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Der Israelit · 1870-12-07 · Heft 49 (7.12.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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904 mir die Mutter schon Geld gegeben hatte. Dann ging ich in die Wohnung der Humpoletz, um dort die fällige Rate zu zahlen. Fräulein Emilie Humpoletz empfing mich dort. Sie war von großer Angst befallen, weil ihre Mutter noch nicht nach Hause gekommen war ... Präs. Erzählen Sie weiter, Sie sagten dem Fräulein damals etwas. — Ang. (zögernd). Ich tröstete sie und sagte, ich sei auch immer besorgt, wenn meine Mutter lange nicht nach Hause komme. Präs. Wie brachten Sie die Nacht nach dem Morde zu? — Ang. Ich war sehr aufgeregt. Der Gedanke, wie ich die Leiche wegschaffe, beschäftigte mich die ganze Nacht. In der nächsten Nacht schlief ich zwar, konnte aber, während die Leiche im Hause war, gar nichts essen. Präs. Wie entdeckte Ihre Mutter die Leiche? — Ang. Samstag früh verschüttete die Mutter Wasser in der Küche und ging in^die Kammer, einen Fetzen zum Abwischen zu holen. Die nahm einen von denen, mit welchen ich den Kopf der Leiche zugedeckt. Sie schrie auf und lief zu mir. „Um Gotteswillen," sagte sie, „du hast eine Leiche dort, mein Kind." Ich leugnete und sagte, es sei nichts dort. Ich bat sie, nicht in die Kammer zu gehen. Sie ging aber doch hin, rückte mit der Kiste und stürzte dann ohnmächtig zu Boden. Ich brachte sie wieder zur Besinnung und bat sie händeringend, sie solle mich nicht verrathen. „Kind," sagte sie zu mir, „es ist ein großes Opfer, das ich dir bringe, wenn ich dich nicht verrathe." (Die Angeklagte bricht in lautes Weinen aus und beruhigt sich erst nach längerem Zureden des Präsidenten.) Präs. Wie schafften Sie nun die Leiche aus dem Hause? — Ang. Ich schlug der Mutter vor, sie in der Kammer zu begraben; meine Mutter sagte aber, die Leute im Hause würden es merken. Dann sagte ich, wir sollen sie zum Wasser tragen und sie hineinwerfen; auch darin wollte die Mutter nicht willigen, weil es die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenken würde. Wir beschlossen also, sie in einen Sack zu nähen und irgendwo hinzutragen. Ich kaufte Leinwand und nähte einen Sack. Wir versuchten dann die Leiche hineinzugeben, sie war aber zu lang. Da beschlossen wir, ihr Kopf und Füße abzuschneiden. Ich that es auch sofort, nicht, wie der Herr Staatsanwalt sagte, meine Mutter. Präs. Also Sie selbst schnitten den Kopf und die Beine der Leiche ab. Sie sagten ja übereinstimmend mit Ihrer Mutter in der Voruntersuchung aus, daß Ihre Mutter die Verstümmelung der Leiche vornahm. — Ang. (weinend). Meine Mutter wollte es auf sich schieben, da sie dachte, mir meine Lage in Etwas zu erleichtern. Meine Mutter konnte die Leiche gar nicht zerschneiden, sie wäre bald ohnmächtig geworden. Es werden der Angeklagten nun jene Gegenstände vorgewiesen, welche in ihrer Wohnung beanstandet worden waren. Bei der Vorzeigung des Handbeiles, mit welchem sie den Mord begangen, bricht sie in lautes Wehklagen aus und ruft: „Das ist die Hacke, mit der ich sie erschlagen!" Sie agnoscirt die Kleider, welche an der Leiche vorgefunden wurden, als „Sachen der Seligen." In einer Holzschachtel wird der furchtbar zertrümmeree Schädel der Ermordeten aufbewahrt. Prof, vr. Ritter nimmt denselben heraus. Die Angeklagte schauert zusammen und ist nicht zu vermögen, den Schädel anzusehen. Ueber Befragen eines Votanten erklärt die Angeklagte, daß sie die That sehr bereue, sie habe nichts überlegt und will überhaupt nicht bei Besinnung gewesen sein. Nach einigen weiteren Fragen des Staatsanwalts wird das Generalverhör beendet. Die Angeklagte wurde der Ermordung ihrer Gläubigerin, der Schullehrersfrau Rebekka Humpoletz, nach zweitägiger Gerichtsverhandlung für schuldig befunbm und zum Tode verurtheilt. Lothringen. Metz, 28. Nov. *) Sehr geehrter Herr College! Sie sprachen in Ihrem jüngsten, werthen Schreiben den Wunsch aus, daß ich Ihnen für Ihre geschätzte Zeitschrift einen Bericht über die Ereignisse innerhalb der isr. Gemeinde zu Metz während der Belagerung einsende. Indem ich Ihrem Wunsche Nachkomme, bedauere ich, wegen zu großer Beschäftig ung mich sehr kurz fassen und mit einer bloßen Aufzählung dessen, was unsere isr. Verhältnisse berührte, begnügen zu müssen. Zuerst wurde unsere Stadt durch die Schlacht bei Forbach (Saarbrücken - Spicheren) in ungeheure Aufregung und Verwirrung versetzt. Der Schlachttag war bekanntlich Samstag am 6. August; an dem darauf folgenden Tage, dem Fasttage des 9. Ab, war es uns unmöglich, den Gottesdienst in seiner ganzen Ausdehnung abzuhalten; wir mußten ihn nothgedrungen bedeutend kürzen. Da unsere Stadt von aller Communication mit der Außenwelt ab geschnitten wurde, so war es nicht möglich, für das Hüttenfest Ethrogim herbeizuschaffen. Mit Mühe wurde noch ein aa» :nnx aufgetrieben. Außerordentlich viele Glaubensgenossen aus der Umgegend hatten sich in unsere Mauern geflüchtet. Dadurch war unsere Synagoge stets überfüllt. Von allen Lebensmitteln war es namentlich das *) Dieser Brief, den wir hier in deutscher Übersetzung mitthellen, ist uns in französischer Sprache zugekommen. Red.

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