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Der Israelit · 1870-12-07 · Heft 49 (7.12.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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905 Salz, das uns am Meisten fehlte. Bald war für 'das „Fleischsalzen" keins mehr aufzutreiben. Wir konnten also das Fleisch nicht kochen, sondern mußten es am Feuer braten (aw Als es am 26. October, an einem Freitage, bekannt wurde, daß die Stadt am folgenden Tage übergeben werden sollte, so entstand in der Bürgerschaft eine furchtbare Bewegung. Diese nöthigte uns, den Freitag-Abend-Gottesdienst in der Synagoge auszusetzen; die Pforten der Synagoge blieben an jenem Abende geschlossen. Genehmigen Sie, sehr geehrter Herr College, die Versicherung meiner vollkommenen Hochachtung. L i p p m a n n, grandrabbin. Feuilleton. Keirvrj ch Lion. Die „Neue freie Presse" erzählt die nachfolgende Geschichte von einem jüdischen Helden neuesten Dalums : „Gleich nach der Schlacht bei Wörth holte Feiwisch (d. i. Phöbus) Lion seine alte Lieutenants- Uniform bervor, um sich wieder zum Soldaten zu machen. Er hatte in Afrika gedient und es von der Pike auf zum Lieutenant gebracht. Krankheit und die Sehnsucht nach der Heimat bewogen ihn, zu quittiren, und da er für den Handel verdorben war und in seiner Jugend als Bachur und Rabbinats-Candidat etwas gelernt hatte, ließ er sich in einer kleinen Gemeinde bei Hagenau a's Lehrer einer hebräischen Knabenschule und als eine Art kleinen Gemeinde-Rabbiners nieder. In dieser Stellung wirkte er seit vielen Jahren, als ihn. wie gesagt, die erste Niederlage der französischen Armee, die er nicht verwinden konnte, seinem friedlichen Berufe wieder entriß. Er war damals tief in den Fünfzigern, wenn nicht darüber hinaus. Er steckte sich also in seine alte Uniform, sammelte an 150 bis 200 bei Wörth zersprengte Soldaten und warf sich sofort in die Vogesen. Unter denen, die den Guerillakrieg begannen, war er einer der Ersten. Zu den Soldaten kamen bald mehrere Franc- Tireurs — und so befehligte er Turc-s, Zuaven, andere Liniensoldaten und Freischützen. Bei den TurcoS ~ stand er sogleich in großem Ansehen, da er sehr gut arabisch sprach, aus alter Zeit zu einem sehr geachteten Marabut in Afrika in sehr freundschaftlichem Verhältnisse stand und die afrikanische Kampfweise sehr gut verstand. Sein Plan war, die Deutschen fortwährend zu beunruhigen und ihnen allen möglichen Abbruch zu tbun; — und in der Tbat kam er gleich in den ersten Tagen mehreremale mit ihnen in blutige Berührung. Feiwisch Lion war sehr fromm und hielt fest am jüdischen Gesetze, selbst in den Vogesen kam er allen religiösen Verpflichtungen streng nach. Eines Morgens wurde er von preußischen Husaren überfallen, eben als er im Gebete begriffen war. Trotzdem er noch die Gebetriemen um Kopf und Arm geschlungen hatte, warf er sich aufs Pferd, sammelte seine Leute und stürzte sich in diesem für einen Soldaten sonderbaren Auszuge in den Feind, den er auch in die Flucht schlug. Immer noch in den Gebetriemen und den Degen in der Hand, verfolgte er ihn bis gegen Zabern. Aber Feiwisch Lion's Wirksamkeit in den Vogesen dauerte nicht lange; da er von dem Zuge Mac Mahon's hörte, schlug er sich mit seinen Leuten zu ihm durch, blieb bei der Armee und marschirle mit ihr nach ^>edan. Dort blieb er gleich am ersten Schlachttage, und seinem Heldenherzen wurden Schmach und Schmerz der Kapitulation erspart. — Seine Glaubensgenossen betrauern seinen Fall aufs tieffte, überzeugt, daß er als Parteigänger dem Feinde großen Schaden und seinem Volke viel Ruhm gebracht haben würde. „Wer weiß," sagen sie, „ob Feiwisch Lion aus diesem Kriege nickt als Marschall hervorgegangen wäre, ob er nicht Metz entsetzt hätte, denn er war heldenmüthig wie ein Makkabäer." ANZEIGEN. Bingen. Es liegt uns die traurige Pflicht ob, den Tod emer Heimgegangenen musterhaften Glaubensschwester zu registriren. Dienstag, 29. November, standen wir trauernd an dem Sarge der dahingeschiedenen Frau Henriette Levi, Ehefrau des Vorstehers terrn Mayer Levi. Ihr Leben war ein Leben des laubens und der Religion, strenge befolgte sie alle Religionsgesetze, und unerschütterlich treu lebte sie den Sitten und Gebräuchen der Religion. Voll warmer Menschenliebe, war ihr kein Opfer zu groß, wo eS galt, wohlzuthun; ihr frommes, wohlthätigeS Herz war das Asyl der Armen, wo sie ihre Klagen niederlegten. Mit Recht darf ihr der Name: „Mutter der Armen" gegeben werden. n'^yV'n, Der Todesfall erregte nicht nur hier, sondern

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