Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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922 femtefteit hinanreicht. Es i}'t die unermüdliche Thätigkeit des ehrwürdigen Directors, feine aufopferungsvolle Hingebung, welche alljährlich die großen, erforderlichen Mittel beschafft. Möge der allgütige Gott ihm ferner Kraft und Ausdauer verleihen. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, auf die hohe Wichtigkeit der in Rede stehenden Anstalt aufmerksam zu machen, welche die Gemeinden nrit tüchtigen, von ihrem Rufe begeisterter: Lehrern versorgt und dadurch uilendlich viel für die Zukunft des Judenthums leistet. Mögen ihr auch ferner die Mittel reichlich zustießen, damit sie einer immer größeren Ausdehnung und Vollendung entgegengehe. Zeitungsnachrichten und Correspon denzen. Deutschland. Mainz, 8. Dezember. Wir haben in voriger Nummer einen giftigen Artikel des „Globus" gegen die Juden in Elsaß bekämpft. Die uns heute vorliegende No. 16 derselben Zeitschrift (No. 16 des XVIII. Bandes) veröffentlicht einen noch viel grauenhafteren Artikel gegen die Juden in Rußland. Da hat ein getaufter Jude, Namens Braphmann aus Wilna, ein Werk über seine ehemaligen Glaubensgenossen geschrieben, das als echtes Apostaten-Machwerk die entsetzlichsten Verläumdungen enthält, und der „Globus" beeilt sich, Auszüge daraus zu veröffentlichen und diese so darzuftellen, wie wenn sie nur lautere Wahrheiten enthielten. „Herr Braphmann." sagt der „Globus", „hat sich zwar „schmadden" lassen, ist aber darum kein „Rosche" geworden." Daß Herr B. durch die Taufe kein „Rosche" geworden, glauben wir gerne, daß er aber immer cir: solcher gewesen, steht außer allem Zweifel, denn sonst könnte er nicht so entsetzliche, verleumderische Unwahrheiten gegen die Israeliten Rußlands Vorbringen. Geben wir zum Erstaunen unserer Leser, die doch Juden und Judenthum kennen, hier einige dieser abscheulichen Verläumdungen wieder: „Der Kagal (soll wohl heißen Kahal, d.i.die Gemeinde)" sagt Herr, Braphmann, „beansprucht die Gewalt über alle Juden, welche im Bezirke wohnen; Nichtjuden in demselben werden als Eindringlinge angesehen, durch welche die Rechte des auserwählten Volkes beeinträchtigt werden. Neuen Ankömmlingen gewährt oder verkauft er das Recht, im Bezirke zu leben; ein Jude aus einem andern Bezirke würde nicht leben und sich nicht ernähren können, wenn er nicht die erforderliche Erlaubnis hätte. Dem Talmud zufolge ist das Eigenthum aller Nichtjuden eine freie Wildniß, oder, wie Rabbi Joseph Kulnu (?) sich ausdrückt, „eine Art von freiem See," in welchem nur derjenige Hebräer Netze auswerfcn darf, welcher vom Kagal Erlaubniß dazu bekommen hat. (I!) Das Eigenthum von Nichthe- | bräern wird als allgemeines Eigenthum der Commune betrachtet; der Kagal verkauft das Recht zur Besitznahme dieses Eigenthums an Juden, stellt sogar Documente über solchen Verkauf aus und quittirt über das enwfanaene Geld (!!) Noch mehr. Der Kagal verkauft an den oder jenen Juden das Recht, andere Individuen auszubeuten, an solche Geld zu verleihen und eventuell das Ergenthum derselben in $8efi$ zu nehmen; nur wer solch ein Recht erkauft hat, darf ein beliebiges, ihm angewiesenes Jndividuunr ausbeuten; andere Juden dürfen ihm nicht das Recht kränken; er hat das Monopol." Wir haben in den jüngftberflossenen Jahren uns biel mit den russischen Israeliten beschäftigt. Unsere Leser werden sich erinnern, wie sehr wir bemüht waren, die unter denselben ausgebrochene Hungersnoth zu lindern. Wir haben zugleich uns über die socialen und sittliche:: Zustände der russischen Israeliten zu informiren gesucht. Wir haben im Jahre 1869 der unter dem Vorsitze Eremieux's in Berlin stattgehabten Generalversammlung der Alliance Isr. Universelle ungewohnt, die sich speziell mit den russischen Glaubensgenossen beschäftigte. Wir haben dort die Vorträge aus Rußland stammender Israeliten gehört, die sich in mancherlei Anklagen gegen die russischen Juden ergingen und haben darüber in diesen Blättern berichtet; aber von derlei wahnwitzigen Dingen, wie sie Herr Braphmann auftischt und wie sie der „Globus" mit sichtlichem Behagen reproduzirt, haben wir keine Sylbe vernommen — und wie es eine freche Lüge ist, „daß dem Talmud zufolge das Eigenthum aller Nichtjuden freie Wildniß sei, welche nur d e r Hebräer ausbeuten darf, welcher von: Kagal Erlaubniß dazu bekommen hat", so sind auch all die andern Anklagen des Apostaten Braphmann sicherlich nichts als Lüge und Verläumdung. Daß aber einer deutschen Zeitschrift, welche Anspruch auf wissenschaftlichen Werth macht, jede Gelegenheit willkornmen ist, um gegen die Juden zu Felde zu ziehen, das schmerzt uns tief. Möge die Redaction des „Globus" in ihrem eigenen Interesse künftighin allen auf Unwahrheit beruhenden Gehässigkeiten gegen Juden und Judenthum die Aufnahme versagen; vor urtheilsv olle Darstellungen sind nicht geeignet, „die Länder- und Völkerkunde" zu fördern. Fürth, im Deeember. Ohne mich auf eine eigentliche Entgegnung der in Nummer 47 dieser geschätzten Zeitschrift enthaltenen Correspondenz eines '-N7>' V't<"e:nzulafsen und ohne meine ^en im benannten Elaborat ausgedrückten Ansichten und Rathschlägen entgegenstehenden Auffassungen des Weitern auseinander zu setzen, habe ich es nur mit der Auirechthaltnng und Verteidigung meiner Worte in Nr. 42 zu thun. Ich kann mich um deswillen in eine Polemik mit dem tß«ee nicht einlaffen, weil er in deutlich erkennbar gehässiger Weise (aus welchem Grunde ist mir zu untersuchen zu kleinlich) meine Worte critisirt und dabei