Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1870)
- Date
- 1870-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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S7A Am achten Tage sind nur noch fünf Mitglieder anwesend. Man beschließt, am 5. Juni 1871 in Cincinnati wieder zusammen zu kommen und hebt die Versammlung auf. Wir haben im Vorstehenden einen kurzen Auszug auS dem Berichte, welchen der„Jew. Mess." über die in Rede stehende Rabbiner-Versammlung veröffentlicht, gebracht. Wer die Ehre hat, einige von den Versammelten persönlich zu Kurien, wie z. B. Herrn Kleeberg, wird sich kaum darüber wundern. Ein solches wirres Durcheinander, eine solche Principien- und Gedankenlosigkeit, ein solcher Mangel an allem positivem Wissen, ein solches Hohnsprechen a llem gesv! den Menschenverstände, wie sich das Alles in den vorstehenden Debatten offenbart, ist uns noch niemals vorgekommen. Wie müssen erst die Gemeinden beschaffen sein, die solche Männer als ihre Rabbinen anerkennen! Weöer die Aefchneidungs - Angelegenheit Von I. Glück in Erfurt. Gestatten Sie mir, hier wiederholt ein Thema zu berühren, welches von Herrn Rabbiner Dr. Hild esheimer zu Berlin in Nr. 34 und 35 dieser gesch. Bl. bereits in so trefflicher und ausführlicher Weise erörtert worden, das aber um so größere Beachtung verdient und darum nicht oft genug besprochen werden kann, als es die Aufrechthaltung und vorschriftsmäßige Ausführung eines Fundamentalgesetzes unserer heiligen Religion, die Beschneidung, betrifft. Nicht ohne Absicht gebrauche ich den Ausdruck Fundamentalgesetz, indem es, als sichtbares Zeichen des Bundes, der von Gott mit Abraham für sich und seine Nachkommen geschlossen, die Anerkenntniß Gottes, sowie volles Bewußtwerden des aus diesem Bunde geflossenen hohen Abrahams-Berufes in sich faßt, daß mithin die Heilighaltung desselben in seinem ganzen Umfange ein Durchdrungensein von diesem Beruf manifestirt, während ein sträfliches Unterlassen ein frevelhaftes Verleugnen desselben bekundet . . -lön »nna m. ES ist in der neuen Zeit von gewisser Seite der Versuch gemacht, die hohe Bedeutung dieses Gebots abzuschwächen, indem man sich darauf stützte, daß das halachische Jus im Talmud und Codices, da wo es sich um religiöse Glaubhaftigkeit handelt, die Renitenz gegen dieses heilige Gebot nicht als solche bezeichnet, welche den Verlust alles Vertrauens in religiösen Angelegenheiten nach sich zieht. lm&ft “ioid miy1? *ioid ->m. Diese Schlußfolgerung ist aber durchaus unrichtig, da eine halachische Feststellung keinesweges als Maßstab für den höhern oder geringern Werth eines | Gesetzes gelten soll. Wie fast überall, hat die traditionelle Halacha auch hier nur die Abwägung des Gesetzes und dessen Beziehung zu dem Individuum, sowie die quantitative Verpflichtung vor Augen, ohne sich dabei auf die Prinzipienfrage einzulassen, ob die Beschneidung als eine Conditio sine qua non anzusehen sei oder nicht. Diese Frage muß von einem andern Gesichtspunkte aus beurtheilt werden. Man muß den überwältigenden Eindruck der göttlichen Offenbarung an Abraham, welcher dies Gebot seine Entstehung verdankt, recht lebendig auf sich einwirken lassen — man muß vor Allem den hochheiligen Charakter desselben in Betracht ziehen, wie er sich in den Worten ")nnN '’pb^ '■p nrnt> ausgeprägt — und man wird die hohe Bedeutung dieses Gebotes recht begreifen; man wird ihm eine superiore Stellung nicht versagen können, weil es die Basis aller göttlichen Anordnungen innerhalb der Nation ausmacht, welche am Sinai in Lehre und Gesetz rmn niUD) ihren Abschluß erlangten. In diesem Sinne hat der Talmud dieses Gebot beurtheilt, wenn er in feiner Weise sinnreich aufgestellt, daß es das Bekenntniß der Einheit Gottes involoirt, indem der dreizehnmalige Gebrauch des Wortes nna (rnnna j"’ n'by imaj) dem Zahlenwerth des Wortes “li-iN gleichkommt — wenn er ferner den bedeutungsvollen Ausspruch thut: nnn kvw d^d rbra mionn natp Nkd. 31 b. In diesem Sinne aufgefaßt, war die Ausführung dieses Actes zu allen Zeiten von einem heiligen Nimbus umflossen, welchen eine besondere Liturgie kennzcichnete; selbst dem Mahl war der religiöse Charakter ausgeprägt, und das Ganze bewirkte eine Herz und Gemüth erhebende Freudigkeit nicht blos bei den Eltern, sondern bei allen Anwesenden, wie sie allein die religiöse Innigkeit in jüdischen Häusern hervorzurufen vermag. In diesem Sinne endlich haben Tausende unserer Vorfahren für dies Gebot freudig ihr Leben geopfert und sicher verdanken wir es diesem Umstand, daß die Uebertretung desselben doch nur zu den seltensten Seltenheiten gehört und mit Gottes Hilfe es auch bleiben wird NOvw mso dto rjD”pru rv^y Dtc'SJ. Ich habe hier diese Momente nur in kurzen Zügen berührt, indem ich heute weniger die theoretische als die praktische Seite dieser Frage zur Sprache bringen wollte; wäre aber auch zu einer Beleuchtung derselben vom religiös - wissenschaftlichen Standpunkt erbötig, wenn die verehrt. Redaction die Ausnahme freundlichst gestatten wolle.*) Kommen wir jetzt zu unserm Eingangs erwähnten Thema zurück. Herr vr. Hildesheimer zeichnet in den angegebenen Nummern d. Bl. mit bewährter Meisterschaft die *) Mit Vergnügen. — Red.