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Der Israelit · 1870-12-14 · Heft 50 (14.12.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 50 (14.12.1870)
Date
1870-12-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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914 tigte, jüdische Interesse nach Kräften zu vertreten, mag es nun die bürgerliche, politische und sociale Stellung unserer Glaubensgenossen betreffen oder mag es dem Schutze und der Verteidigung unterdrückter Brüder gelten. Um nur ein Beispiel anzukühren, verweisen wir auf den Artikel in Nr. 35: „Der gegenwärtige Krieg und die Juden." Derselbe hat in ganz Europa**) nicht bedeutendes Aufsehen erregt; die bedeutendsten politischen Zeitungen haben ihn abgedruckt, sogar die „Norddeutsche allgemeine Zeitung", das Organ des Grasen Bismark; es sind so unsere Beschwerden und Wünsche bis zu den maßgebendsten Kreisen gedrungen. Große Ereignisse haben wir in jüngster Zeit erlebt; große Ereignisse bereiten sich vor. Deutschland wird den „Traum der Einheit" zur Wahrheit werden sehen. Ein „deutsches Parlament" wird tagen und die verfassungsmäßigen Zustände unseres großen und herrlichen Vaterlandes regeln. An uns wird es sein, auch dem Judenthume, dem wahrhaften Judenthume die staatliche Anerkennung zu verschaffen, die ihm in vielen Dingen noch fehlt. Wir wollen hier nur auf die allgemeine Wehrpflicht verweisen. Unsere Söhne und Brüder werden gezwungen, selbst im Frieden den Sab' bat durch verbotene Verrichtungen zu entweihen, oftmals auch, unjüdische Kost zu genießen. Wohl wird hier und da auf das Verwenden eines oder des andern Rabbinen eine Ausnahme gemacht, aber eine gesetzliche Regelung dieser Verhältnisse existirt — mit Ausnahme von Bayern — in Deutschland nicht. Eine solche aber zu erringen, muß uns eine hochheilige Aufgabe sein. Wir werden unter göttlichem Beistand stets bemüht sein, den wahrhaften Interessen des Judenthums unsere schwachen Kräfte zu jwidmen; durch die thatkräftige Unterstützung all unserer Gesinnungsgenossen werden wir stark sein und das zu leisten vermögen, was für die Zukunft unserer heiligen Religion nothwendig ist. So möge uns der Segen des Höchsten und die Zustimmung unserer theuren Glaubensbrüder begleiten zum neuen Jahrgänge!' **) Es sind uns nicht nur aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands, sondern auch aus England, Amerika, Holland, Beligien re. politische Zeitungen zugangen, die den Artikel wicdergcgeben haben. Die meisten Zeitungen haben sich damit begnügt, den Artikel einsach aufzunehmen; andere habe die aner-kenncndstcn Worte hinzugefügt. So hat die holländische Zeitschrift „Los eu Vast“ Anlaß genommen, eine ganze Reihe von Artikeln unter den: Titel „Voor Israel“ daran anzuknüpfen. Kott in der Kejchichte. (Z um CH on ulab - Fest c.) Mainz, 6. Deeember. Die Wochenabschnitte, die wir gegenwärtig in der Thora lesen, zeigen uns die Uranfänge der Geschichte unseres Volkes, die Familiengeschichte unseres Vaters Jakob. Das schöne Fest, dem wir entgegengehen, erinnert uns an die heldenmüthige Erhebung unseres Volkes aus schrecklichem Verfalle. Auch die Gegenwart ist die Zeit religiösen Verfalles; hoffen wir, daß sie den Ausgangspunkt für eine um so herrlichere Erhebung bilde. Anknüpfend an die Geschichte Josephs sagen die Weisen im Midrasch Rabbah zu Paraschat Mikez: ,miN -pna ,nnin ms imo «*soo n"3"p"n •nixwnn O'p'-m bw poj “pno „Der Heilige, gelobt sei Er, läßt hervorgehen aus Noth Freiheit, aus Finsterniß Licht, aus der Erniedrigung der Frommen Erhebung." Wir finden hierin die drei obenbezeichneten Perioden der jüdischen Geschichte angedeutet. Aus der Noth unseres Vaters Jakob und der Seinen erwuchs uns die Freiheit, aus der Finsterniß der Periode der Syrerherrschaft ging das Licht der Mackabäerzeit hervor; so wird auch jetzt dem Verfalle die Erhebung folgen. I. Es war die Noth, welche an der Wiege unseres Volkes stand. Als unserm Vater Abraham der Besitz des heiligen Landes verkündet wurde, da sprach Gott: „Wissen sollst du, wissen, daß Fremdling sein wird dein Same in einem Lande, das ihnen nicht gehört, und man wird sie dienstbar machen und sie peinigen vierhundert Jahre." Diese vierhundert Jahre und mit ihnen die Leiden begannen schon mit der Geburt Jizchaks; aber das vollständige Bild der israelitischen Leidensgeschichte stellt Jakob dar. Schon im Mutterleibe muß er kämpfen gegen den feindlichen Bruder, muß später vor diesem aus dem Elternhause fliehen, muß arm und verlassen ankommen bei einem übelwollenden Verwandten, der ihn zu hintergehen sucht in jeglicher Weise, muß auch vor diesem fliehen und entgeht nur durch Gottes Fürsorge mit all den Seinen der Vernichtung; kaum dieser Gefahr entronnen, zieht ihm der feindliche Bruder mit seiner Kriegerschaar entgegen; dann kömmt der Kampf mit Schechem und zuletzt der furchtbare Gram um den Verlust Joseph'S; aber selbst das Ende dieser Trauer durch die Uebersiedelung nach Egypten ist nichts als der Anfang furchtbarer Leiden, denen hier die Familie Jakobs entgegengeht.

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