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Der Israelit · 1870-11-23 · Heft 47 (23.11.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 47 (23.11.1870)
Date
1870-11-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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872 Gesicht ac., denken. Zur Ehre dieser Species von Beamten sei es gesagt: daß sie von allen drei ihnen anvertrouten Aemtern gleich viel verstehen. Sie sind, wenn man sie näher kennen gelernt, eben so gute Lehrer als D'onw, und eben so vortreffliche own, als sie gediegene, kenntnißreiche Lehrer sind. Ihre Unwissenheit ist so groß, als ihr Hochmuth, und ihre Wißbegierde eben so groß, als ihre Frömmigkeit. Ich glaube kaum, daß es noch anderswo, als in der „fröhlichen Palz", Vorkommen kann: daß ein jüdischer Lehrer noff aus seinw Feder herausbringt, weil er sich diese zwei Worte, vor deren Niederschreib»n, nicht zuerst genau in einer angesehen! Oder: dag ein anderer „Herr College" bei der rrnay am heiligen ar.'\ statt "01 n’jno umw, der aufhorchenden Gemeinde aus demselben Grunde -paj pmrn G'hTt otny -.y: nnyo '» vorsingt! E n Dritter wiederum citiit mir einmal mit großer Nonchalance, aber mit ganz eigenthümlicher Aussprache und Betonung, die Worte: t:d ''2i'ya -rdyr>. Da mich dies bei einem im pfälüschen Seminar gebildeten Lehrer ungemein überraschte, so rückte ich demselben sofort mit der Frage auf den Leib: ob er vielleicht ein übersetztes tyoin-’an habe? Den Sinn meiner Frage gleich fassend, findet er es für klug, dieselbe der Wahrheit gemäß zu bejahen und das Geständnis; zu machen: daß er das Verständniß jen r Worte aus di-ser Übersetzung sich angeeignet habe. Einem vierten „Herrn College»" zeigte ich scherzweise die Stelle in ’>cp,, die mau mir einst als Knaben zur Erklärung vorgelegt, und die sich in -moa Cap. 2*‘>, V. 10 findet. Derselbe übersetzt die Worte: rwaipO.a inx ni nancn n« ayio pnnn^ „ das ist einer von den Orten, wo stark gemacht hat ein Weniges - die Haderwasser!!! Ein Fünfter kam in Mcine Nähe am heiligen Sabbat zu einem „Israeliten - Ball" gefahren!! Wie es um die Religiosität dieser Leutchen steht? Nicht anders, als es bei ihrem Leichtsinn und ihrer Unwissenheit darum stehen kann. Sie sind, um Einiges zu erwähnen, durch Nichts in ihrer Halsstarrigkeit und Hartnäckigkeit zu erschüttern.^ So gab sich beispielsweise der Bezirksrabbiner zu Dürkheim, Herr vr. Salvendi, große Mühe, sie bloß dazu zu bestimmen , den hebräischen, oder deutlicher gesagt, den Unterricht in und ttfüin bedeckten Hauptes zu ertheilen. Aber: ttfnaoa durr.i ns* tpnan dn, die Bemühungen waren vergeblich. Die Gemeindevorstände protestirten theilweise oagegen bei der Regierung , die anderen unterstützten sie indirect durch ihr Schweigen, und so blieb es leider beim Alten! — Im Rabbinatsbezirke Dürkheim wagt es kein Lehrer, pn und vnw', sobald , am heiligen natp zu fahren: in den anderen Bezirken hingegen ihm es so Mancher von ihnen, und der Eine von ihnen, Herr Lehrer St. in M. - K., fuhr sogar am nos iv jnn« 5629, der, sowie der jüngste, auf einen nav siel, zu einem „Israeliten-Ball"!! Daß die Meisten von ihnen, sobald ihre Milchhaare sich zu Bärten umgewandett, sich mit dem Messer rastren, daß sie es mit dem Beten any “>pa: nicht besonders genau nehmen, daß es ihnen ganz gleichgiltrg ist, ob in ihrer Gemeinde eine mpo ja ober nicht vorhanden ist, darf nach dem Gesagten nicht auffallen. Ja, wie ich aus glaubwürdigster Quelle erfahren, hatte Herr Lehrer St. in N. einmal die grenzenlose Frechheit, die Synagogen, in denen, wie eben in Dürkheim, der alte Ritus vorläustg noch beibehalten ist, in Gegenwart seines bei einer Hochzeit anwesenden Rabbiners, in einer elenden Tischrede als Synagogen mit „ mittelalterlichem" Ritus zu bezeichnen, und sein jämmerliches Geschwätz damit zu krönen: daß er den wavoa tp-nson d» baarhaupt wie jedes andere beliebige profane Wort aussprach!!! All das Mitgetheilte ist nicht \)d ihn, was von biedern Leutchen mitzutheilen wäre. Um den Raum dieser Blätter nicht mit einem Briefe zu sehr in Anspruch zu nehmen, breche ich hier ab, behalte mir aber eine Fortsetzung dieses Thema's auf nächstens n"'X vor. Mannheim, 9. Nov. Seit dem 5. August wirken die Herren Jakob und Leopold Mayer freiwillig im hiesigen Zeughaus - Lazareth , erfterer als Vroviantverwalter, letzterer als Daus - und Küchenmeister. Was diese in dieser Zeit gethan, ist daraus ersichtlich, daß alle Reeonvalescenten, die entlasten wurden, Dankesbriefe an dieselben senden, in denen sie den Herren Mayer quasi als ihre Lebensretter dankm. Seit dem 3. September haben sie 206 Ruhr- und Typbnskrauke, zu denen sich oft kein bezahlter Wärter findet, bedient. Sie kommen manchmal3—4 Tage und Nächte nicht aus den Kleidern und zu ihrer Familie. Bemerkt muß nock werden, daß durch die praktische und ökonomische Einrichtung, die sie bei der Pflege und Verpflegung der Kranken getroffen haben, eine große Ersparnis statthat. Am Moz« Jom- Kippur fuhren sie. ehe sie etwas aßen, direct in'S Lazaretb zu ihren Kranken. Es ist rührend, mit welcher Liebe d'ese an ihren Wärtern hängen. Und dies Alles thun sie unentgeltlich und freiwillig, ohne daß sie doch dabei den täglichen Gottesdienst versäumen. Ehre diesen Biedermännern! Erfurt, 13. Nov. Unter den hier rnternirterr I2,o00 französischen Gefangenen befinden sich 10—12 Israeliten, welche auf deSsallsige Anzeige des Herrn Dr. Jaraczewsky bei der Commandantur ohne alle Bedeckung nicht nur an den Festtagen, sondern zu jeder Zeit die Synagoge besuchen dürfen; die Mehrzahl von ihnen hat von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht. Daß diese Leute ebenso wie die deutschen Sol-

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