Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447495--08872-2464541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
902 21. October vor Paris verwundet und erlag seiner Wunde am 31. desselben Monats. Ueber die persönlichen Verhältnisse des Herrn I. Josephson sei hier Nachfolgendes gesagt. Derselbe war Kürschner, arbeitete in Berlin als Werkführer in diesem Fache; von seinem Lohne opferte er einen ansehnlichen Theil seiner alten Mutter und seinem achtzigjährigen Stiefvater, indem er für dieselben regelmäßig die Wohnungsmiethe zahlte, außerdem noch der Mutter öfters Geschenke machte. Als er daran dachte, seine Selbstständigkeit zu gründen, brach dieser unglückliche Krieg herein, der seine Pläne für immer vereitelte. Derselbe machte den Krieg gegen Oesterreich im I. 66 mit und kehrte von diesem, wie von mehreren Gefechten und Schlachten des gegenwärtigen Krieges unverletzt zurück. In einem seiner Briefe nach der Schlacht bei Sedan, die er mitmachte, sprach er die Hoffnung aus, bald wieder in seine Heimath zurückzukehren, indem, wie er sich wörtlich auödrückte, die Franzosen schon genug bekommen haben. Die Vorsehung wollte es aber, daß er, zum größten Leidwesen seiner Mutter, von Versailles aus in seine wirkliche Heimath einziehe. HD lJt* Dnj >3. R. Fink, Rabbiner. Pl-fchen, im Marcheschewon. Am jüngsten Freitage durchlief eine Trauerkunde unser sonst so ruhiges Städtchen, welche in den weitesten Kreisen schmerzliche Gefühle erregen wird. Rabbi Hirsch Guttmacher, Sohn des vrtw V'-mö peun am Rabbiner in Grätz, Ist in seinem 52. Lebensjahre plötzlich am Herzschlage verstorben. Der Verblichene verdient eö in jeder Hinsicht, daß ihm einige Worte zum Nachrufe in diesen Blättern geweiht werden. Von Jugend auf hat derselbe den größten Theil seiner Zeit dem Thorastudium gewidmet und hatte es in diesem hochwichtigen Fache zu einer erstauulichen Vollkommenheit gebracht. L>ein scharfblickender Geist, sein rühmenswerther Fleiß verdienen die höchste Anerkennung; mit Vorliebe wendete er sich gerade den schwierigsten Partien des Talmud zu, vor welchen Unvermögen und Trägheit gewöhnlich zurückschrecken. So hinterläßt der Verblichene handschriftliche Kommentare zu rnQ2' und zu D’j’p dddo nrjB'ö, welche sicher das wärmste Interesse aller Talmudisten erregen werden , wenn es gelingen wird, sie zu veröffentlichen. Eingedenk des Grundsatzes unserer Weisen, ns* pfc Tn Dy mm, widmete Rabbi Hirsch seine Zeit auch anderen Wissensfächern, besonders der Mathematik und Arithmetik. Einen glänzenden Beleg seiner reichen und bewunderungswürdigen Erfindungsgabe gibt ein von ihm aus Jahrhunderte hinaus berechneter Kalender des Sonnen- und Mondjahres auf einer einzigen, übersichtlichen Tabelle (ebenfalls noch handschriftlich vorhanden). Zugleich war der Verblichene ein tadelloser Charakter, von edlem Eifer für alles das Judenthum und seine Religion Betreffende beseelt und mit den edelsten Eigenschaften des Herzens ausgerüstet. Jedem, der sich ihm vertrauensvoll nahte, war er ein treuer und weiser Rathgeber, genoß darum auch das allgemeine Vertrauen seiner Mitbürger, ward von diesen zu den Stadtverordneten und im letzten Jahre erst noch zum Stadtrathe gewählt. Bei seinem Leichenbegängnisse war der Bürgermeister und viele der hervorragenden Bürger unserer Stadt anwesend und die wärmste Theilnahme auf jedem Gesich'e zu erkennen. n"a"s"J''n. Möge der Allgütige dem greisen Vater des Verblichenen Trost und Beruhigung senden; möge er ferner das Herz seines Volkes erwecken, sich mit Eifer dem Studium der heiligen Thora zu widmen und ihre Kinder dazu zu erziehen, damit das leider überall so stark gelichtete Häuflein der mm ^a durch frische und strebsame Kräfte ergänzt werde. PyrrH, im Marcheschwon. Während dort im feindlichen Lande die Heldensöhne unseres Vaterlandes mit blutigem Schwarte sich den Lorbeer erkaufen, entschlief hier ein frommer Mann, der sich durch sein segensreiches Wirken für Juden und Judenthum, Menschen und Menschlichkeit ein nicht minder schönes Andenken bei Allen, die ihn gekannt, erworben hat. Rabbi Jakob Hirschberg, Mitglied des hiesigen Vorstandes während vieler Jahre, der „letzte" Mann vom Geiste der alten Generation, ist, nachdem er am vorhergehenden Tage sein 50. Lebensjahr vollendet, zur ewigen Ruhe eingegangen, zu früh für die Seinigen und für seine Mitmenschen. Er war noch der Einzige und Letzte, der Sorge trug, daß die unselige Reformsucht, welche dem Judenthum leider schon so großen Schaden zugefügt hat, nicht noch tiefer ins Gemeindeleben eindringe. Seine Parole war, no« soll dem oibff nicht weichen, und ihm gelang es, Dank der großen Ehrfurcht, die man ihm gezollt, beides in harmonischen Einklang zu bringen. Daß die großartige Leistung von idh und npis, welche von seinem Hause Juden und Nichtjuden genossen, und die hohe Achtung, welcher er sich von allen Seiten zu erfreuen hatte, mit Recht eine seltene zu nennen ist, bewies zur Genüge die ungemein große Menschenmenge, welche der Bahre folgten, — wie man sie hier zu Pyritz fast nie gesehen. Seine große Bescheidenheit ließ in ihm den Nachkommen eines alten glorreichen Geschlechtes ’tsux miayro mmn erkennen. Das Andenken der Frommen sei zum Segen. S. Bloch.