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Der Israelit · 1870-12-21 · Heft 51 (21.12.1870) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 51 (21.12.1870)
Date
1870-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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938 Gießen zu hören. Herr vr. Christ bestreitet der Administration das Recht, kurzer Hand die Neubürger aufzunehmen und die Israeliten zu übergehen. Nach e^olgtem Schluß der Debatte wurde bei namentlicher Abstimmung der Antrag der Majorität mit 17 gegen 14 Stimmen angenommen. Frarrkftrrt <t. Dt., 15. Dec. Zu den mitgetheilten Verhandlungen der Stadtverordneten veröffentlicht das „Frankfurter Journal" die nachstehenden Bemerkungen: »Wenngleich die Angelegenheit in Beireff des vr. Senckenberg'schcn Hospitals in der Sladtverordnetensitzung vom Dienstag bereits entschieden ist, so können wir dennoch nicht unterlassen, den Vortrag des Stadtverordneten Herrn vr. Siebert einer Berichtigung zu unterziehen, um so mehr, als dies be- ' bäuerlicher Weise von Seiten derjenigen Herren Stadtverordneten, deren Aufgabe cs gewesen wäre, unterblieben ist. Herr vr. Siebert beschuldigt die israelitische Gemeinde, daß dieiklbe. indem sie „ihr Spital allein ihren Gemeindeangehörigen vorbehält," verlange, „daß an dem christlichen HeSpital Alle gleichberechtigt werden." Wenn wir uns auch bei dieser Gelegenheit von der Erinnerung an das Sprüchwort nicht lotmachen können: „Man sucht keinen hinter dem Ösen, man war denn selbst dahinter," so wollen wir diese Anschuldigung dennoch hingehen lassen, weil dieselbe aus ganz irrigen Voraussetzungen beruht; daß aber Herr Dr. Siebert sein Terrain nicht besser untersucht hat, bevor er die Batterie jener Beschuldigungen gegen die israelitische Gemeinde hat spielen lassen, das ist es, was wir dem Herrn vr. Siebert nicht wohl verzeihen können. Herr vr. Siebert spricht es gelassen aus: die israelitische Gemeinde besitze auch ein sehr reiches Hospital re. Hiernach dürfen wir voraus setzen, daß Herr vr. Siebert unter Hospital das der Krankenpstege für Israeliten gewidmete Gebäude, Rechneigrabenstraße Nr. 18 und 20, gemeint hat; um nun chn und vielleicht noch viele Andere aufzuklären, sei hiermit bemerkt, daß dieses Haus, ein Gesch-nk der Freiherrlich v. Rothschildffchen Familie, nunmehr Eigenthum zweier Vereine ist, der israelitischen Männer¬ und der israelitischen Frauenkrankenkaffe, welche nur die satzungsmäßige Verpflegung und Unterstützung ihrer erkrankten contribuirenden Mitglieder zum Zwecke haben; diese Anstalten daher sehr mit Unrecht von Herrn vr. Siebert als ein Hospital der israelitischen Gemeinde bezeichnet worden sind, auch daß es der israelitischen Gemeinde, deren Vorstand mit der Verwaltung jener Privatanftalten gar nichts zu schaffen hat, nimmermehr beikommen kann, einen städtischen Zuschuß hierzu zu verlangen. Sollte ab r Herr vr. Siebert unter dem „reichen Hospital", welches die israelitische Gemeinde besitze, jenes Haus Judenmauer 2 verstehen, in welchem unter ansehnlichem Zuschuß aus der Kasse der israelitischen Gemeinde Mische Dienstboten israelischer Gemeindeglieder in Erkrankungsfällen verpflegt werden, so wird dies um so mehr aufrecht erhalten werden müssen, je weniger Hoffnung vorhanden ist, daß das Pflegeamt des Hospitals zum Heil. Geist, welches zur Stunde noch christliche Dienstboten jüdischer Dienst Herrschaften nicht wie christlich-; Dienstboten christlicher Dienstherrschaften gratis verpflegt, sondern die jüdischen Dienstherrschaften zu einer Vergütung anhält, von dem Gefühl für Parität durchdrungen werde, für welches sich Herr Vr. Siebert in seinem Vortrage so begeistert ausgesprochen hat. E. TJ. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. V rbo, 4. Dec. Der heutige Tag ist für unsere Gemeinde ein traurig denkwürdiger geworden. Unser allgemein geliebter und hochgeachteter Oberrabbiner Herr Herrmann Mannheimer, dem seine bedeutende Gelehrsamkeit die größte Hochachtung auch in den weitesten Kreisen erworben, hat, einer Vokation der Ungvarer Gemeinde folgend, unsere Gemeinde heute verlassen. Es wäre Jllussion, wollte ich die Bewegung der Gemüther, wie man in allen Phasen der israelitischen Bevölkerung-, beobachten kann, schildern. War schon Samstag bei der Abschiedsrede des Rabbiners eine große Trauer wahrnehmbar, so steigerte sie sich mit dem Nahen der Abschiedsstunde. Von den umliegenden Gemeinden waren die hervorragendsten Mitglieder schon in der Nacht ^eingetr offen, um dem Rabbiner ein würdiges Geleite zu geben. Früh Morgens war die geräumige Wohnung schon zum Erdrücken voll, und es blieb kein Auge trocken', als er das Abschiedswvrt an die Versammsung richtete. Auf der Straße erwartete die Schuljugend, mit den Lehrern an der Spitze, den ehrwürdigen unvergeßlichen Director, um ihm ein herzliches Lebewohl zu sagen. Verlor die Gemeinde einen Seelsorger, der in seiner Weisheit, Friedensliebe und Charactergröße unersetzlich ist, so ist der Verlust, den die hiesige israelitische Volksschule erleidet, n'cht minder groß. Sie verliert an Herrn Rabbiner Mannheimer einen für ihr Wohl und Gedeihen eifrigft thätigen Director, unter dessen Oberaufsicht sie zur schönsten Blüthe gelangte. Ein nicht minder herber Verlust, ist die Abreise des Hrn. Bineth, Schwiegersohn des Herrn Rabbinen, der bisher mit großer Energie und Aufopferung in der Schulcommissinn thätig war, und nun seinen Schwiegervater zu seinem neuen Wirkungskreis begleitet. (Das trd. Judth.)

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