Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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889 der Interpellant, ob die allgemein verbreitete Auffassung des Gemeinderathsbeschluffes richtig sei, daß nach demselben Juden und Christen untereinander auf dem Centralfriedhofe sollen begraben werden. Der Interpellant macht dagegen rituelle Bedenken geltend und hofft, daß in dieser Hinsicht nichts ^den jüdischen Glauben Verletzendes präjudizirt werde. Der Vorsitzende erwidert, daß der Vorstand dieser Angelegenheit bereits seine Aufmerksamkeit zugewendet habe, und Herr Frankl erklärt, daß schon vor zwei Jahren der Gemeinderath den principiellen Beschluß gefaßt habe, daß es jeder Religionsgenossen-- schaft freistehen solle, gesonderte Abtheilungen auf dem Central-Friedhofe zu verlangen. Die liberale Majorität des Gemeinderaths habe mit ihrem Beschluß keinerlei Zwang irgend einer Konfession auferlegen wollen, sie vrrwarf nur den Programmpunkt, der schon im Voraus anordnet, bei der Anlage des Cmtral-FriedhofeS auf nach Confesstonen geordnete Abtheilungen Rücksicht zu nehmen, weil sie dem Centralfriedhofe keinen confessionellen Character aufdrücken, und den Religionsgenoffenschaften nicht präjudiziren wollte. In diesem Sinne habe auch er gesprochen und betont, man solle es den Religionsgenossenschaften überlassen, gesonderte FriedhofSabtheilungen zu verlangen. Diese Erklärung wird mit Befriedigung entgegengenommen. Bei der Probewahl wurden 64 Stimmzettel abgegeben, und erhielten Frankl 62, Kur and a 60, vr. Philipp Mauthner69, vr. v. Hoffmannsthal 48, vr. Knepler 48, Gustav Simon 35, und Hildburghäuser 30 Stimmen. □ Prag, 20. Nov. In Horowitz werdeu wieder Judenhetzen arrangirt. Die dortige Bezirkshauptmannschaft konfiszirte gegen dreihundert, gegen Juden hetzende Drohbrochüren. Waitz-tt. Am 20. November v. I. wurde aus dem Tempel der isr. Gemeinde zu Waitzen zwei o'iso gestohlen. Dieser Fall wurde von der Behörde öffentlich angezeigt, und die hiesigen Buchhändler Burian und Levi meldeten sich gleich, daß sie diesen nnso gekauft haben. Nach ihrer Angabe konnte man den Dieb ausfindig machen und zwar in der Person eines gewiffen Samuel Grünbaum. Grünbaum hatte wohl seinen Diebstahl eingestanden, er suchte sich aber damit zu rechtfertigen, daß er damals bei Nacht im Tempel eingeschlafe» sei und so eingefperrt wurde. Als er aufgewacht sei, habe er an die Noth seiner armen Familie gedacht, die für den Winter kein Holz hätte und so habe er die onso gestohlen. Vor einigen Tagen war nun beim hiesigen Gerichte die Schlußverhandlung über diesen Tempelraub und wurde S. Grünbaum zu zweijähriger Kerkerstrafe verurtheilt. (Pesth. jüd. Zeit.) BarifH Wiederum ist ein Betrüger ausgetreten, der sich als ein Enkel des Feldmarschalls Radetzky ausgibt und ferner behauptet, daß er zum Judenthum übergetreten sei, sich aber in ärmlichen Umständen befinde und darum die Wohlthätigkeit seiner neuen Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen gezwungen wäre. Mehrere Israeliten ließen sich dupiren, wurden aber schrecklich enttäuscht, da der vermeintliche Radetzky bei Mehreren, besonders Silberzeug, des Nachts gestohlen. Man hat dessen Arrettrung veranlaßt. (Jb. An.) ANZE Offene Lehrlingsftelle. In unser nächsten Januar in Luzern neuzuerrichtendeS Manufacturwaaren-su Arvs-Geschäft könnte ein mit gehörigen Vorkenntniffen versehener junger Mann als Lehrling eintreten. Kost und Logis im Hause. SamstagS und Feiertage streng geschloffen. Meyer Heymann & Söhne in Sursee (Schweiz). Jfcür ein Bankgeschäft in Frankfurt a. M., wel- O welches am Samstag und an jüd. Feiertagen geschlossen ist, wird ein Lehrling mit guten Vorkenntnissen I G E N. gesucht. Franco - Offerten unter Chiffre H. H. 1452 besorgt die Exped. d. Bl. n einer respectablen israelitischen Familie in Hamburg, wo erwachsene und halberwachsene Söhne sind, werden einige gesittete junge Leute, die die Schule besuchen wollen, oder im Geschäft sind, als Pensionäre gesucht. Bedingungen mäßig und übernehme ich selbstverständlich die häusliche Erziehung oder resp. Beaufsichtigung der jungen Leute. Wegen des Näheren beliebe man sich direct an mich zu wenden. Henry Heilbut, Burstah 20 in Ham.b urg.