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Der Israelit · 1870-12-07 · Heft 49 (7.12.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 49 (7.12.1870)
Date
1870-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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896 Meines Erachtens ist dieser Weg der geeignetste, der unter den obwaltenden Umständen betreten werden maß, und es ist daher sehr wünschenswerth im Interesse der heiligen Sache, um die es sich handelt, daß auch andere urteilsfähige Männer ihre Ansichten und Vorschläge in diesen Blättern aussprechen. Die Sache ist wichtig genug, um das lebhafteste Interesse aller RelkgiöSgesinnten anzuiachen und rege zu erhalten, und die Zeit drängt, daß Männer von Einfluß und That kraft dieser Angelegenheit ihre ganze Aufmerksamkeit zuwendeu, um der verderblichen Richtung der Zersetzung und Auflösung mit aller Kraft entgegenzutrelen. Solche Männer wird das Indenthum mit ehernem Griffel in seinen Annalen verzeichnen und die Nachwelt sie ehren mit den Worten: (Jes. 58, 12) pD Tiu “]b DBipn nni “in hd:d. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 29. Nov. Ein Theil der deutschen Presse beginnt schon, die Israeliten von Elsaß und Lothringen, die dort einen bedeutenden Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen, als „deutsche Brüder" zu begrüßen. Wir berichteten Derartiges in der vorigen Nummer aus Berlin; heute lesen wir in Carl Andree's Globus (Band 18., Nr. 15) einen giftgeschwollenen Artikel gegen die Juden im Elsaß. Aus der Emancipationsgeschichte derselben sind die Verläumdungen der Judenfeinde hervorgehoben und werden als baare Münze acceptirt. Wir haben im 9. Jahrgangs dieser Zeitschrift Nr. 40 bis 5l eine actenmäßige Geschichte jener Emancipation veröffentlicht. Aus derselben kann die Redaction des Globus entnehmen, daß ihr Mitarbeiter 'Zerr Richard Andree, seine Darstellung so vorurtheilsvoll wie nur irgend ein mittelalterlicher Judenfeind gestaltet hat. Mainz, den 27. Nov. Die Zeitschrift, „das Traditionelle Iudenthum" druckt unfern Leitartikel in Nr. 47> des „ Israelit " seinem Wortlaute noch ab und fügt die folgende Nachbemerkung hinzu, der wir vollkommen zustimmen: „Wenn Hierlands (in Ungarn) vom Schulchan- Aruch gesprochen wird, so sind darunter auch alle übrigen maßgebenden „Dezisoren" zu verstehen. Daß ein Rabbiner als die ersten Quellen „Schaß upoßkim" zu betrachten habe,, braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden Hier in Ungarn wird kein namhafter orthodoxer Rabbiner irgend jemandem eine Hatarah ertheilen, der bloß die §§. des Schulchan- Aruch sich angeeignet, ohne den Quellen nachgeforscht zu haben, aus denen di«se Bestimmungen g schöpft wurden, da sonst von „inedame miltha lemiltha“ und Chochom mevin Dowor mitoch Dowor“ nicht die Rede sein kann. Allein bei dem ernstesten Studium der bezüglichen Quellen müssen die Entscheidungen des Rabbinen trotzdem im Geiste und im Sinne des Schulchan-Aruch und der sonstigen Dezisoren sein. Von Unfehlbarkeit kann im Iudenthume keine Rede sein; allein jedem Quasi-Rabbinerchen es überlassen, den Talmud nach Belieben zu deuteln, das kann und darf nicht geschehen! Behauptet nicht auch die radikalste Reform, sie beruhe auf talmudischer Grundlage, freilich gemäß dem Sinne oder besser Unsinne, den sie in den Talmud hineinzudeuteln sucht! Es muß mithin vor Allem die Methode für die praktische Benützung des Talmuds festgestellt werden und die einzig korrekte Methode hiefür findet die orth. Iudenheit im Schulchan-Aruch und d-m sonstigen maßgebenden Dezisoren richtig angewandt. Würde man diesen sPunkt nicht festhalten, unsere lieben Reformer hätten dann leicktes Spiel. Mit ihren hohlen Sofistereien würden sie den Beweis zu liefern suchen, baß R. Joseph Karo nebst allen Dezisorm den Sinn des Talmuds nicht erfaßt! Und das wäre noch immer nicht der Kulminationspunkt neologer Frechheit! Dr. Zipser hat bereits vor Jahren im »Len okananja« behauptet: Die „Arnoraim" hatt-n den Sinn der „ Mischna " nicht ersaßt. Und was erkübnte sich vr. Grätz in seiner jüngsten Monatsschrift? Um angeblich eine „Beraitha" vor dem Vorwurfe eines inhumanen Ausspruchs in Schutz zu nehmen — was gewiß sehr gut und fromm — behauptet er nichts Geringeres denn den gigantischen Unsinn: die Amoraim hätte die Beraitha gründlich mißverstanden! Wenn also die Amoraim die Mischna nicht verstanden, so kostet es nickt viel', weiter zu behaupten : Rabbenu Hakodesch hätte, Gott behüt's, die Bibel nickt verstanden und so würden die Herrn nicht blos den Schulchan-Aruch ignoriren, sondern in gleicher Weise die Quellen, ans denen er geschöpft: Talmud und Mischna! Das wäre dann der Weg, um an Geigers „Urschrift anzugelangen, wo nicht nur Schulchan-Aruch und Misckna, sondern auch der B ibel t ext schonungslos sezirt und zerschnitten wird! Das wären die traurigen Folgen, so Alles der freien Forschung" unserer Reformrabbiner überlassen bliebe, bei denen „zügellose Frechheit" die Stille „freier Forschung" vertritt. Diesem wurde gottlob „theilweise" vorgebeugt durch die Bestimmung, daß die Entscheidungen der Rabbiner im Geiste des Schulchan- Aruch zu erfolgen haben. Wir sagen „theilweise" vorgebeugt, weil auch hiedurch noch nicht alle und jede Gefahr beseitigt ist. Oder etwa ja? Nun man ver-

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