Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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880 Mängel und Unziemlichkeiten, die jetzt leider bei Ausübung dieses heiligen Gebots so häufig Vorkommen, so wahr und treu, daß ich aus dem Grunde meiner Seele seinen trefflichen Worten zustimme, so wie dies gewiß von Allen geschieht, welche dies Gebot als ein heiliges Palladium ansehen gegen destructive Bestrebungen gelehrter und unglehrter Theologen. Ich habe selbst seit einer langen Reihe von Jahren dieser wichtigen Angelegenheit stets besondere Beachtung zu gewendet, und kann daher meine gewonnene Erfahrung als Winke zur Nutzanwendung hier offen aussprechen. Bekanntlich besteht der heilige Akt in zwei bestimmt vorgezeichneten und darum unerläßlichen Erfordernissen: nyns» nb'D. Mit welcher Sorgfalt letztere geschehen muß, um den Vorschriften zu genügen, hat Herr vr. H. als gründlicher Lamdan schlagend dargethan; ob aber in vergangenen Zeiten die diesbezüglichen Zustände, wie er der Meinung ist, in der That so rosenfarben waren, mag dahingestellt sein. Ich weiß mich aus meiner Jugendzeit nicht zu erinnern, daß jemals ein Rabbiner das Rituule di-seö Aktes überwacht, oder die Mohalim, die oft recht gründliche Ignoranten waren, einer Approbation unterzogen hätte. Jndeß thut dies nichts zur Sache. Will das gefetzestreue Judenthum eine Restauration des Gesetzes ernstlich anstreben, so muß es Schäden zu heilen suchen, auch wenn sie noch so alt und eingewurzelt sind. Ein sehr bedenklicher Uebelstand ist zuvörderst die rapide Schnelligkeit, mit welcher die sogenannten . geschickten Mohalim" das heilige Werk zu verrichten pflegen. Diese zeigen in der Regel ihre Bravour, daß fie flink fertig sind, und in gar nicht seltenen Fällen, wenn die untere Bindehaut ein wenig härter ist und der leisen Berührung mit dem Nagel widersteht, bleibt die Peria unvollendet, und nach geschehener Heilung ist von dem Bundeszeichen kaum etwas wahrzunehmen. Ich habe bereits bemerkt, daß ich nur aus eigener Erfahrung niederschreibe. Mein Vorgänger im Amte hier war als „geschickter Mohel" in der ganzen Gegend bekannt und viel in Anspruch genommen. Ich wurde nicht lange nach meinem Amtsantritte hier durch eine alte Frau auf einen Knaben aufmerksam gemacht, der damals bereis im zweiten Jahre stand, an dem von dem Bundeszeichen keine Spur mehr zu bemerken war. Meine Bemühungen und Ermahnungen bei den Eltern waren vergebens. Die Leute sind längst von hier weggezogen, und der Knabe, wenn er noch am Leben ist, ein bereits erwachsener junger Mann, ist ein völliger Ich nahm hieraus Veranlassung zu weitern Recherchen und fand in mehreren Fällen mehr oder weniger den Akt nicht nach Vorschrift vollzogen. Es ist daher dringend geboten, Manchem die er „Schnellkünstler" gehörig auf die Finger zu sehen. weil dieses Treiben um so gefährlicher ist, als die Eltern im guten Glauben ihrer Pflichterfüllung keine Ahnung haben, daß ihre Söhne halb Arelim oder gar mit Karoth-Strafe behaltet sind. Aber noch ein anderer Umstand darf hier nicht übergangen werden. Viele Mohalim haben in der neuen Zeit vom Anlegen eines Verbands Abstand genommen und legen nichts als Wasserläppchen auf, vorgebend, daß so die Heilung mehr gefördert und außerdem auch leichter bemerkt wird, wenn etwa eine Nachblutung eintreten sollte. Inwieweit der erste Grund richtig ist, vermag ich nicht zu beurtheilen. Nur glaube rch ersahrungsmäßig behaupten zu können, daß ohne Verband die libellirende Haut beim Eintreten des He'-lungsprozesses, was meist noch am selben Tage geschieht, über den Kranz der Eichel zurücktritt, wozu auch die naturgemäße einziehende Bewegung des Gliedes nach dem Harnen ein gut Theil beiträgt und in dieser Lage verbleibt, was aber durch einen vorsorglichen Verband ganz verhindert wird. Der Befürchtung einer Verblutung kann begegnet werden, indem man in kurzen Zwischenräumen den Verband erneuert, und nach etwa 2—3 Stunden ist eine solche wohl auch nicht mehr zu befürchten. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr Deutschland. Aus der bayerischen Pfalz. (Zweiter Brief.) Obwohl ich Ihnen in meinem ersten Briefe verhältnißmäßig nur sehr Weniges aus dem überreich vorhandenen Material, dem Leben und Treiben vieler pfälzischer Lehrer, mitgetheilt habe, so will ich doch, um den beschränkten Raum Ihrer Wochenschrift nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, für jetzt von einer Fortsetzung dieses Themars absehen, und in meinem heutigen Briese über die Befähigung vieler pfälzischer Lehrer als D'mw kurz referiren. Um dem etwaigen Vorwurfe einer subjectiven Anschauung der Verhältnisse auf jede mögliche Weise zu begegnen, so will ich mich jedes selbstständigen Urtheils enthalten, und in diesem Punkte nur einige wenige, im Original mir zur Einsicht vorliegende Proben geben: die unparteiischen Leser des „Israelit" mögen dann selber ihr Votum abgeben. Der Vorlage der Proben muß ich die Mittheilung vorausschicken: daß das BezirkSrabbinat zu Dürkheim bei dem beklagenswerthen Umstande, daß sämmttiche jüngeren Lehrer der Pfalz die new 'in nur in deutscher Sprache gelernt, und nach mehrjährigen anstrengenden, leider aber vergeb-