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Der Israelit · 1870-11-23 · Heft 47 (23.11.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 47 (23.11.1870)
Date
1870-11-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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873 böten in jüd. Familien ihre Beköstignng finden, ist selbstverständlich. Auch zwei Offiziere jüd. Bekenntnisses besuchten an m die Synaaoge, ein Capitän und ein Premierlieutenant; es sollen aber noch mehrere hier sein. Überhaupt ist daö Lager hier Jedem zugänglich, sowie auch die Gefangenen frei und ohne Bedeckung auögehen dürfen. Diele sind bei hiesigen Bürgern in Arbeit getreten, und ich kenne einige Juden, die bei jüd. Kaufleuten conditioniren und sich recht behaglich fühlen. Eine auffallende Erscheinung ist es jedoch, auf die ich hier Hinweisen möchte. Am zweiten Tag n""i nach Beendigung des Gottesdienstes kam in aller Hast ein Znave zu mir und rief unter lebhafter Gestikulirung: «so suis Israelite, Schema Israel n. s. w. und so mehrmal hintereinander. Er verstand kein Wort deutsch und war sichtlich erfreut, als ich ihn in seiner Sprache airredete. Auf mein Befragen, warum er denn nicht vor den Feiertagen gekommen, da ja im Lager die Mittheilung aemacktwordenwar, erwiderte er, daß ihm davon nichts bekannt geworden, er auck nicht gewußt habe, daß hier eine jüd. Gemeinde sei. Ich behielt ihn Mittag bei mir, und um mich zu überzeugen, daß er wirklich 'linttn “□ sei, legte ich ihm ein hebr. Gebetbuch vor; aber da sah es traurig ans, er konnte nur stümperhaft einige Worte zusammenbringen. Er entschuldigte sich, daß seine Eltern ihm srübzeuig abgestorben seien und er nur wenig Gelegenheit hatte. Die Schule zu besuchen. Nach seiner Aussage ist er ans Bordeaux, wo eine große Gemeinde und eine prachtvolle Synagoge sei. Die übrigen jüd. Franzosen, welche oft den Gottesdienst besuchen und Jeder seine kleine Tefillah in der Tasche hat, sind deutsche Elsässer und deutsche Lothringer, die auch besser deutsch als französisch sprechen. Dieselbe Erscheinung fiel mir gestern wieder auf bei zwei Gefangenen, die erst vorige Woche unter den Metzer Capitulanteu hier eintrafen; sie besuchten Freitag Abend die Synagoge und der Eine von ihnen war rD*tf mein Tischgast; er versiebt ebenfalls kein deutsches Wort, ist aber auch nicht im Stande, hebräisch zu beten und nur auf den Vers Schema Jisrael beschränkt. Ein Gleiches ist, wenn ich nicht irre, aus Königsberg berichtet, daß unter 17 Franzosen rur 4 hebräisch lesen könnten. Wenn nun mtt ziemlicher Gewißheit behauptet werden kann, daß in der deutschen Armee uMer den jüd. Soldaten wohl kaum Einer angetroffen wird, der nicht mindestens lesen könnte, so muß es doch auffallen, daß in Frankreich, wo der jüd. Cultus seit länger als fünfzig Jahren vom Staate anerkannt und sanctionirt wird, wo Ober¬ und Unter-Consistorien bestehen, deren Sache es doch recht eigentlich sein muß, den Religionsunterricht zu überwachen und zu heben, daß in Frankreich so Viele des hebr. Lesens unkundig sind. Gewiß ist dies geeignet, ein ungünstiges Licht auf die dortigen religiösen Zustände zu werfen, und man gelangt zu Resultaten, deren Ausführung ich mir vo-behalte. Schließlich mag noch Folgendes hier eine Stelle finden. Vor Kurzem wurde hier ein TurcoS-Offizier beerdigt. Er war, wie die Meisten dieses Stammes, Muhamedaner, und wurde nicht auf dem städtischen Friedhofe, sondern seitwärts des Feldlagers, wo ein Grab bereitet war, zur Erde bestattet. Die dabei beob chteten Ceremonien erinnerten lebhaft an die jüd. Trauergebräuche, und die G sänge waren Jntonirungen wie bekannte alte Synagogen - Melodien. Die Leiche wurde ohne Sarg, nur in Leinen gehüllt, in die Gruft gesenkt welche m t nur vier Brettern ausg'legt war, und oben daraus wurde ein Brett als Deckel gelegt. Ich erinnere mich, daß in vielen Gemeinden, besonders in Polen, bei der Beerdiaung jüd. Leicben ebenso verfahren wird. I. Glück. Italien. Ein Florentiner Blatt erzählt eine pikante Geschichte, deren Authenticität ihm verbürgt wird. Dieser Tage kam ein Mann in anständiger, wenn auch nicht besonders gewählter Kleidung, welchen man höchstens für einen bescheidenen Hausbesitzer hätte halten mögen, ins italienische Finanzminist rium, wendete sich an einen Immt.-u bei Kassadirektion und sagte: „Entschuldigen Sie, könnte man Schatzscheine haben?" — „O, ja." — „Und für welche Summe gibt man?" - „Für fünfhundert, für tausend Frcs." — „Könnte man ihrer, zum Beispiele, für zwei Millionen daben?' Der Beamte schaute den Mann erstaunt an. denn er konnte sich nicht denken, daß derselbe über eine solche Summe zu verfügen im Stande sei. D'e Erklärung dieses Fcktums könnte aber in dem Schritte der römischen Israeliten gefunden werden, welche die Absicht haben sollen, starke Summen in Staatsschuldverschreibunzen anzulegeu, aus Erkenntlichkeit gegen die Regierung, welcher sie endlieb die Gleichstellung mit den andern Staatsbürgern Italiens zu verdanken haben. Rußland. detepSburg. Der durchs seine große Wohlthätigkeit in weiten Kreisen bekannte P. Rosenberg wurde von der kaiserlichen Regierung zum Mitglied d 's Aufsichtsrathes über die Gefängnisse ernannt, eine Auszeichnung, di' von Seiten unserer Glaubensgenossen mit großer Genugthuung ausgenommen wurde. (Hamagid.)

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