Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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871 der der Wahl einer Handels-Lehranstalt eine israelitische, wie die genannte hiesige „Bürgerschule" — die durch ihren Handelsunterricht in der Qberelasse den Besuch einer wirklichen Handelsschule hinreichend ersetzt ~~ sich auch aus dem Grunde empfehlen, weil bei derselben selbstverständlich der Synagogenbesuch am Sabbatmorgcn nickt, wie bei christlichen Schulen im Wintersemester, vernachlässigt zu werden braucht. Niemand, Pädagog wie Laie, wird den tiefen Eindruck verkennen, den das andächtige Beten, das aufmerksame Anhören der Thoravorlesung im Verein mit der andächtigen Gemeinde auf das jugendliche, noch unverdorbene Gemüth bewirkt; dieser Eindruck dürste gewiß zur Befestigung der frommen Lehren von Schule und Haus für's ganze Leben beitragen, also von großem moralischem Werthe sein. Auch der leichter mögliche Umgang mit ausschließlich religiösen jungen Leuten dürfte dabei ein nicht zu unterschätzendes Moment sein. Was aber den Umstand betrifft, daß es Manchem darum zu thun ist, durch den Besuch der drei Cnrse einer Königl. Handels- oder Gewerbschule das Zeugniß der Befähigung für einjährigen Freiwilligendienst zu erlangen — was leider nur durch das Absolutorium einer solchen Königl. Anstalt möglich ist — so dürste es für Söhne orthodoxer Eltern, die fragliches Zeugniß wünschen, nicht allzuschwer sein, nach beigebrachtem Nachweis gehöriger anderweitiger Vorbereitung zur besagten Absolutorialp rüsung ^ugelassen zu werden, wie dieß z. B. auch den Schülern resp. Abiturienten der städtischen Handelsschule zu Nürnberg gestattet ist. Schlimmsten Falls dürfte die Möglichkeit des Eintritts in den 3. Curs der K. Handelsschule, die Befähigung wiederum vorausgesetzt, außer Frage sein. Wenn nun Schreiber dieses in Vorstehendem für streng-religiöse Eltern ausschließlich der Wahl einer Anstalt, wie die orthodoxe hiesige Bürgerschule, das Wort geredet, so könnte mancher der geehrten Leser auf den Gedanken kommen, als ob derselbe, während er demHrn.Corresp. ’ncN eine falschePropaganda zu Gunsten der erwähnten Bngerschule vorwarf, doch selbst, wenn auch keine falsche, so doch eine wirkliche und im Einverständniß mit letzterer Anstalt habe machen wollen. Dem ist aber bei Weitem nicht so. Ihm ist eö nur um das Princip, um die gute Sache zu thun, und so gewiß es ihn sehr freuen würde, wenn seine obigen Ratschläge von wenigsten? einigem praktischem Erfolge bei auswärtigen orthodoxen Familien wären, so sehr muß er sich vor der etwaigen Meinung verwahren, als handle er in absichtlichem Einverständnisse mit den Leitern — auch nur mit einem einigen — der fraglichen Schule; ebenso weist er auch die mögliche Insinuation, als habe er ein solches Einverständniß auf letzterer Seite mit den kritisirten Worten des Herrn »noa vorausgesetzt, entschieden zurück. Meine Tendenz in Beziehung auf die K. Handelsschule ist entsprechend meinem allgemeinen Grundsätze, das Gute anzunehmen und die Wahrheit anzuerkennen, wo und wie man sie findet, im speciellen Falle also, das wahrhaft loyale Verhalten nicht nur des Rektorats, sondern aller Lehrer der fraglichen Anstalt, natürlich auch der beiden jüd. Lehrer, hinsichtlich der isr. Feiertage gegenüber den Worten, resp. Angriffen des 'livr-r-Corresponderrten gebührend hervorzuheben. Wenn aber dieser Herr das, was er in seinem Berichte mit der einen Hand gibt, und noch weit mehr als das (mit vollstem Rechte) Gegebene mit der andern Hand (mit vollstem Unrechte) wieder nimmt, so darf man^ihm, der dadurch selbst auf die Objectivität seiner Berichte überhaupt einen Schatten wirft, wohl mit Recht zurufen: "IBonD ab): Ich will nicht Deinen Stachel und mag nicht Deinen Honig. »ii.t Aus der bayerischen Pfalz. (Erster Brief.) Die „fröhliche Pfalz" glücklich im Rücken habend, und u: ter viel angenehmeren und befriedigendern religiösen Verhältnissen als dort mich befindend, will ich es versuchen, den Lesern des „Israelit" ein wahrheitsgetreues Bild der jüdisch-religiösen Zustände der Rhein- Pfalz, zu deren Bloßlegung durch neuerliche Vorgänge (S. den Leitartikel in Nr. 34 dieser Blätter) eine ganz besondere Veranlassung vorliegt, zu geben. Ich hätte, als schlichter Volkslehrer und wenig geübter ZeirungScorrespondent, dieses traurige Geschäft gern einer gewandteren Feder überlassen. und mit wahrer Freude begrüßte ich darum vor mehreren Monaten eine Correspondenz aus Dahn im „Israelit", die sich dieser Mühe in redlicher Weise unterziehen zu wollen versprach. Da der mir vollständig unbekannte Correspondent aber bis heute sein Versprechen nicht gehalten, und ich außerdem durch die genaueste Kenntniß der Pfälzer zu der Annahme Grund habe, daß derselbe eö überhaupt nicht einlösen werde —, so will ich es an seiner Statt thun, nnd zwar mit der heiligen Versicherung: daß ich nur Thatsachen referiren und für die lauterste Wahrheit des Reserirten jederzeit mit meiner Mannes ehre einzustehen bereit sein werde. Um aber, einigermaßen wenigstens, eine bestimmte Einteilung in meinen Berichten zu haben, beginne ich heute mit denjenigen, die schon viel Schaden und Unheil in den jüdischen Gememden der Pfalz angerichtet haben, das sind viele Lehrer, Cantoren und Schächter. Diese drei heiligen und äußerst wichtigen Armier sind in der Pfalz im Allgemeinen in eine Hand gelegt. Man muß sich diese Hand aber keineswegs ungemein stark, sondern im geraden Gegmlheil als sehr klein und unbedeutend, als die Hand eines siebzehn- und achtzehnjährigen Jünglings, mit Milchhaaren im