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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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916 Feier, Beschneidung werden verboten, der Altar Gottes wird entweiht, die Jungfrauen sollen geschändet, der griechische Götzendienst soll mit Gewalt eingeführt werden. Da erwacht die Widerstandskraft des Volkes. Tausende von Jungfrauen erleiden lieber den Tod, ehe sie sich der Sünde preisgeben und ihrem Beispiele folgen die Männer und Frauen, die Greise und die Kinder. Und stehe, Gott hilft den Schwachen und rettet ste, und aus der Finsterniß erwächst uns Helles Licht, mw ima, und zum Andenken an jenes Licht leuchten uns jetzt noch die Chanukah-Lichtlein. (Schluß folgt.) Aeitrmgsnochriehten nnd Correspondenzen. Deutschland. Bruchsal, 29. Nov. Seit 5 Monaten ist unser Rabbiner I. Friedberg tobt. In wenigen Wochen wird, wie ich höre, die Wahl eines neuen Rabbinen vor sich gehen. Ehe jedoch zur Wahl geschritten wird, halte ich es für eine heilige Pflicht, die Wähler (d. h. die Bezirksältesten und Synagogenräthe) aus die Wichtigkeit und hohe Tragweite dieses Aktes aufmerksam zu machen. Vor Allem wollen wir aber fragen, wie steht es mit der Religiosität unserer Gemeinde und des Bezirkes? Es liegt in dieser Beziehung Alles im Argen. Als Präger noch hier das Rabbinat verwaltete, begannen die Reformen. In unserer Synagoge wurden wichtige Gebete ausgelassen, die Religionsschule ward fast gar nicht beaufsichtigt und daher kam es soweit, daß Knaben nach zurückgelegtem 14. Jahre kaum einen Vers VOin zu übersetzen verstanden. Da der Rabbiner nur auf sein Religionsbuch Werth legte, ward die min in den Winkel gestellt. Die Gemeindeinstitutionen z. B. die mpa verfielen. Ja es ward so wenig dafür gethan. daß die Gemeinde nicht einmal eine eigene mpo errichtete. Ein Privatmann erhielt ein sogenanntes rnpO in einem feuchten Keller. In den Landgemeinden riß nach und nach die Alles ertödtende Gleichgiltigkeit ein. Präger kam nach Mannheim. Durch die Anstrengungen der besser gesinnten D'ii,T ward Bez.-Rabb. Friedberg aus Mosbach berufen. (1855.) Man Hoffte in ihm den Mann gefunden zu haben, der zur Hebung jüdischen Lebens und Strebend beitragen werde. Man war zu dieser Erwartung umso mehr kberechtigt, weil er ein yi2t> und von durchaus religiöser Gesinnung beseelt war. Leider wurden all' die schönen Hoffnungen zu Wasser. Friedberg war kein Mann der That; er war nicht fähig als Regenerator aufzutreten. In seinem Studierzimmer verblieb er und klagte über den Verfall Israels. Ja es ward die Stagnation unter seiner Verwaltung in Permanenz erklärt. Lehrer und Schochtim thaten, was sie wollten. Es blieb leider — beim Alten! Friedberg ward wegen seiner „Friedensliebe" (!) geachtet. Auch wir können dem Manne als mm p und Mensch unsere Achtung nicht versagen. Friedensliebe schätzen wir so hoch wie irgend Jemand; ste darf aber nicht in Schwäche aus arten. Nach langen 15 Jahren stehen wir nun wieder am Anfänge. Jetzt oder nie! Wir müssen nun uns rasch entscheiden. Einen Mann wollen wir, der auf der Höhe der Zeit stehe, der ein tadelloser Character und was für den Rabbiner die Hauptsache : von ungeheuchelter Frömmigkeit durchdrungen ist. Daß er ein echter mm p sein soll, ist wohl selbstverständlich. Unser Bezirk ist, wenn auch ziemlich lau in religiöser Beziehung, doch noch nicht so verdorben, als ob Nichts zu bessern wäre. Jeder will, daß der Rabbiner fromm sei; einem humanen, ruhigen, ernsten Stteben wird gewiß auch Anerkennung, und was noch mehr bedeutet, Nacheiferung nicht versagt sein. Hüten wir uns, einem Manne unsere Stimme zu geben, der seine Humanität so weit treibt, am Großherzogsgeburtstage ad majorem ducis gloriam in die kath. Kirche zu gehen. Hüten wir uns einem Manne die Stimme zu geben, der um sich recht populär zu machen am rutffn hmo in ein öffentliches Cafv geht. Wir wollen keinen, der nur des lieben Brodes wegen Rabbiner ist. Wir müssen einen Mann haben, der von lauterer Gesinnung und felsenfester Ueberzeugung, Alles nur O'OV thut. Er soll gleichweit von Fanatismus wie von Gleichgiltigkeit entfernt sein. Wir haben auch, so meine ich, nicht weit nach dem Manne unserer Wahl zu suchen. Wir haben ihn unter unseren Augen aufwachsen sehen. Wir haben von dem glänzenden Erfolge seiner Studien gehört und wissen seinen ausgezeichneten Charakter zu schätzen. Bereits hat ihn eine bedeutende Gemeinde des Auslandes annectirt; erobern wir ihn wieder zurück. Berlin, 30. Nov. Der im Monat October in dem Baracken-Lazareth auf dem Kreuzberge seinen Wunden erlegene Unteroffizier Rosenthal vom 4, Infanterie Regiment Nr.. 72, welcher auf dem Kirchhofe hinter der Hafenhaide seiner Zeit feierlich bestattet wurde, wird, da er jüdischer Confession ist, von der hiesigen jüdischen Gemeinde ausgegraben und nach dem Friedhöfe der jüdischen Gemninde, den Ritualgesetzen gemäß, überführt werden. Seitens der höheren Militärbehörde Berlins ist die General-Lazareth- Direction veranlaßt worden, sämmtliche Lazarethe an-

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