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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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924 viel gewonnen werden. Hauptgewicht wird auf die biblische Geschichte gelegt, die Sittenlehre wird gelegentlich angeknüpst; die Textstellen werden aus dem Zusammenhänge gerissen und das Leichteste herausgesucht; auf Grammatik wird wenig Sorgfalt verwendet. So ist es kein Wunder, daß dieser Relgionsunlerricht in den Augen der Eltern wenig Werth besitzt, und sobald dieser Gegenstand in dm Schulen nicht mehr obligat wäre, so wäre vorauszusehen, daß die meisten Kinder im Hebräischen gar keinen oder nur sehr geringen Unterricht genießen würden; nur wenige religiöse Eltern werden durch Privat-Lectionen für dieses Fach Sorge tragen. Mögen diese traurigen Zustande sich bald zum Guten ändern. Frankreich. Vitry le Francois, im Dezember. Einer Ihrer Correspondenten brachte kürzlich eine Notiz über die hiesige Stadt, die er mit dem no*i "mna in Verbindung brachte. Diese Notiz ist wohl im Ganzen richtig, da die hiesige ^tadt an Stelle des alten Vitry (Vitry en Perthois oder Vitry le brüle) von König Franz I., dem es seinen Namen le Francois verdankt, erbaut wurde. Das alte Vitry ist gegenwärtig ein Dorf, eine Viertelstunde von hier entfernt, von ungefähr 800 Einwohnern. Man trifft dort auf freiem Felde noch alte nosd, deren Inschriften jedoch nicht mehr zu lesen sind. Ungefähr zwölf Stunden von hier ist Troyes, die Geburtsstätte Raschi's; das Andenken dieses großen Mannes ist nur noch durch die Ruine eines Schlachthauses erhalten, von welchen! die Sage geht, daß y'y": i"an non daselbst nie eine Fliege ist gesehen worden (cmoan noa an: rwoj *6). Auf der hiesigen Mairie (Bürgermeisterei) befindet sich die Stadtbibliothek, wo man viele jüdische Alterthümer, alte Manuscripte, Steine mit hebräischen Buchstaben, D"n »sy von einer min nso, reich mit Silber verziert, ein in Silber gebundenes tt'Din, und dergleichen mehr antrifft. Es wäre schon der Mühe werth, daß ein jüdischer Gelehrter hierherkomme, um alle diese Dinge zu sehen. Vielleicht ergäbe es eine Ausbeute für die jüdische Alterthums-Wissenschast. Amerika. New-Bork. Auf Veranlassung des Herrn Simon Wolf hat Präs. Grant einem Israeliten das Amt eines Indian-Agent (Regierungs-Commissairs für die Indianer) gegeben. Der' Präsident glaubte, daß in diesem Departement nur solche Serien repräsentirt sein sollten, welche Missions-Gesellschaften besitzen, die Juden aber wären kein proselytenmachendes Volk. Aber gerade darin hat Wolf Recht und der Präsident Unrecht. Die Streitigkeiten mit den Rothhäuten sind wohl oft durch fromme evangelische Commissaire herbeigeführt worben, welche die Seelen retten wollten und die elenden Leiber sich selbst überließen. Ein gewissenhafter Agent jüdischen Glaubens wird sich streng an den Buchstaben seiner Amtspflichten halten und nicht zugeben, duß die „armen Indianer" gegen ihren Willen in eine religiöse Gesellschaft gedrängt werden. (Iew. Mess.) Feuilleton. Säen und ßrnten. XXVII. Das Duell. Ein halbes Jahr war verfloffen. Naphtali und Wilhelmine fühlten sich so glücklich, wie mir irgendwie zwei Menschen auf Erden, deren behagliche Häuslichkeit auf gegenseitige Achtung und Liebe, auf wahrhafte Gottesfurcht und ernste Pflichterfüllung gegründet ist, sich glücklich fühlen können. Frau Wolfsohn, die bei ihrer Tochter geblieben war, lernte hier all die vielen Leiden und Prüfungen, die ihr Leben früher verbittert hatten, vergeflen Auguste, die vor der Zeit alt geworden war, leite förmlich wieder auf und verjüngte sich zusehends. Simon und Leah Rahdorf waren vergnügt im Glück ihrer Kinder. Moritz war mit seinen Pflegeltern nach London zurückgekehrt. Herr Löwenhaupt, der sich niemals in England recht acclimatisirt hatte, wollte sein Geschäft aufgeben und nach B. überfiedeln. Herr Löwenhaupt hatte die englische Sprache nie so recht erlernen können, und das war ihm höchst unangenehm. Er. ein gebildeter Mann, der in seiner Jugend etwas Tüchtiges gelernt hatte, mußte sich geniren, öffentlich zu red?n, da ihm immerwährend Germanismen in Aussprache und Grammatik entschlüpften. Wenn er im Feuer der Rede: „You have right“ sagte, so konnte ihn das spöttische Lache'n der Zuhörer zur Verzweiflung treiben, um so mehr, da eS in der Regel anglistrte Deutsche waren, die ihn verhöhnten. Der wirkliche Engländer ist nachsichtig gegen den Fremden, dem eS schwer wird, sich daö Englische anzueignen; aber der anglisirte Deutsche setzt seinen Stolz darein, das Vaterland zu verleugnen; er ist's, der seinem Landsmanne Fehler in Ansprache, Syntax, Grammatik und Wortstellung nicht verzeiht. Dazu kam noch, daß Herr Löwenhaupt sich nie ganz an die englischen Sitten gewöhnen konnte, und wenn feine Frau dieselben mtt dem Sprichworte „Ländlich, sittlich" rechtfertigen wollte, so pflegte er zu sagen: „Nein, ländlich—schändlich." Als Herr Löwenhaupt nun wieder einige Monate in Deutschland zubrachte, gefiel es ihm in der alten Heimath so gut, daß er beschloß, sein Geschäft aufzu-

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