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Der Israelit · 1870-12-21 · Heft 51 (21.12.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Y4S gelegt. Wir find uns bewußt« daß die von uns gegebene Schilderung unserer jüd. Verhältnisse weit hinter der traurigen Wirklichkeit zurückgeblieben. Wir konnten manches bezeichnende Factum, das unjüdische Treiben ganzer Gemeinden mit ihren Lehrern an der Spitze, nicht an den Pranger stellen, weil uns die gerichtlichen Beweise oft fehlten, und weil wir nur solche Mittheilungen zu machen uns für berechtigt hielten, die wir vor den Schranken der Justiz ebensogut, wie vor der jüd. Lesewelt vertreten können. Ost hat auch die vmficht der Redaction, wenn wir unserer sittlichen Entrüstung über das verwerfliche Gebühren der Schaafe und der Hirten unverkürzten Ausdruck gaben, die Cenfur in ihrer ganzen Strenge walten lafien. Wie dem aber auch sei, so viel sieht fest: die jüd. Gemeinden des Odenwaldes und der Umgegend sehen mit ganz wenigen Ausnahmen — einem solchen Verfalle entgegen, daß wenn nicht rasche und gründliche Abhilfe gebracht wird, ihr Bestand — soweit menschliche Augen sehen können — kaum mehr einige Generationen dauern wird. Und dieser gähnende Abgrund , der nach unserem Judenthum, nach unserer irdischen und himmlischen Glückseligkeit hascht, wird von unseren Pfaffen und Pfäfflein mit Blumen und Laubwerk überfireut, um nur dem Volk, deffen Mark fie zehren, die Gefahren zu vertuschen, die so verdeckt noch gefährlicher werden. Man hält so für ein Blumenbeet, waS in der That unser Grab ist, und Jrreligiösität und Leichtsinn benennt man mit Anstand und Bildung. ES herrscht eine Confusion, eine Verdrehung und Verwechselung der Begriffe, die haarsträubend ist. Unser Rabbiner fühlt sich zwar nicht mehr ganz behaglich auf seiner Psiünde und hat daher bei mehreren anderen Gemeinden angepocht, um dort placirt zu werden. Aber immer fand er geschloffene Thüren und feine süßen Predigten fanden verschlossene Herzen. Und wir? Nun wir haben ihn leider einmal, waS kann man thun? „WaS kann man thun?" Das ist der gewöhnliche Schlußrefrain einer ganzen Reihe von Tiraden und Beschwerden. „Es steht schlimm, sieht traurig aus, aber, fügt man achselzuckend, kleinlaut hinzu: was kann man thun?" Und dann meint man schon Etwas, ja meint schon Alles gethan zu haben, wenn man händeringend zu diesem Resultate gelangt ist. Was man thun kann? Nun, wir wollen uns einmal umfehen in unfern heiligen Urkunden, was sie uns in solchen Fällen zu thun rathen; aber an der sichern Hand eines solchen Rathes wollen wir unS auch leiten und unser Thun bestimmen laffen. Da führt uns ein Rathgeber, der uns der Zeit nach am nächsten steht, führt uns Maleachi eine Zeit vor, die der unsrigen so gar ähnlich ist: „Wenn die öffentliche Meinung spricht: Thöricht ist es ferner Gott zu dienen. Was haben wir denn genützt, wenn wir feine Zwecke wahren wollten und um feine Sache trauernd einhergingen? Sünder müssen wir ja glücklich preisen und Bösewichte sind mächtig geworden, haben Gott versucht und kamen davon, in dann, in solchen Zeiten allgemeiner Entmuthjgung, wo GleichgiMgkeit und Empfindungslosigkeit jede Thatkrast Niederdrücken, in dann, fährt Maleachi fort, 'n \xt nmj in, dann ist es die Pflicht Gotiesfürchtiger wenigstens zu reden. Mag die große Masse, mögen ihre Führer darüber spotten und lächeln, „Gott merkt es und hört es, und es wird verzeichnet in das Buch des GedächlniffeS der Gottesfürchtige» und derer, dje feines Namens denken, und das werden die Meinen sein für die Zeit, wo ich mir ein Eigenthum schaffe" Besprechungen also fordert der Prophet von den 'n von allen denen, die wirklich etwas thun wollen, Besprechungen alles Guten, dessen Verwirklichung schwierig ist, und zwar um so melr, je weniger die Gegenwart Aussicht zur Realisirung der Wünsche bietet, ja, je größer die Schwierigkeiten sind, welche die Zeit der Verwirklichung entgegenftellt. Und da komme denn Niemand mit den trivialen Schabloneu: WaS kann, was soll man thun? Reden soll man zuallererst, sich gegenseitig besprechen; und das kann doch Jeder, der nur eben will. DaS Wort, das bloße Wort ist ja auch schon eine That, und daS will uns vielleicht unsere heilige sinnige Sprache andeuten, die für Wort und That eine Bezeichnung — “oi — hat. Sind die Zeiten günstig, kann man für das Gute wirken, dann mag die Zunge schweigen, dann giltS für bas Gute mit Thaten einzustehen. Wo Thaten rufen, da mag die Rede feiern. Wo aber die Hände gebunden sind, da sind Reden Thaten, da gehe man zusammen und denke und überlege und spreche, Gott hört'- und merkt's und verzeichnet es. Ueber die nähern Modalitäten dieser Besprechungen ein anderes mal Dürkheim a. SK., 11. Dec. Am 3. d. M. (ns'i "v "p raff) wurde unsere hiesige Gemeinde durch eine erschütternde Trauerkunde in dte schmerzlichste Aufregung versetzt. Die allverehrte Gattin unseres würdigen Seelsorgers, das Herrn BezirkS-Rabb. vr. Salvendi, wurde schon wenige Tage nachher, als ihr das Glück der Mutterfreuden zum zweiten Mal zu Theil werden sollte, ihrem Gatten in dem jugendlichen Atter von 27 Jahren, nachdem eS ihr leider nur etwas über 4 Jahre vergönnt sein sollte, an der Seite ihres in unendlicher Liebe ihr zugethanen Gatten eines seltenen ehelichen Glücks sich zu erfreuen, plötzlich entriffen. Herr Rabbiner vr. Stein in Worms, vom hiesigen Synagogenvorstande mit Abhaltung der Leichenrede bettaut, lieh in einem tiefempfundenen, wannen Nachrufe, worin er die seltenen Tugendm und Vorzüge der Verblichenen schilderte, der schmerzlichen Stimmung

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