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Der Israelit · 1870-12-21 · Heft 51 (21.12.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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942 ihnen edirten „Jüdischen Presse" als Beiblatt eine hebräisch-kiterarssche Zeitung .unter dem Titel ->bi& pnr (bar*4r«ie Zionswächta^ erscheinen lassen. Herr Dr. Gustav KarpeleS ist aus der Redaction des genannten Blattes schon vor längerer Heit ausgeschieden. DaS Organ der Congreßpartei in Ungarn: „Jzraelita Közlöny" geht mit Ende dieses Jahres ein; statt seiner werden die beiden Israel. (Reform-) Prediger zu Pest, Herr Dr. M. Kayserling und Herr Di. S. Ko hu eine Zeitung unter dem Titel „Ungarisch-jüdische Wochenschrift", welche die sogenannte gemäßigte Reform vertreten soll, ediren. .Wenn Herr Vr. K. bei der Redaetion des neuen Blattes ebenso wie mit dem von ihm in der Schweiz (unter fremder Firma) edirten Blättchen „Hanescher" verfahren wird, so wird die „Ungarisch - jüvische Wochenschrift" der Wiener „Neuzeit" würdig (?) Concurrenz machen. In S. Francisco (Californien) erscheint seit einiger Zeit eine illustrirte jüdische Zeitung unter dem Titel „The voiee of Israel“. JeitungSnaehrithten nnd Eorrefpondenzeu. Deutschland. Mainz, 1ö. Deeember. Die „Mainzer Zeitung" Vom 14. Dec. brachte einen Artikel, welcher den Patriotismus deutscher Juden verdächtigte. Wir haben dagegen den nachstehenden Artikel im „Mainzer Anzeiger" veröffentlicht: „Die Nr. 291 der „Mzr. Ztg." enthält einen Leitartikel, welcher „viele Juden" französischer Sympathien und des Mangels an deutscher Vaterlandsliebe beschuldigt. Wir müssen diese Insinuation als ebenso gehassiig wie unwahr zurückweisen. In diesem für Deutschland so glorreichen Kriege ist der Boden Frankreichs mit Strömen Bluts geröthet worden, von dmr ein großer Theil auch aus den Adern der in den deutschen Heeren gefallenen und verwundeten Jsraeliten geflossen — und an den Werken der Mildthätigkeit, die da bestrebt sind,, die U?bel des Krieges zu mildern, haben die Israeliten überall im deutschen Vaterland den hervorragendsten Antheil genommen. Ist es solchen Thatfachen gegenüber gerecht und billig, „vielen Juden" die Vaterlandsliebe abzusprechen? Es gibt wohl kaum eine jüdische Familie in Deutschland, die nicht einen Sohn oder sonst einen nahen Verwandten im deutschen Heere hat, und da sollten die Väter oder Brüder deutscher Soldaten dem LandeSfetnd den Meg wünscht»? Der in Rßde stehende Artikel behauptet, daß „diese Jüdin" als Grund ihrer französischen Sympathien angeben, sie verdankten ihre Emancipation und ihre Bürgerrechte den Franzosen und der Revolution. Wenn eS wirklich solche Männer gibt, denen der confesfionelle PartikulariSmuS über das heiligste, edelste Gefühl, über die Vaterlandsliebe geht, fo gehören sie unter den Juden gewiß zu den allerseltensten Ausnahmen. Als im Jahre 1813 sich das deutsche Volk gegeri die Fremdherrschaft erhob, da zogen Tausende jüdischer Jünglinge freiwillig mit in den heiligen Kampf, trotzdem der Unterdrücker des deutschen Volkes ihnen ein Befreier von unerträglichem Druck geworden war, ein Druck, der nach den „Freiheitskriegen" wiederum mit Centnerlast auf die Angehörigen der jüdischen Religion gelegt wurde. Der Behauptung gegenüber, daß die französisch-gesinnten deutschen Juden ihr Vaterland da suchen, wo im grauen Alterthum ihre Glaubenssätze entstanden sind, wollen wir nur einfach bemerken, daß einer dieser Glaubenssätze den Israeliten die Liebe zu dem Lande befiehlt, in welchem sie wohnen, wo ste den Schutz der Gesetze genießen, und es zur religiösen Pflicht macht, das Wohl bi es es Landes thatig und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Daß die Juden in Deuschland gar manche wohlberechtigte und leider noch unerfüllte Wünsche haben, weiß der Verfasser des in Rede stehenden Artikels so gut wie der Schreiber dieser Zeilen; der Wermuthstropfen, welcher dadurch in den Kelch unseres socialen und staatlichen Lebens fällt, mag wohl manchen Israeliten verbittern und hier und da zu einem unüberlegten Worte hinreißen. Die Liebe der deutschen Juden aber zum deutschen Vaterlande hat sich noch allezeit durch Thaten bewährt und wird sich auch ferner bewähren, wenn auch der Verfasser des mehrfach erwähnten Artikels meint, das deutsche Volk könne die Liebe der Juden entbehren; eher noch, meinen wir, könnte das deutsche Volk die Liebe solcher Patrioten entbehren, die sich nicht scheuen, die vielen stets opferbereiten und für das Wohl des deutschen Vaterlandes thätig wirkenden Deutschen jüdischer Religion zu verdächtigen oder doch zu verletzen. Dr. Lehmann." Aus dem Odenwalde. (YDI. Theil.) Nachdem wir den Zustand unserer jüd. Angelegenheiten nach unseren schwachen Kräiten geschildert und die Ursachen desselben nachgewiesen haben, kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Endzweck dieser Zeilen, die Mittel und Wege nämlich anzugeben, die unseres Dafürhaltens eine Verbesserung unserer verkümmerten religiösen Lage herbeizuführen geeignet sind. Man gestatte uns jedoch zuvor einige Bemerkungen, um dasjenige kurz zusammen zu fassen, was wir in einer längeren Reihe von Artikeln bereits ausführlich dar-

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