Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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897 gleiche doch einmal Seite 100 des von uns in früheren Nummern d. Bl. ausführlich citirten Löw'schen Werkes: „ Der jüd. Congreß in Ungarn ", wo folgende Stelle zu lesen ist: „Zn Ansehung der Synode beruft sich Chorin auf seine anderweitige Auseinandersetzung, nach welcher die Rabbinen seit dem Erlöschen der Ordination (Semicha) nicht als Gesetzverweser, oder Handhaber des Gesetzes, sondern bloße Sachverständige betrachtet werden müssen, die an das Vorgeschriebene gebunden sind, und sich nach dem bestehenden Kodex „Schulchan-Aruch" verhalten müssen. „Also: auch Chorin behauptete auf der Basis des Schulchan-Aruch zu stehen, ohne sich hiedurch in seinen destruktiven Bestrebungen beengt gesehen zu haben! Man sieht also: „en Apitroposs Lereformer“, und daß man eben vor deren Wuth so viel zu retten sucht, als sich noch retten läßt.- Dresden. Der Unteroffizier Hermann Lichtenste in vom Infanterie-Regiment 106 hat nicht nur die silberne Tapferkeitsmedaille erhalten, sondern ist auch mit dem Eisernen Kreuz decorirt worden. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Erfreulich ist es. wenn man in einer Zeit, wo die Juden leider so häufig angegriffen werden, auch Vorgänge zu erzählen hat, die beweisen, daß der wirklich aufgeklärte Mensch immer den Werth des Juden nach Verdienst zu würdigen weiß. Die Stadt Wien hat vorige Woche das Leopoldfest gefeiert, zum Andenken an die Gründung von der Leopoldstadt (eine Vorstadt). Nachdem die Feierlichkeit vorüber war, hat der Herr Bezirksvorsteher Lei die angesehensten Männer Wiens zu einem fröhlichen Mal eingeladen; der Commandirende von Wien, mehrere Geistliche und Beamten sind dabeigewesen. Nachdem man mehrere Trinkchrüche auf seine Majestät und die Stadt Wien ansgebracht, hat sich der Geistliche Popenberger erhoben und feierlich erklärt, daß dieses Fest nicht gefeiert wird zum Andenken an die Vertreibung der Juden, wie dies einige Blätter behauptet haben und hat betheuert, daß auch die übrige aufgeklärte Geistlichkeit in dieser Beziehung dieselben Ansichten habe. Der Landesausschuß Suem hat in seinem Trinkspruch bedauert, daß ihre Vorfahren vor 200 Jahr so verblendet gewesen seien, die Juden aus Wien zu vertreiben. Die Leopoldstadt ist heute in einem blühendem Zustande, weil die Christen und Juden in voller Eintracht bestrebt sind, den Fortschritt zu fördern. (Lemb. jüd. Zeit.) Lemberg, 19. Nov. Der Dombrowaer Bezirksrath hat an den Landesausschuß eine Petition gerichtet, in welcher er neben der Einführung von Friedensgerichten und der Beschränkung der Wechselfähigkeit auf den Handelsstand (angeblich um die Bauern vor den Uebervortheilunzen von Seiten der Juden zu schützen) auch verlangt, daß die Zahl des von den Juden zu erhebenden Contingents bestimmt werde. Es ist dies ein neuer Beweis für die so oft ausgesprochene Wahrheit, daß unsere Bezirksräthe zumeist Reactionäre und Zudenhasser sind. Die Tonangeber in diesen BezirkSräthen sind gewöhnlich bankerott gewordene kleine Adelige, die aus Aerger darüber, daß die neue Aera sie um Vermögen und Einstuß gebracht hat, alles Mögliche anwenden, um die früheren Zustände der Leibeigenschaft der Bauern und Vogelsreiheit der Juden wieder einzuführen. Daß aber nicht nur der Bezirksausschuß von Dombrowa solche Gelüste hat, sondern, daß auch die übrigen galizischen Bezirksräthe gleiche Begriffe von confessioneller Gleichberechtigung haben, geht schon daraus hervor, daß in Folge Aufforderung des Dombrowaer Bezirksrathes sich schon eine bedeutende Anzahl von BezirkSräthen in Galizien dieser Kundgebung angeschlossen hat. Aber nicht nur die Herren Bezirksräthe scheinen die Juden nicht leiden zu können, auch unsere Demokraten sind trotz der bekannten Judenfreundlichkeit ihres Oberhauptes auf die Juden nicht gut zu sprechen. Ihr Organ, der Dziennik Lwowski griff neulich in etwas starken Worten die Juden an und wollte sie als „Germanisatoren" an den Pranger stellen, verfehlte aber natürlich den Zweck, indem eS für die Juden Galiziens nur schmeichelhaft sein kann, Vertreter und Vorkämpfer der deutschen Cultur genannt zu werden. Sadagura. Am hbd vn fiel in Sadagura ein Theil der Wölbung der Synagoge herab und traf sieben Personen. Einem alten Manne wurde dabei der Rückgrat beschädigt, der auch des andern TageS unter unsäglichen Schmerzen starb. (Jb. An.) Italien. Rom. Dem Londoner „Daily Telegraph“ wird von hier geschrieben, daß die Eltern Mortara's ihren Sohn jüngst besucht und ihn dringend gebeten haben, zu ihnen zurückzukehren, allein er habe diese Bitte entschieden zurückgewiesen. Um nicht von der ital. Regierung gezwungen werden zu können, in sein Elternhaus zurückzukehren, habe sich Mortara nach Brüssel begeben und von hier aus auch einen Brief an seine Eltern geschrieben, worin er ihnen seinen früher ihnen mündlich mitgetheilten Entschluß auch schriftlich anzeigte. Neueren Nachrichten zufolge ist Mortara noch