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Der Israelit · 1870-12-07 · Heft 49 (7.12.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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903 Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Prag, 25. Nov. Die Setzersgattin Cäcilie Schewczik verübte an der isr. LehrerSwittwe Rebekka Humpoletz einen schrecklichen Mord. Während eines starken Regens hatte sich die Humpoletz, die nach Baumgarten bei Prag gehen wollte, zur Schewczik, der sie ein Anlehen verschafft hatte, geflüchtet. Diese überfiel die alte Frau während des Gesprächs und tödtete sie auf die grausamste Weise mit Hackenschlägen und Fußtritten. Die Leiche ward bis zum zweiten Tage verborgen, hierauf zerstückt und die einzelnen Glieder wurden in Leinwand gepackt, in einem Korbe von der Mutter der Mörderin bei den Basteimauern niedergelegt. Beide Frauen waren verhaftet worden. Die Mutter wurde, da sich herausstellte, daß sie nicht betheiligt und nicht eingeweiht war, entlassen. Die Verhandlung gegen Cäcilie Schewczik hat heute Morgens begonnen. Der Andrang des Publikums war groß, doch war Vorsorge getroffen, damit nicht durch Ueberfüllung der Räume der Gang der Verhandlung gestört werde. Auf einem Tischchen vor dem Gerichtshof liegen in einer Holzschachtel der Schädel der Gemordeten, in den Gesichtstheilen zerschmettert, dann die Beinstücke. Die Hacke und die Messer, mit welchen der Mord verübt und die Zerstückelung der Leiche vorgenommen wurde, liegen daneben. In einem Päckchen sind die Kleider, die an den Leichentheilen gefunden wurden. Während der Staatsanwalt unter der gespanntesten Aufmerksamkeit des Auditoriums die Anlage vorträgt, läßt sich Cäcilie Schewczik auf den Sessel nieder, der knapp vor dem Richtertische sich befindet. Als ihr Auge auf die Hacke und die Schachtel mit dem Todtenschädel fällt, füllt sich daffelbe sogleich mit Thränen. Schwer athmend folgt sie dann den Ausführungen des Staatsanwaltes, immer erregter werdend, jemchr sich der Staatsanwalt dem Momente nähert, wo der Vortrag die grauenhafte Thal selbst umständlich schildert. Ihr Antlitz mit ihrem Taschentuche verbergend, verfällt sie, bei der Stelle, wo die Anklage von der eigentlichen That spricht, in heftiges, konvulsivisches Schluchzen. Ueber Aufforderung des Präsidenten wiederholt sie sodann ausführlich das in der Voruntersuchung abgelegte Geständniß. Sie erzählt unter Thränen die Geschichte ihres Lebens bis zu der Zeit, wo sie die Humpoletz, ihr Opfer, kennen gelernt. Ihr Vater, der in der k. k. Monturs-Oekonomie-Kommission angestellt war, sei vor ungefähr 8 Jahren nach 372 jähriger Krankheit gestorben, habe gegen 400 fl. Schulden hinterlafsen. Ein kleiner Betrag, den die Mutter von einer Lebensversicherungs-Gesellschaft ausbezahlt erhielt, habe kaum hingereicht, die Schulden des Mannes zu bezahlen, und sie konnte sich und ihre Tochter nur kümmerlich ernähren. Als 16jähriges Mädchen lernte Cäcilie Schewczik ihren jetzigen Gemahl kennen und ging nach 21 2 jähriger Bekanntschaft mit ihm zum Traualtar. Bei ihrer Hochzeit hatte sie gemeinschaftlich mit ihrer Mutter für ihre Verhältnisse nicht unbedeutende Schulden, von denen der Mann nichts wußte. Um die drängenden Gläubiger wenigstens theilweise zu befriedigen, versetzte sie einen Theil ihrer Garderobe. Als der Winter herannahte, fehlte ihr Geld zun- Auslösen der versetzten Gegenstände. Da fübrte die Oberlieutenants-Gattin Mayer Frau Rebekka Humpoletz zu ihr, die ihr damals mit großer Bereitwilligkeit Geld lieh. Es folgt nun mit der Anklage gänzlich übereinstimmend die Erzählung von den letzten Besuchen der Frau Humpoletz bis zum Augenblicke der That. Präs. Was veranlaßte Sie zu dem Morde der Rebekka Humpoletz? — Ang. Ich weiß nicht, wie es gekommen ist, daß ich diese That begangen. Ich war von Zorn und Furcht befallen. Die Frau hatte mich mit ihren hohen Zinsen ruinirt und wollte mich nun in Zwist mit meinem Manne verwickeln. Ich bat und bat, sie blieb hart. Da sah ich die Hacke in der Küche und es kam über mich. Es war so als ob mir Jemand sagte: Schlage sie todt und du wirst Ruhe haben. Der Gedanke verließ mich nicht, (weinend) und ich habe sie halt todtgeschlagen. Präs. Geben Sie uns nun genau an, wie Sie mit der alten Frau verfuhren. — Angeklagte weint laut auf. Präs. Fassen Sie sich und erzählen Sie uns Alles. Sie sind es zur Sühne des furchtbaren Verbrechens, das Sie begangen, schuldig, das Geständniß, das Sie in der Voruntersuchung abgelegt, hier vor der Oeffentlichkeit zu wiederholen. — Ang. Ich schlug ihr mit der Hacke in den Kopf, so daß sie zu Boden stürzte. Sie versuchte sich aufzurafien und wollte mich am Halse packen, da gab ich ihr noch zwei Schläge und sie war todt. Die Angeklagte erzählt nun, wie sie di? Leiche der Ermordeten in die Kammer geschafft. Bei dieser Gelegenheit sei der Leiche ein Geldbeutelchen entfallen. Sie habe es verbrennen wollen, aber als sie Geld darin klingeln hörte, »war ihr leid um's Geld." Cäcilie Schewczik erzählt nun ausführlich ihre Bemühungen, die Spuren ihrer That zu verwischen. Präs. Sie verwendeten einen Theil des Geldes, welches Sie in der Brieftasche der Humpoletz fanden, für sich. — Ang. Es that mir leid, das Geld zu verbrennen. Ich ließ die Note bei dem Kaufmann Schalek wechseln und kaufte dort ein Battistkleid, welches ich mir schon lange kaufen wollte und woraus

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