Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-11-30 · Heft 48 (30.11.1870) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447494--08850-2464518
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

881 lichen Versuchen, dieselben auf bessere Wege und die rilS'kiv überhaupt in besseres Ansehen bei ihnen selber wie auch bei den Gemeinden zu bringen, sich in jüngster Zeit genöthigt gesehen, der Vornahme einer mündlichen SchLchterprüfung eine schriftliche vorauSgehen zu lassen, in der dem Examinanden circa dreißig Fragen in der - Sprache zur Beantwortung vorgelegt werden. Unter sämmtlichen, seit dieser Einrichtung zum „rfop -- Nehmen" in Dürkheim gewesenen Lehrern war kein einziger, der auch nur die erste Frage (und diese ist die allerleichteste, da die Fragen, in der Schwierigkeit ihrer Beantwortung, sich immer steigern) verstanden hatte! Diese erste Frage lautete bei Einigen: ncrntp msa npo rpx rrnnn p? Darauf erbat sich der Eine die Erlaubniß, sie in deutscher Sprache beantworten zu dürfen,' da er sonst eS zu thun nicht im Stande sei. Auf diese Erlaubniß hin —: ntn «sw — kam folgende widersinnige Antwort heraus: „Die ist deshalb rrnnn p mso -npo, weil sie ein überliefertes Gesetz von Moses ist." Man müßte hell auflachen, wenn eS nicht zum Weinen traurig wäre! Dazu war das p, weil sich's der Lehrer nicht dreimal vorher in der nixtcr genau angesehen, pa geschrieben (!!). Auch mußte der Rabbiner ihm, auf seine Bitte hin, vorerst das Wort -npo übersetzen (!!). Zu den anderen Fragen, oder richtiger zu deren Beantwortung, kam es nicht mehr. Der Lehrer sagte: „Wenn Sie mir die Fragen in'S Deutsche übersetzen, dann werde ich sie gewiß verstehen" (wie naiv und kindlich!!). Der Rabbiner wies mit Verachtung eine solche, noch dazu, wie ich versichern kann, mit dem größten Selbstbewußtsein gethane Aeußerung und die darin ausgesprochene Zumuthung zurück —: der anw war - „geprüft", gnädig entlassen, — doch bevor er ging, zog er noch ein Document aus der Tasche, daß er dem Rabbiner mit großer Befriedigung zur Einsichtnahme vorlegte, und das, zum großen Schrecken dieses, eine in hebräischer Sprache geschriebene rwp war, die er zwei Tage vorher von Herrn Rabbiner Lindemann in Mannheim erhalten hatte!!! — Ob der glückliche Besitzer des Documents dasselbe lesen konnte? kann ich nicht mit Bestimmtheit verneinen. — Ein zweiter Lehrer und ttrotf beantwortete die obige Frage wörtlich: „(fehlt: io«):?) mmn p nv'nv niso -»pa (sic!) Pan ui dt d2i (!!) ppn to." Was dieser junge Gelehrte noch auf andere ihm vorgelegte Fragen zu antworten die Kühnheit hatte, behalte ich mir für eine spätere Zeit mitzutbeilen bevor. — Diese sich zugleich D'onw nennenden „Lehrer" sind demnach vo lständig unfähig, in irgend einem maßgebenden Buche np'T2i ncmv 'JHD, wie dies beispielsweise der pnu' ir\n, der pm rca, der D'mud rma rc. sind, irgend einen pi nachzusehen und für sich und Andere zuverlässige Belehrung daraus zu schöpfen. Inwiefern diese Leutchen aber in religiöser Beziehung sich zu D'Dnw qualificiren? darüber hat mein erster Brief hinlänglich Aufschluß ertheilt. Berlin. In der Klosterstraße Nr. 2 wohnm die schon bejahrten jüdischen Eheleute Liebelt, die dort eine Herberge hatten. Es logirten bei ihnen vier russische Arbeiter, die sich hier zum Obstverladen nach Rußland aufhielten. Drei von diesen schliefen in demselben Zimmer der alten Leute, während der vierte im Nebenzimmer schlief. Am Donnerstag früh wurden nun die L'scheu Eheleuten mit durch einen schweren Hammer eingeschlagenen Schädel todt im Bette gefunden. Die drei in demselben Zimmer gewesenen Russen hatten früh 6 Uhr das Haus verlaffen, während der im Nebenzimmer schlafende noch dort war, der aber von dem Vorfall nichts wisien will. Aus dem Zimmer der Ermordeten fehlen 500 Thlr. baareS Geld. Der zurückgebliebene Russe will auch über den Verbleib der Verbrecher nichts wissen, doch wird eS hoffentlich gelingen, derselben habhaft zu werden. (Volksztg.) Berlin. Wie der „Presse" von Berlin aus telegraphisch gemeldet wird, fand am Dienstag auf dem israelitischen Friedhofe gelegentlich des BegräbseS des Fabrikbesitzers Ritter Lehmann eine neue Demonstration gegen den Rabbiner vr. Geiger statt- Als dieser die Leichenrede begann, baten die Söhne des Verstorbenen, dieselbe zu unterlassen, da ihr orthodoxer Vater wegen der Wahl Geigers aus dem israelitischen Vorstände ausgetreten sei. Die Leichenrede unterblieb. Endlich scheinen sich die Berliner Glaubensgenossen aus ihrer bisherigen Lethargie aufraffen zu wollen. Königsberg. Vor einiger Zeit starb in unserer Nachdarstadt Elbing ein gewisser Eisenstädt und hintealieß eine Wittwe nebst zwei Söhnen im Alter von 9 resp. 11 Jahren. Die Wittwe, ursprünglich eine Christin, kehrte nach dem Tode ihres ersten Mannes wieder zu ihrer früheren Religion zurück und verheirathete sich mit einem armen christlichen Arbeiter. Das unter den obwaltenden Umständen ohnehin traurige Loos der beiden jüdischen Stiefkinder im Hause ihrer nichtjüdischen Pflegeeltern gestaltete sich um so trüber, als die letzeren es nicht an Versuchen fehlen ließen, ihre Pflegebefohlenen durch Ueberredung oder Drohungen in die Arme des ChristenthumS zu führeu. Der schließliche Ausgang dieser Sache war vorauszusehen. Deshalb wendete sich der Vorstand der dortigen Gemeinde, Herr Stadtrath Lövinsohn, an das hiesige Waisenhaus mit der Bitte, diese beiven Knaben gegen eine von der dortigen Gemeinde auszubringende Jahrespension von 150 bis 200 Thlr. aufzunehmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.