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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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936 rnentin dem Grafen Biörnson die Forderung des Herrn von Wolfseck; sie wurde angenommen; Ort und Zeit wurden verabredet. Das Rencontre sollte am folgenden Morgen früh in einem Gehölze in der Nähe der Residenz stattfinden. Wolfseck verbrachte eine furchtbare Nacht. Bestünmungen hatte er nicht mehr zu treffen; Aurora war bereits Eigentümerin seines Vermögens; Auguste aber und seine Kinder haßte er mehr als je; sie trugen die Schuld, so redete er sich ein, daß er in eine solche Lage gekommen; hätten sie sich seinem Willen gefügt, es wäre ihm ja nie eingefallen, sich scheiden zu lassen und noch einmal zu heirathen. Es war ein heiterer, kalter Wintermorgen, als sich die beiden Duellanten mit ihrem Arzte und ihren Sekundanten am Orte des Stelldicheins einfanden. „Herr von WolfSeck," fragte Graf Biörnfen, „bestehen Sie darauf, sich mit mir schießen zu wollen?" „Ach bestehe darauf!" entgegnete Wolfseck finster. „Geben Sie Acht," sagte der Graf, „sehen Sie den Eiszapfen, der von jener riesigen Tanne niederhängt?" In demselben Momente erhob er seinen Revolver und der Eiszapfen fiel von des Grafen Kugel getroffen zu Boden. „Ich denke," sagte der Graf stolz, „das hat Sie davon überzeugt, daß ich Sie niederschießen werde, wenn Sie bei Ihrem Entschlüsse beharren. Aber, was soll es mir? Ich müßte von hier entfliehen und dem Franzosen, dem d'Argenteil, das Feld räumen." „Herr," rief Wolfseck erzürnt, „häufen Sie nicht Beleidigung auf Beleidigung! Lassen Sie uns zum Ziele kommen." „Ja, ich werde zum Ziele kommen," schrie der Graf. „Meinst Du, elender Jude, ich, Graf Hendrik Biörnfen, werde Dir die Ehre anthun, mich mit Dir zu duelliren?" „Herr Graf," rief Herr von Flamentin, Wolfseck*s Secundant, „mäßigen Sie sich. Wenn Sie sich dicht duelliren wollen, warum sind Sie hierher gekommen?" „Um dem Juden," sagte der Graf lachend, „die Sicherheit meines Schusses zu zeigen, um ihn auf den Knien für sein Leben flehen zu lassen, um nachher in Gemeinschaft mit einer gewissen Dame ihn desto bester verhöhnen zu können." „Schweigen Sie, Elender," rief Wolfseck empört, „nehmen Sie Ihren Platz ein oder ich schieße Sie nieder!" „Was, Jude, Du wagst mir zu drohen?" schrie wüthend der Graf, und ehe es die Secundanten hindern konnten, sprang er auf Wolfseck zu, warf seinen Revolver zur Erde, nahm die Reitpeitsche, die er bisher in der linken Hand gehalten hatte in die rechte und hieb wüthend auf Wolfseck los. „So." rief er, „so tractirt ein Graf Biörnson einen Juden!" Die Secundanten wollten den Wüthenden zurückreißen; ehe sie ihn jedoch zu fassen vermochten, trat Welfseck einen Schritt zurück und drückte seinen Revolver ab. Die Kugel drang dem Gräfin in'S Herz, der lautlos niedersank. (Forts, folgt.) Kriegsbitder. Mitlheilungen eines preußischen Husaren. Rogent le Rotrou. Du schreibst mir, lieber Bruder, ich soll Dir zuweilen Mittheilungen machen, für die sich die Leser des „Israelit" interessiren könnten , damit Du solche der verehrlichen Redaction einsendest. Ich muß offen gestehen, daß ich, so gerne ich Deinem Wunsche willfahre, doch dadurch einigermaßen in Verlegenheit komme, was gerade sonst nicht zu meinen schwachen Seiten gehört. Ich habe Frankreich von Weißenburg bis Villineuvs 8t. Oeorges, also von seiner äußersten Ostgrenze bis unter die Kanonen seiner Metropole durchritten, war Zeuge der Capitulation von Sedan und reite jetzt an der Loire Ordonnanz, bin aber wäbrend der vier Monate dieses Feldzuges so wenig mit Jehudim zusammen gekommen, daß ich ganz weit zurückgreifen muß, wenn ich Dir doch etwas Miterlebtes erzählen soll. Es war am 3*o 'o, an dem die blutige Schlacht bei Wörth geschlagen wurde. Man wird müde, sage ich Dir, wenn man von Morgens früh 3 Uhr bis in die Nacht hinein einen Vierjährigen reitet, wenn man sich dabei auch noch mit französischen Kürassieren, den riesigen Söhnen der Normandie, herumhauen muß. Ist Alles vorüber, verstummt nach und nach der Geschützdonner, das Geknatter der Gewehre und Mitrailleusen in der Ferne, da heißt es schon wieder: Vorwärts, Husaren! Hinter den Rothhosen hergefegt, seht zu, ob nichts zu fangen ist! Dort drüben am fernen Horizont ist eine französische Batterie im Ausreißen begriffen, die muß noch herhalten. In wenigen Minuten haben wir sie eingeholt; unsere flinken Rosse sind noch besser zu Fuß als die steifen, hochbeinigen Gäule da drüben. Ob sie sich auch noch so tüchtig wehren, die Franzosen, sie sind auf der Flucht und unseren Säbeln erliegen die braven Kanoniere bei ihren Geschützen rmwo ’nroo lnaia tyi. Zufrieden mit unserem Tagewerk, kehrten wir jubelnd mit dem erbeuteten Geschütze in unser Bivouak zurück. — Da fällt mir doch ein, mich einmal in Wörth nach etwaigen, bedrängten Glaubensgenossen

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