W. Aus Berlin wird der „Jsr. Wochenschrift« Folgendes geschrieben: „Dieser Tage erhielt ein hiesiger Arzt die Nachricht, daß im Garnison-Lazareth ein schwer verwundeter jüdischer Soldat, Namens Rothgießer, liege,deffenFamilie bittereNoth leide. Ich übernahm den Auftrag, dem MitleidenSwerthen eine kleine Gabe zu überbringen. Leider war derselbe schon aus dem Lazareth entlasten und in die Heimath geschickt worden. Vom Ober-Inspector aber erfuhr ich auf Grund eines amtlichen Protokolls über denselben Folgendes: Rothgießer (aus dem Posenschen gebürtig) bat schon den mexikanischen Feldzug als Freiwilliger mitgemacht. Mit einem französischen Orden für persönliche Tapferkeit dekorirt, kehrte er in seine Heimath zurück, verheirathete sich, etablirte sich als Schneidermeister in Qstrowo und ward beim Ausbruch des französischen Krieges als Reservist ins 59. Jnf.-Reg. eingestellt. Bei Sedan ward er verwundet, kämpfte aber muthig weiter. Da erblickt er den Fahnenträger eines Turco-Regiments, stürzte sich auf ihn und entriß ihm in wüthendem Einzelkampfe die Fahne, deren Fetzen er seinem Regimente überbrachte. Kurz darauf ward er von einem Munitionswagen überfahren, verlor das rechte Auge und erlitt eine Verletzung des Schädelknochens, so daß er sein Gewerbe nicht mehr wird ausüben können. Nach mehrwöchentlicher Behandlung ist er als Invalide entlasten worden. Zu Hause aber verlangen eine Frau und mehrere Kinder nach Brot, und die 5 Thr., die der tapfere Mann als Pension möglicherweise erhalten wird, schützen sie eben so wenig vor Hunger wie das eiserne Kreuz, das ihm bestimmt ist. „An gute Menschen ergeht die Bitte, dem wackern unglücklichen Manne in seiner Noth beizustehen. (Adr.: Julius Rothgießer, Schneidermeister, früher Füsilier im 59. Jnf.-Reg., in Qstrowo.)" (Dem Obigen habe ich hinzuzufügen, daß mir der unglückliche Rothgießer persönlich bekannt und werth ist. Nachdem er auch den Krieg von 66 ruhmvoll mitgemacht, lag er hier in Mainz in Garnison und aß allwöchentlich an meinem Tische. R. war stets streng-religiös, brav und fleißig Als geschickter Schneider hatte er Gelegenheit, sich Etwas zu erübrigen; das brachte er stets mir, und wenn es zu einem Sümmchen angewachsen war, so verwendete er das Geld zum Besten seiner armen Mutter. Ich schließe mich daher der obenstehenden Bitte von Herzen an und bin bereit, Spenden entgegenzunehmen und zu befördern. — Dr. Lehmann.) Berlin, 15. Dec. Nach der „C. B." dürste gegen die hiesige Intendantur, welcher das Lazarethwesen untergeordnet ist, in nächster Zeit ein interessanter Procetz zur Verhandlung kommen. DieGeneral- Lazareth-Direction hat nämlich u. A. auch einen Arzt aus Königsberg i. Pr. nach Berlin kommen lasten und denselben hier in den Baracken angestellt. Hierbei sind ihm selbstverständlich die Reisekosten nach Ber-

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