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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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915 Wozu alle diese Leiden und Kümmernisse? Sie sind die Mittel in der Hand der gütigwaltenden Vorsehung, um für die höchsten Güter, die Menschen auf Erden erlangen können, vorzubereiten. Israel mußte zum Sclaven erniedrigt werden, mußte Alles verlieren, um gleichsam als ein neugeschaffenes Volk Alles aus der Hand des Höchsten zu empfangen: die Freiheit der Person beim Auszuge aus Egypten und die höchste geistige Freiheit am Fuße des Sinai, nmnn ms “pno, aus der Noth die Freiheit! II. Zur Zeit der Syrerherrschaft brachte uns Gott miN -pno, Licht aus Finsterniß. Wenn wir bedenken, welch unendlich hohe Aufgabe Israel am Sinai zu Theil geworden, so wird es uns nicht Wunder nehmen, daß schwache Menschen dieser Aufgabe nicht zu genügen vermochten. Die nationale Selbstständigkeit ging wieder verloren, Israel mußte in die Verbannung an die Ströme Babels wandern. Als es zurückkehrte, war es arm und gering; aber eine hohe Errungenschaft hatte ihm das siebenzigjährige Galuth gebracht: der Hang zum Götzendienste , so lange Zeit Israels Verderben, war aus seiner Mitte verschwunden. Von nun an und weiter verließ Israel seinen Gott nicht mehr, sondern kämpfte für Ihn und litt für Ihn; und wenn eö Seinen Geboten auch untreu wurde, Ihn selbst hat es nimmermehr verlassen. Aber die Anerkennung Gottes allein genügt nicht. Wenn wir den Herrn des Weltalls als einzigen Gott anerkennen, so müssen wir uns notwendiger Weise den Consequenzen beugen, die aus dieser Anerkennung unmittelbar hervorgehen. Er ist der Herr und wir sind Seine Diener, wir müssen gehorchen Seinen Geboten, müssen leben Seinen Anordnungen gemäß. Als Esra und Nechemja Israel aus der babylonischen Gefangenschaft zurückfuhrten, da thaten sie und die Männer der großen Synode alles Mögliche, um ihr Volk auf den rechten Weg zu lenken; die heidnischen Frauen mußten verlassen werden, der Entweihung des Sabbats wurde ausss Strengste entgegengetreten, zum Studium der Gotteslehre wurde die Menge angehalten. Aber schon nach wenigen Jahrzehnten bereitete sich ein Kampf vor, welcher der schwerste werden sollte, den Israel jemals bestanden. Es gibt eigentlich nur zwei Culturvölker in der Welt: die Juden und die Griechen; denn selbst das Culturleben der modernen Nationen beruht lediglich auf Judenthum und Griechenthum. Was haben die Deutschen z. B. noch mit ihren Altvordern, welche in den germanischen Urwäldern die ^Büffel jagten und Gerstenbrod aßen, gemein? Nichts, nichts! Ihre Wissenschaft, ihre Kunst, ihr gesellschaftliches Leben, ihre staatlichen Einrichtungen sind griechischen, ihre Religion, ihre Sittlichkeitslehren sind jüdischen Ursprungs; ebenso die Franzosen, die Engländer, die Italiener und alle modernen Culturvölker. Judenthum und Griechenthum leben, oft genug unvermittelt, neben einander in ihnen, oft genug treten sie innerhalb des nationalen Lebens gegen einander im heißen Kampfe auf. Als unser Altvater Noach seine Söhne segnete, da verkündete er als Erbtheil Japhet's die Schönheit, als Erbtheils Schemas die Wahrheit. Der Grieche (Jawan) ward der Erbe Japhet's, der Jude der Erbe Schemas. Als Alexander, der Große, das persische Reich zertrümmerte, kehrte der Geist des Griechenthums in Asien ein, die alte asiatische Cultur hinwegblasend, die Völker bezwingend und durchdringend. Der alte, rohe Götzendienst der Chamiten: Baal und Kemosch und Aschtharoth und Moloch rc. war den aus dem Exil zurückgekehrten Israeliten nicht mehr gefährlich, nicht hatten sie von den Chaldäern gelernt, die Gestirne anzubeten — aber der feine, sinnlich-schöne, geistig-durchgebildete Götzendienst der Griechen? Sie ragten hervor, die Griechen, auf Gebieten, welche den alten Völkern des Orients vollständig unbekannt gewesen waren. Die Gebilde ihrer Götter fanden durch den kunstreichen Meißel der Bildhauer die schönste Gestaltung, die Dichter verherrlichten die Mythologie, die Meisterwerke eines Homer, Sophokles, Aeschines verklärten die Götter und Halbgötter, ja, es erwuchs ihnen durch große, gewaltige Denker die Wissenschaft der Wissenschaften, die Philosophie: Pythagoras, Thales, Senates, Plato und vor Allen Aristoteles wurden die Lehrer des Menschengeschlechts. Was aber war im Bunde mit dieser Kunst, dieser dichterischen Verklärung, dieser Wissenschaft? Die furchtbarsten, entsetzlichen Laster, eine sittliche Verkommenheit sonder Gleichen, Hinterlist, Untreue, Lug und Trug. Der griechische Geist erobert und durchdringt Asien; er kömmt auch nach Judäa, er dringt ein mit seiner glänzenden Außenseite, mit seiner sittlichen Fäulniß, mit seiner inneren Lüge. Die Reichen und Vornehmen begrüßen freudvoll den Geist des GriechenthumS, nehmen griechische Sitte und Unsitte an, errichten eine Palästra, um nach griechischer Art zu ringen und zu kämpfen. Immer tiefer reißt die Verderbniß ein; wie lang wird's dauern, so wird auch das Volk verdorben sein! Allmählich wird vergessen die jüdische Sittenreinheit, und verlassen wird Gottes Gebot — da sendet Gott die tiefe Finsterniß des Unglücks zum Heile unseres Volkes. Zu gewaltsam geben die Griechenfreunde vor, zu rasch; sie rufen den Syrerkönig herbei, der Israel seinen Gott auf einmal rauben will. Sabbat-Feier, Neumonds-

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