Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Erste Beilage z« Nr. 50 des Israelit. Leitende« Artikel. Die Israel. ^ehrerAitdungsanstatt i« Würzßurg. Der ehrwürdige Director der obengenannten Anstalt, Herr Distr.-Rabbiner Bamberg er, hat den Rechenschaftsbericht für das sechste Jahr des Bestehens derselben ansgegeben. Die in diesem Jahre der Anstalt zugewendeten Unterstützungen sind in erhöhtem Maße erfolgt, lind zwar in der Art, daß ungeachtet die Ausgaben in diesem Jahre nicht unbeträchtlich mehr als jene der früheren Jahre, dieselben dennoch von den Einnahmen nicht blos gedeckt, sondern noch wesentlich überstiegen wurden. Es ist dieses um so erfreulicher, als die ernsten Ereignisse dieses Jahres den Wohlthätigkeitssinn aller gutgesinnten und edlen Menschenfreunde ohnedies in Anspruch nahmen. Was den Unterricht betrifft, so war die Anstalt auch in diesem Jahre bemüht, die ihr gestellte Aufgabe, tüchtige jüdische Lehrer heranzubilden, vollständig zu lösen. Der Unterricht wird nach einem von der hohen kgl. Regierung geprüften und genehmigten Plan ertheilt und zerfällt a) in Religions-Lehrgegenstände, b) in Elementar-Lehrgegenstände. Ad a. Mikro (beim Pentateuch mit dem Commentar Kaschi) Mischna, Talmud, Chaje Odern, Sifre Musor (bei welch Letzteren zugleich Rücksicht auf Anwendung zu Vorträgen beim einstigen praktischen Lehrerberuf genommen wird), hebräische Grammatik und jüdische Geschichte. Ad b war ursprünglich das k. Normativ über die Ausbildung der Schullehrer im Königreich Bayern vom Jahre 1857 maßgebend, demnach wurden dieselben wissenschaftlichen Lehrgegenstände, mit gleichem Gesammtzeitaufwande und nach denselben Lehrbüchern unterrichtet, wie im k. Schullehrer-Seminar daselbst. Nachdem aber mit dem Schuljahre 1869 die Vorschriften des k. Normativs vom Jahre 1866 maßgebend wurden, so wurde auch der Lehrplan der Anstalt in diesem Sinne abgeändert und hiermit in Einklang gebracht. Diese Aenderung machte die Aufgabe der Anstalt ziemlich schwieriger, indem verschiedene Fächer, wie Algebra, Geometrie- Literaturgeschichte und die Geschichte des Erziehungswesens in den Lehrplan ausgenommen werden mußten; aber auch diese Schwierigkeit wurde entsprechend überwunden. | Die Gönner der Anstalt nehmen sicherlich gerne Kenn tu iß von einem ehrenvollen Zeugnisse, das derselben in diesem Jahre zu Theil geworden: die h. königl. Regierung von Ilnterfranken und Aschastenburg, deren hoher Aufsicht die Anstalt unterstellt ist, und höchstwelcher ein kgl. Regierungs-Eommissär über die Ergebnisse des Unterrichts alljährlich nach abgehaltener Prüfung Bericht erstattet, fand nämlich im Laute vorigen Wintersemesters sich bewogen, den neuangeftellten kgl. Scminar-Jnspector Huber mit einer außergewöhnlichen Mission bezüglich der Anstalt zu beauftragen. Der genannte Herr vollzog diesen h. Auftrag in der Weise, daß er, nachdem ihm der Lehr- und Stundenplan abschriftlich mitgetheilt worden war, an verschiedenen Tagen dem Unterrichte in der Anstalt anwohnte, sich von den Leistungen der Zöglinge Kenntniß verschaffte, und über seine Wahrnehmungen der kgl. Regierung ausführlichen Bericht erstattete, von welch Letzterem wir die diesbezügliche Stelle mittheilen, die also lautet: Würzburg, den 1. April 1870. Im Namen Sr. Majestät des Königs. Der Vorstand der isr. Lehrerbildungs-Anstalt erhält anliegend Abschrift eines Berichts der Jnspection des hiesigen Schullehrer-Seminars mit dem Beifügen, daß die k. Regierung aus diesem Berichte mit Vergnügen entnommen habe, daß der Vorstand und die Lehrer der hiesigen isr. Lehrerbildungs-Anstalt sich ihre Berufsaufgabe mit großem Eifer angelegen sein lassen, und daß diese Anstalt sich in einem befriedigenden Zustande befindet 2C. Die meisten Zöglinge der Anstalt erhielten ihre Vorbildung in der, unter Leitung des Herrn Ortsrabbiners Lazarus Ottensoße'r stehenden, Vorbereittmgsschule zu Höchberg, welcher der Rechenschaftsbericht die verdiente Anerkennung zollt. 9 Zöglige erstanden im August dieses Jahres die Austrittsprüfung am kgl. Schullehrer-Seminar dahier, mit theils gutem, theils sehr gutem Erfolge. Durch sie wuchs die Zahl der bereits in der Anstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Lehrer auf 3 1 an. Auch in diesem Jahre erhielten die Zöglinge (21) Unterricht, Wohnung, Beköstigung, Beheizung, Beleuchtung und ärztliche Behandlung unentgeltlich. Neu ausgenommen wurden acht Zöglinge. Die Gesammteinnahmen betrugen im verflossenen Jahre 8102 fl., während die Ausgaben sich nur auf 5659 fl. beliefen, so daß das Vermögen der Anstalt sich auf 17,143 fl. beläuft. Es ist das bis jetzt nur ein kleiner Fond, dessen Ertrag an den großartigen Ausgaben nicht im Ent-