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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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923 denselben einen fatschen Sinn unterschiebt. Man muß ein ganz eigenes optisches Instrument aussetzen, um in meinen Worten das lesen zu können, was der ff'dr ntn* zwischen meinen Zeilen herausliest. Hätte ich für die iörael. Bürgersckule mit jener Darlegung Propaganda machen wollen so hätte ich es direct gesagt, um so eher, als durch den Gegensatz letztere Anstalt desto mehr hätte hervorgehoben werden können. Es kömmt mir aber gar nicht in den Sinn, hinsichtlich religiöser Anforderungen oder Leistungen beide Anstalten mit einander zu vergleichen sa Wer könnte demnach in meinen ersten Worten, betreffend den Religionsunterricht an der Handelsschule, einen Vorwurf gegen die jüdischen Herren Lehrer an dieser Anstalt finden! Es sollte das Publikum aufmerksam gemacht werden auf den geringen Unterricht in jüdischer Religion, daß diejenigen, welche meinen, mit dem Besuche der hiesigen Handelsschule sei auch für die religiöse Erziehung der Kinder gesorgt , über ihren Zrrthum aufgeklärt werden. Wer auf eine einigermaßen religiöse Bildung seiner Kinder sieht, kann sich doch unmöglich dabei zufrieden geben, daß sein Sohn vom 12. bis 15. Lebensjahre eigentlichen jüdischen Religionsunterricht außer der systematischen Religionslehre und biblischer resp. jüdischer Geschichte nicht hat. Die andere Seite meines Bedauerns involvirt allerdings einen Tadel gegen die Herren Lehrer. Wohl weiß Jeder mit mir, daß es nicht vollkommen in der Macht derselben liegt und daß es auch als Lehrer an einer königl. Schule ihre Pflicht nicht ist, das Schreiben am niw zu verhindern. Aber daß sie als jüdische Lehrer (und Juden beanspruchen sie doch noch zu sein) die Pflicht hätten, ihren Schülern die Heilighaltung des raff ein w.nig vorzuhalten, wird mir wohl Niemand bestreiten. Oder sollten sie es nicht wissen, daß unter den jüdischen Schülern der Anstalt mehr als die Hälfte am raff schreibt? Manche sind unter diesen, bei denen nur die Verführung und das böse Beispiel der Umgebung die Schuld davon trägt, und ein ermuthigendes oder ermahnendes Wort des Lehrers könnte sie von der Sünde abhalten. Ich glaube demnach, daß mein Bedauern „indidirect werde von Seiten der Lehrer dem raff t>i^n Vorschub geleistet" vollkommen berechtigt ist, denn tt'Di rwmro np’pff. (Das „Nichtentgegenwirken" ist noch kein Vorschub, auch nicht ein indirecter. Es sollte uns jedoch freuen, wenn die Herren Silberschmidt und Ebert durch die in diesen Blättern angeführten Thatsachen veranlaßt würden, dem raff der Schüler direct durch liebevolle und ernste Mahnung — dazu haben sie doch jedenfalls das Recht — entgegenzuwirken. — Red.) »PEN. Rodenberg. 27. November. Folgende Israeliten aus der Provinz Westphasen sind während des gegenwärtigen Krieges wegen bewährter Tapferkeit decorirt worden: Herr Ursel aus L>oest, Herr Rosenthal aus Gesecke und Herr Nußbaum aus Salzkotten. Den Heldentod für's geliebte Vaterland sind gestorben : Julius Stern aus Hovenstadt, Ruhstadt aus Alme, Gumpel aus Hardt und Rosenthal aus Freinohl. n"3'W'p. I. Oppenheimer, Lehrer. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. 8. 6l. Wien. Wie Sie bereits aus den polit. Tagesblättern ersehen haben werden, wurde vom hiesigen Cultus'Vorstande ein besonderer Gottesdienst für die studirende Jugend am Sabbat-Nachmittag eingerichtet, wo zugleich die Erwachsenen das Minchagebet verrichten können. Beim Ausheben der Thora recitirt Herr Cantor Sulzer das 'kiem yoff, wie bei p)DiD, und das y"ff wird nicht wiederholt. Zu rmnn pd-o werden drei der älteren Studirenden vorgerufen, die gewiß selten zu einer derartigen mso Gelegenheit fanden, da sie sonst wenig die Synagoge besuchen. Predigten werden abwechselnd gehalten von den beiden Predigern; es sollten anfangs einzelne RabbinatScandidaten Ansprachen halten zur homiletischen Uebung, doch unterblieb dieses, vermuthlich weil man der Kanzel nicht den Nimbus nehmen wollte. Pf. 19 u. 121 werden nach der Rede in deutscher Sprache gesungen. Viele hegen die Besorgnis,, daß diese Einführung eine Vorstufe zum deutschen Gottesdienst sei, und baß allmählich eine gänzliche Reform im Cultuswesen hervortreten würde; doch bezweifle ich sehr, ob Herr Rabb. Dr. Güdemann damit einvestanden sein dürste. Am Communal-Real-Gymnasium in der Leopoldstadt bilden die Israeliten die Majorität in fast allen Claffen und es ist daher nur recht und billig, wenn daselbst für sie der Religionsunterricht ertheilt wird, waS feit diesem Jahre geschieht. Freilich konnte man sich nicht so weil emporschwingen, daß man nach der Idee der Gleichberechtigung auch aus den Lehrmitteln der Anstalt den ReligivnSlehrer besoldet. Das überläßt man der Gemeinde, obwohl die jüd. Schüler das größte Contingent zum Schulgelde beilegen. Durch erwähnte Einrichtung, daß die Israeliten gleichzeitig mit den christl. Studenten in besonderen Localen, gewöhnlich in „Eckstunden", Religionsunterricht erhalten, wird manchem Uebelstande abgeholfen, indem früher die Meisten Privatprüfung ablegten, wo sie leichter den Examinator täuschen konnten; jetzt aber müssen sie doch mehr lernen, da eine strenge Censur ist, und der Wunsch, eine gute Note zu erhalten, regt den Eifer an; denn um der Sache selbst willen lernen nur die Wenigsten. Auch sind die Anforderungen keine allzuhohen, denn in 2 Stunden wöchentlich kann nicht

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